KOLUMNE

In der Osterzeit habe ich zum ersten Mal erlebt, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen Mädchen und Jungs gibt. Es war noch vor dem Alter, wo mich möglicherweise auch das Messdiener-Sein gereizt hätte, und es ging: ums Klappern.

Mein Lieblingscousin hieß Alois. Er wohnte in der Eifel, in Steffeln, im Haus unserer Großeltern, das ein wenig abseits vom Dorf lag. Alois war der große Freund meiner Kindheit, und ein Mal war ich auch vor Ostern bei ihm zu Besuch. Erstmals hörte ich vom Klappern: dass die Glocken nach Rom flögen und dafür Holzratschen die "Betglock'" und so weiter ersetzen mussten. Mein Vetter hatte auch einen monströsen Kasten, an dem man drehen konnte, und der dann urzeitlich krachte. So etwas hatte ich noch nie gesehen, und überhaupt kam mir "das Klappern" wild, unheimlich, mysteriös und dafür umso interessanter vor. Noch reizvoller wurde es für mich, weil es verboten war. Für Mädchen verboten! Das wurmte mich enorm, ich wollte unbedingt bei diesem Abenteuer dabei sein. Da ich sowieso wie ein Junge aussah, nannte mich Alois einfach Georg, und ich wurde zum Cousin aus der Stadt. Ich weiß nicht mehr, wer von den Erwachsenen (es war ein streng katholisches Haus!) mit meiner gefälschten Identität einverstanden war, aber irgendeiner hat wohl seinen Segen dazu gegeben, dass ich versuchen dürfte, mitzuklappern. Ein weiteres "Instrument" fand sich auch. Ob ich auf Platt, irgendwas mit "es läutet Betglocke, es läutet Hofglock´?" gerufen habe, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass ich mich gleichzeitig wie ein großer Abenteurer bei einer geheimen Verschwörung, aber auch wie ein Verräter fühlte. Natürlich haben wir nachher den Jungs alles gestanden. Sie waren stinksauer. Heute habe ich mehr Achtung vor Traditionen, begrüße aber, dass manche auch Mädchen zu erleben möglich sind. Frohe Ostern besonders nach Steffeln! Sonja SünnenIn unserer Kolumne "Familienbande" glossieren wechselnde Autoren den familiären Alltag