KOLUMNE

Immer, wenn ich gefragt werde, wie alt denn mein Kind sei, bekomme ich zur Antwort: "Dann ist er ja aus dem Gröbsten raus." Wie jetzt?! Ich habe eher das Gefühl, mir stehen die schwierigsten Jahre erst bevor.

Denn mit fast 15 steckt mein Sohn mitten in der Pubertät. Dagegen ist ein hungriger, übermüdeter 4-Jähriger am verkaufsoffenen Sonntag bei Ikea eine Kleinigkeit. Pah, aus dem Gröbsten raus... Während man früher mit einem Lolli oder einer Tüte Gummibärchen einen wahren Begeisterungssturm auslösen konnte, gewinnt man ihn, damit heute noch nicht einmal ein Lächeln ab. Klar, gegessen wird das Zeug trotzdem. Irgendwo zwischen der zweiten Portion Hackbraten und der dritten Schale Salat wird sich dann zwischendurch eine Tafel Schokolade reingezogen. Der Kakao am Morgen wird nicht getrunken, er wird quasi inhaliert. Das Salamibrötchen am Abend - weg. Einfach so. Aber die Konversation ist im Gegensatz zum Appetit geschrumpft. Auf die Frage, ob der junge Mann noch Hausaufgaben aufhat, erhalte ich die Antwort: "hrglmna". Mir ist unklar, wie man die Worte "ja" und "nein" so umgestalten kann, dass sie sich völlig gleich anhören. Ich dachte immer, diese Worte sind völlig unterschiedlich. "Was soll das heißen?" frage ich. "hm, was? Keine Ahnung !" "Hast Du eine Klassenarbeit zurückbekommen?" Darauf höre ich entweder "hglmna" oder ich bekomme gar keine Antwort. Denn wie paralysiert starrt er auf den Fernseher. Überhaupt, das Thema Bildschirm: Ganz zentral! Eben noch hat er am Computer über Skype mit "Homies" gechattet und sich über die neueste DSL-Übertragungsrate und die besten Chats unterhalten. Jetzt wird gechillt bei Zeichentrickserien, Entschuldigung, das heißt ja jetzt Mangas, von denen ich dachte, dass sie nur was für die ganz Kleinen sind. So dicht beieinander wie in diesem Lebensabschnitt wird man wohl nie wieder mit den Themen "wie baut man eigentlich eine Wasserpfeife" und "Wer tauscht mit mir Yu-Gi-Oh-Karten" konfrontiert. Zum Glück wird lediglich das Letztgenannte in die Praxis umgesetzt. Karin Nossem In unserer Kolumne "Familienbande" glossieren wechselnde Autoren den familiären Alltag.