KOLUMNE

Auch eine Zigarette?" Der Waschmaschinenmonteur hält mir ein Päckchen mit Glimmstängeln entgegen. Heute, meine wahren Bedürfnisse besser kennend, lange ich nicht in die vermeintliche "Bringt-mir-Entspannung" oder in die irrtümliche "Ein-bisschen-Genuss-muss-sein"-Schachtel.

"Ätsch" denke ich und stelle mir den Marlboro-Mann vor, wie er das (Werbe)-Lasso unermüdlich schwingt und leer ausgeht. Pustekuchen. Von wegen Freiheit und Abenteuer. Im Gegenteil. Die "Fluppe" hat mich zum Sklaven gemacht - weiß ich heute. Immer Kleingeld parat haben zu müssen, die Pausen von der Gier festgelegt - und der Gedanke an das Besorgen von Zigaretten hat mich so lange gefesselt, bis endlich Nachschub in erfüllender Reichweite lag. Ja, und unter Abenteuer stelle ich mir ehrlich gesagt auch etwas ganz anderes vor, als stinkende Klamotten, nikotingelbe Zähne und mir die Lunge aus dem Hals zu husten. Übrigens, ich komme gerade vom allmorgendlichen Joggen - vor vier Monaten noch hat mir nur der Gedanke an Sport Schweißperlen auf die Stirn getrieben. Ob man vom Laufen süchtig werden kann? Na ja, ich denke, die Gefahr zum Sportjunkie oder, was in meinen Augen noch fataler wäre, zum missionarischen Gesundheitsfanatiker zu werden, der ja "ach so gut" weiß, was der Mitmensch braucht, ist bei mir äußert gering. Wie dem auch sei, ich fühle mich wohler, seitdem ich den Weg aus der Nikotinfalle gefunden habe. Mein Motto steht: besser laufen als rauchen. 50 000 Deutsche haben bisher ihre Teilnahme an der vom Deutschen Krebsforschungszentrum und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung initiierten Nichtraucherkampagne "Rauchfrei 2004" zugesagt. Ziel ist es, möglichst viele Raucher zu motivieren, ab dem ersten Mai für mindestens vier Wochen dem Glimmstängel abzuschwören. Preise im Gesamtwert von 10 000 Euro (apropos, ich habe schon 360 Euro seit Silvester gewonnen) winken denjenigen, die aus der Nikotinfalle aussteigen. Katja Krämer

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