| 21:34 Uhr

Jungs backen und Mädels schnitzen

Nach erstem Zögern setzen sich auch die Mädels hinters Steuer. Interessiert lassen sich Lena, Lukas und Tuba (von links) von Polizeikommissarin Andrea Raach-Pütsch das Innenleben des Polizeiautos erklären. TV-Foto: Christine Cüppers
Nach erstem Zögern setzen sich auch die Mädels hinters Steuer. Interessiert lassen sich Lena, Lukas und Tuba (von links) von Polizeikommissarin Andrea Raach-Pütsch das Innenleben des Polizeiautos erklären. TV-Foto: Christine Cüppers
Männer reparieren Fahrräder, Frauen backen Kuchen. Geht das auch andersherum? Dieser spannenden Frage gehen Vorschulkinder in der Kindertagesstätte St. Adula in Trier-Pfalzel nach. Praktikant Markus Peik sammelt für seine Jahresarbeit Erfahrungen und Antworten.

Trier. (c.c.) Klar! Natürlich sind es die Jungs, die an diesem sonnigen Morgen in der ersten Reihe stehen. Jan-Niklas, Lukas und Marvin stellen Fragen über Fragen, Polizeikommissarin Andrea Raach-Pütsch kommt mit dem Antworten kaum nach. "Hast du Handschellen dabei?" — "Wie fangt ihr eigentlich Einbrecher?" — "Schießt ihr auch auf Diebe?" Im Polizeiauto sitzen erst einmal die Jungs hinter dem Steuer, fragen nach der Funktion der Knöpfe und wie denn das Martinshorn angeht.Thema Polizei — ein Fachgebiet in erster Linie für kleine und große Männer? Keineswegs. Etwas zögerlich zwar, aber dann sehr interessiert, nehmen Lena und Tuba im Polizeiauto Platz. Ihre Augen blitzen nicht minder als die der Jungs, als sie das Blaulicht zum Leuchten und die Sirene zum Heulen bringen.Der Besuch von Polizeikommissarin Raach-Pütsch und Polizeioberkommissar Friedhelm Fleischmann von der Schutzpolizei in Schweich ist Teil eines Projektes, das derzeit in der Kindertagesstätte (Kita) St. Adula in Trier-Pfalzel läuft. Praktikant Markus Peik befasst sich für seine Jahresarbeit mit "geschlechtsspezifischen Erfahrungen von Kindern im Vorschulalter". Vier Mädchen und vier Jungs nehmen seit Januar und bis Ende März an dem Projekt teil, wobei die Gruppe bei verschiedenen Unternehmungen erweitert wird.Angefangen hat es mit einer Frage- und Antwortrunde. Dabei überlegten die Sechsjährigen zum Beispiel, welche typischen Frauen- und Männerberufe sie denn kennen. "Interessant war, dass das Rollendenken der Mädels sehr ausgeprägt ist und sie eher konservative Vorstellungen hatten", berichtet Markus Peik. Frauen als Polizistinnen? Zunächst hätten die Mädchen bei der Vorstellung gelacht.Inzwischen aber haben sie anhand einiger Beispiele erfahren, dass ihre Rollenbilder nicht unbedingt der Realität entsprechen müssen. So gab es im Rahmen des Projekts eine Kinderwerkstatt, bei der auch die Mädels Fahrrädchen reparierten. Und beim Vorhaben "Stockbrot" wurden die Rollen ganz getauscht: Die Mädchen schnitzten die Stöcke, die Jungs stellten den Teig her — unter anfänglichem Protest, aber doch erfolgreich. Als dann beim geregelten Wettkampf mit Softkeulen das kleinste und schmalste Mädchen siegte, gerieten die anfänglichen Vorstellungen ins Wanken. Markus Peik wünscht sich nun noch eine Aktion, bei der Väter für die Kinder ein Frühstück machen und vorlesen. "Das sind auch Dinge, die die meisten Kinder mit den Müttern verbinden", sagt der angehende Erzieher. Erste Folgen zeigt das Projekt auch in der Kita: Nachdem die Kinderwerkstatt und das Stockbrot-Backen auf so große Begeisterung bei den Kindern gestoßen sind, überlegt das Team, einmal im Monat einen "Repariertag" zu veranstalten. Zunächst aber ist Polizeikommissarin Raach-Pütsch das "lebende Beispiel", dass Frauen nicht nur Floristin oder Krankenschwester sein müssen. Als einzige Frau arbeitet sie mit 35 männlichen Kollegen bei der Schutzpolizei Schweich. Zumindest von den Vorschulkindern wird wohl keines mehr lachen, wenn künftig von einer Frau bei der Polizei die Rede ist.