| 19:07 Uhr

"Ihren Zellen geht es gut bei mir"

KARLSHAUSEN. Arno Arens aus Karlshausen hat Stammzellen gespendet und damit vermutlich einer an Krebs erkrankten Frau das Leben gerettet. Von unserer Redakteurin <br>STEFANIE GLANDIEN

Vor etwa fünf Jahren wurde in Trier ein Knochenmarkspender füreinen Jungen gesucht. Arno Arens ließ sich typisieren, kam jedochnicht als Spender in Frage. Dennoch ließ er sich bei der StefanMorsch Stiftung als potenzieller Spender in die Datei aufnehmen. Im Sommer 2002 kam ein Schreiben. Darin wurde ihm mitgeteilt, er komme in die engere Auswahl als Stammzellenspender für eine an Leukämie erkrankte Frau, die nach einer Chemotherapie auf eine Spende angewiesen sei. Der 35-jährige zögerte keine Sekunde und stellte sich als Spender zur Verfügung. Seine Mutter und seine Frau machten sich zuerst Sorgen, doch ihre Bedenken wurden durch die professionelle Beratung der Stefan Morsch Stiftung rasch zerstreut.

Die Familie Arens hat mit Organspenden ihre eigenen Erfahrungen gemacht. "Damals haben wir auf eine Herzklappe für meinen Mann gewartet", verrät seine Mutter. Die Organtransplantation verlief damals erfolgreich. Arno Arens: "Dank der Organspende hatte ich zehn Jahre länger was von meinem Vater. Das ist mit ein Grund, warum ich mich sofort für eine Stammzellenspende bereit erklärt habe."

Nachdem der Familienvater grünes Licht gegeben hatte, wurde es ernst. Erste Untersuchungen ergaben, dass er nicht der ideale Spender sei, man es aber dennoch mit ihm versuchen wolle. Während einer viertägigen Behandlung mit Medikamenten, die die Stammzellen aus dem Knochenmark "locken", fühlte sich Arno Arens etwas schlapp, "so als wäre ich stark erkältet". Andere Nebenwirkungen habe er nicht verspürt. Auf übermäßigen Alkoholverzehr, riskante Sportarten und Aspirin sollte der Spender in den nächsten Tagen verzichten. Kein Problem für den Hobby-Autocrossfahrer: "Ich wußte zu dem Zeitpunkt, dass die kranke Frau nach der Chemotherapie ohne meine Spende hätte sterben müssen, also durfte mir nichts mehr passieren."

Zur anschließenden Stammzellenspende fuhr er mit seiner Frau in ein Krankenhaus nach Idar-Oberstein. Dort wurden ihm zwei Blutentnahmenadeln in die Armvenen gelegt, die über Plastikschläuche mit einer Zentrifuge verbunden waren. Die Stammzellen wurden heraus zentrifugiert, ein stationärer Aufenthalt war nicht notwendig.

Ermutigung für weitere Spender

Die Prozedur sei nicht schmerzhaft gewesen, versichert Arens. Doch zuerst wusste er nicht, ob die Frau auch über den Berg war. Zu Weihnachten schrieb er einen Brief, in der Hoffnung, dass seine Spende erfolgreich gewesen sei. Er war überglücklich, als er einen Brief zurück erhielt, in dem unter anderem stand: "Ihren Zellen geht es gut bei mir, denn ich habe die Transplantation ohne Schwierigkeiten überstanden und freue mich über jeden Tag, den ich mit ihrer Unterstützung lebe." Als die Nachricht gekommen sei, dass seine Stammzellen erfolgreich übertragen wurden, war alles Belastende wie weggeblasen. "Wäre die Spende nicht erfolgreich gewesen, hätte mich das schon sehr belastet", gibt der Arbeiter zu. Zwei Jahre nach der Spendenaktion können sich Spender und Empfänger kennen lernen. Das würde auch der Karlshausener gerne.

Zwecks Regeneration ist Arno Arens für zwei Jahre als Stammzellenspender gesperrt. Auf die Frage, ob er wieder spenden würde, antwortet er ohne zu zögern mit einem klaren "Ja". Er hofft, dass durch die Veröffentlichung seiner Erfahrungen anderen die Angst genommen wird und sich mehr Menschen typisieren lassen als bisher.