Keine Angst vor Zweijährigen

Keine Angst vor Zweijährigen

TRIER/WITTLICH. Kindergärten öffnen sich für Zweijährige. Ab 2010 gibt es für die Eltern einen Rechtsanspruch auf deren Betreuung. Das ist ein Pluspunkt des Landesprogramms "Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an". Und einer, der erfahrenen Erzieherinnen Kopfzerbrechen bereitet.

"Ich habe jetzt keine Angst mehr vor der Aufnahme von Kindern unter drei Jahren", sagt eine Erzieherin. Sie ist eine der 30 Teilnehmerinnen aus dem Raum Mosel, Daun und Bitburg, die zu der Fortbildung der Kita gGmbH zum Thema "Kinder unter drei" in Wittlich gekommen sind. Sie ist Mitte 40 und seit Jahrzehnten das Arbeiten mit Kindern von drei bis sechs Jahren gewöhnt, das was sie gelernt hat. Mit Angst und vielen Fragen war sie zur Weiterbildung gekommen. "Nach dem, was ich gehört habe, wie wichtig das Gestalten einer guten Beziehung zu den Kleinen ist, und dass es viel mehr ist als Wickeln und sauber machen, freue ich mich auf die Herausforderung", sagt sie am Ende der Schulung. Diese Meinung teilen ausnahmslos alle Teilnehmerinnen. Bei der Schlussrunde gibt es nur positive Rückmeldungen an das Fortbildungsteam Ingrid Dansauer, Birgit Wolff und Carmen Jacobi. Ingrid Dansauer ist Gesamtleiterin für zehn Einrichtungen in Trier und Riol der Kita gGmbH, einer Betriebsträgergesellschaft, der 62 katholische Einrichtungen im Bistum Trier angehören. Sie hat gemeinsam mit einem Arbeitskreis eine "hausinterne" Fortbildung zusammengestellt. Ziel sei es, den Erzieherinnen wertvolles Rüstzeug für den Alltag mit den "Minis" an die Hand zu geben und ihnen bewusst zu machen, wie wichtig das Bindungsverhalten in den ersten Jahren ist. Ergebnisse neuester Studien wurden vorgestellt, über die Entwicklung des Kindes in den ersten Lebensjahren berichtet, über Elternarbeit gesprochen und darüber, dass Bildung mit der Geburt beginnt. Die Kindertagesstätten-Leiterinnen Carmen Jacobi und Birgit Wolff berichteten aus der Praxis, von ihren Erfahrungen mit der Aufnahme von unter Dreijährigen. "Es müssen nicht die teuren Spielzeuge sein. Kleinkinder beschäftigen sich sehr gerne mit Materialien aus dem Haushalt", sagt Jakobi. "Sie müssen abwaschbar, die Stofftiere waschbar sein." "Reichen 30 Grad oder muss bei 60 Grad gewaschen werden?" - "60 Grad ist besser, wegen der Keime", weiß die Referentin. Auch die Anschaffungskosten sollten die Erzieherinnen im Auge behalten. "Zurzeit sind wieder viele Spielzeugwarenvertreter unterwegs, doch es müssen nicht die teuren Dinge sein." Deutlich wurde an diesem Tag, dass die Aufnahme von unter Dreijährigen gut vorbereitet sein will. Auch zum Thema Sprachförderung gab es Klärungsbedarf: Birgit Wolff informierte, dass dialektfreies Sprechen zur Sprachförderung gehöre. Auch im ländlichen Raum? Auch wenn die Kinder Dialekt sprechen? "Die Erzieherinnen müssen konsequent Hochdeutsch sprechen", verdeutlicht Dansauer. Einige Kindergartenteams werden sich in den nächsten Wochen mit neuen Konzeptionen beschäftigen. Andere haben noch Zeit. "Der Beruf der Erzieherin wird durch die Aufnahme von Kindern unter drei Jahren aufgewertet, wenn man die Entwicklungsaufgabe von Kindern ernst nimmt", ist Ingrid Dansauer überzeugt. Ihre Kolleginnen sehen das ähnlich: "Die Aufnahme von unter Dreijährigen ist unsere Zukunft", sagt eine von ihnen, während sie ihre Infomappe einpackt und sich auf den Weg nach Daun macht.

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