KOLUMNE

Neulich komme ich nach Hause und höre meinen Sohn am Computer Selbstgespräche führen. Aber nein! Jetzt kann er vom PC aus telefonieren. Es lebe das Internet! Gleichzeitig spielen und mit Freunden reden...

"Moment mal, das ging doch früher auch", dachte ich. Gut, man musste sich dafür treffen. "In echt", mit Besuch und so. "Nee", meinte mein Sohn, "da braucht man gar nicht aus dem Haus. Man spielt einfach übers Internet." "Ah ja", dachte ich, während ich mich erinnerte, wie das bei mir früher war. Da kam nachmittags meine Freundin, oder ich ging zu ihr, man schloss sich im Zimmer ein, um vor der kleinen Schwester sicher zu sein und hat den ganzen Nachmittag Schallplatten (!) gehört, in der Bravo geblättert und über Klassenkameraden gelästert. Nun, Mädchen sind da etwas anders als Jungs. "Und über was unterhaltet ihr euch so am PC?", fragte ich. Bei dem folgenden Vortrag blieb bei mir nicht mehr hängen als "Spielstände, Waffen, Ränge, Clans und Steinzeit". Verwirrt trat ich den Rückzug an. "Das gibt es doch sicher auch als Brettspiel", dachte ich. "Könnt ihr euch denn nicht mal live treffen und zusammen was spielen?" Klar, das konnten sie. Schon am folgenden Wochenende ging es los. Die erste von inzwischen einem halben Dutzend LAN-Partys. Aber, auch wenn es sich nach Party anhört: Es ist nicht das, was ich unter einer Teenagerfete verstehe. Eine LAN geht ganz anders: Acht Leute hocken an acht Computern in einem Raum und spielen miteinander gegeneinander. Und das die ganze Nacht. Dass dabei Dummheiten gemacht werden, ist nicht zu befürchten. Denn das hier ist reine Männersache - Mädels taugen dazu nicht. Alkohol und Zigaretten sowieso nicht - das würde die Reaktion verlangsamen. Das ist ja gar nicht so schlecht, das muss ich zugeben. Und bei der letzen LAN gab es tatsächlich eine gewisse Christine, die als einziges weibliches Wesen das Zeug dazu hatte, mitzuzocken. Na also, so lange er sich seine Freunde nicht per Download runterlädt, ist noch nichts verloren. Karin Nossem