Ist Religion notwendig?

Ist Religion notwendig?

Es ist nicht so wichtig, welchen Glauben ein Mensch hat, sondern dass er überhaupt einen hat!" Dieser Satz stammt von dem 1962 verstorbenen deutschen Dichter Hermann Hesse. Es gilt als medizinisch nahezu gesichert, dass Menschen mit einer Glaubensorientierung eine höhere Lebenserwartung haben. Das wäre ja schon Grund genug, einen Glauben zu vertreten, könnte man meinen.Der Mensch braucht Bilder

Meine persönliche Ansicht ist, dass wir Menschen Rituale, Bilder und Erläuterungen benötigen, um unbegreifbare Sachverhalte und möglicherweise transzendente Erlebnisse zu verstehen. Kinder zeigen schon oft ein großes Bedürfnis nach Antworten auf weltanschauliche, sinnstiftende Fragen. Als Erwachsene können wir später diese verinnerlichten Bilder widerrufen, verändern, wie auch immer. Das Bedürfnis bleibt, spätestens wenn einem durch tiefes Glück, beeindruckende sinnliche Erlebnisse, Schicksal, Krankheit oder durch die zunehmenden Lebensjahre das Leben und die persönliche Endlichkeit immer stärker bewusst werden. Religionen haben unter anderem Aufgabe und Ziel, uns Menschen moralische Werte zu vermitteln, und gegebenenfalls auch unser Verständnis für tieferliegende, persönliche Erfahrungen und Gedanken zu entwickeln. Sie unterscheiden sich je nach Kultur und Geschichte, ihr gemeinsames Ziel ist ursprünglich immer die Liebe. "Letztlich weiß ich auch nicht, ob die Lehre der Wiedergeburt, an die wir glauben, stimmt", schreibt der 14. Dalai Lama in seinem Buch - Weg des Herzens - "deshalb gilt es, das Hier und Heute zu leben!" Mich persönlich beeindruckt eine solche Bescheidenheit von jemandem, der es in seinem religiösen Bezugsrahmen ja eigentlich "wissen" müsste. Ich glaube, Bescheidenheit in der Sicht der Welt ist eine Form von Religiosität. Glauben Sie eigentlich an ein Leben vor dem Tod?Stefan Pigulla Berater für Sozialberufe www.wsb-pigulla.de