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INTERVIEW DER WOCHE : "Zwei-Klassen-Gesellschaft"

Will noch einiges vom Zehn-Punkte-Rückstand auf den SV Lüxem abknabbern: Rudi Jung, Trainer des SV Hetzerath, freut sich besonders auf das Duell mit dem Spitzenreiter. Foto: TV-Archiv/Willi Speicher
Will noch einiges vom Zehn-Punkte-Rückstand auf den SV Lüxem abknabbern: Rudi Jung, Trainer des SV Hetzerath, freut sich besonders auf das Duell mit dem Spitzenreiter. Foto: TV-Archiv/Willi Speicher
HETZERATH. Rudi Jung zählt zu den erfahrensten Trainern im Spielkreis Mosel. Viele Jahre arbeitete Jung im überkreislichen Bereich, im vergangenen Sommer kehrte er mit dem SV Hetzerath zurück in die Kreisliga A.

Herr Jung, sie haben jahrelange Erfahrung im überkreislichen Fußball-Geschehen. Was ist der Hauptunterschied zwischen Bezirksliga und Kreisliga A?Jung: Das spielerische Niveau in der Kreisliga ist schwächer, da merkt man schon einen enormen Unterschied. Doch die Kreisliga ist interessant, da es viele Lokalderbys gibt, die viele Zuschauer anziehen. Auch bei Auswärtssspielen mit dem SV Hetzerath sind meistens viele Menschen vor Ort. Die Vereine kennen sich natürlich mittlerweile auch untereinander sehr gut, Geheimnisse gibt es da kaum mehr. Wie zufrieden sind Sie denn mit der ersten Saison nach dem Abstieg ihrer Mannschaft?Jung: Wir befinden uns im Umbruch. Viele erfahrene Spieler haben aufgehört und wurden ausschließlich mit Spielern aus den eigenen Reihen ersetzt. Das Team hat seine Aufgabe gut gemacht, und der zweite Platz ist okay. Glauben Sie, dass sie den SV Lüxem noch einmal angreifen können?Jung: Wir wollen schon nach oben schauen, dennoch sind wir realistisch genug, um zu wissen, dass wir ein kleines Wunder brauchen, um noch Meister zu werden. In erster Linie müssen wir den zweiten Rang festigen, damit wären wir mit unserem jungen Team schon zufrieden. Hatten Sie vor der Saison erwartet, dass der SV Lüxem eine solch dominante Rolle spielen wird?Jung: Uns war schon bewusst, dass die Lüxemer zum engsten Favoritenkreis zählen. Schließlich war die Mannschaft auch schon im vergangenen Jahr ganz oben dabei und ist am Ende nur knapp gescheitert. Die Mannschaft hat sehr viele erfahrene Spieler wie etwas Spielertrainer Guido Habscheid. Welche Erwartungen stecken Sie in das direkte Duell gegen den Spitzenreiter am 19. März?Jung: Natürlich wollen wir Lüxem ein Bein stellen. Ich freue mich auch auf das Duell mit meinem ehemaligen Kollegen Guido Habscheid, den ich sehr gut kenne. Welche Teams haben Sie sonst noch positiv überrascht?Jung: Vor allem von der SG Reil bin ich überrascht. Nach den Ergebnissen der vergangenen Jahre war nicht unbedingt zu erwarten, dass die Reiler so weit oben dabei sind. Auch die SG Niederkail hat sich nach Schwierigkeiten zu Beginn gefangen und positiv dargestellt. Von welchen Mannschaften haben Sie sich mehr erwartet?Jung: Ich hätte der Reserve des SV Morbach mehr zugetraut, auch weil die erste Mannschaft derzeit in der Bezirksliga oben steht. Auch Blankenrath hatte ich weiter oben in der Tabelle erwartet. Stichwort Abstiegskampf. Für wen wird es Ihrer Meinung nach schwer, die Klasse zu halten?Jung: Da zwischen dem Schlusslicht und dem Siebten nur fünf Punkte Differenz liegen, kann ich da gar nicht viel sagen. Die Mannschaften, die nach einer guten Vorbereitung gut in die Restsaison starten, haben wohl die besten Chancen, drinzubleiben. Wie haben Sie die Leistungen der Schiedsrichter bisher erlebt?Jung: Hier habe ich sowohl positive als auch negative Erfahrungen gemacht. Dadurch, dass es wohl zu wenige Schiedsrichter gibt, fehlt der Konkurrenz-Druck. Die Motivation leidet auch dadurch, dass gerade den älteren Unparteiischen keine Aufstiegsmöglichkeiten vom Verband geboten werden. Ihr letztes und einziges Spieljahr in der Kreisliga A liegt schon lange zurück. Wie haben Sie die Liga jetzt im ersten halben Jahr erlebt?Jung: Für mich als Trainer ist es hier im Vergleich zur Bezirksliga ein entspannteres Arbeiten. Der Aufwand ist bei den meisten Vereinen nicht so gewaltig wie in den höheren Spielklassen. Dennoch hat es mich überrascht, dass einige Vereinsvorsitzende durch Trainerwechsel Druck ausgeübt haben. Wie schätzen sie die Kreisliga im Kreis Mosel im Vergleich zu ihren Pendants in der Eifel oder im Raum Trier-Saarburg ein?Jung: Die Spitze unserer Liga könnte problemlos auch dort oben mitspielen. Leider ist unsere Liga nicht so ausgeglichen wie anderswo, bei uns herrscht derzeit leider ein wenig eine "Zwei-Klassen-Gesellschaft", was den Reiz etwas nimmt. d Mit Rudi Jung sprach TV-Mitarbeiter Matthias Bayer