KOLUMNE

Eist zu spät! Nie mehr werde ich aufholen können, was ich bei meiner Tochter im Baby- und Kleinkind-Alter so alles falsch gemacht habe. Heute weiß ich das! Es fing schon mit ihrer Geburt an. Wie ich kürzlich gelesen habe, sind Kinder, die im Frühling oder Sommer geboren werden, glücklicher, weil sie in den ersten Lebensmonaten mehr Licht bekommen.

Meine Tochter erblickte im tiefsten November das zu dieser Jahreszeit eher spärliche Licht der Welt. Und das auch noch in einem Kreißsaal ohne Blümchenvorhänge. Genauso schlimm ging es weiter. Anders als moderne Eltern, die sich intensiv auf den Kauf eines technisch ausgereiften und farblich ansprechenden Kinderwagens vorbereiten, legten wir unser Kind in einen Gebrauchtwagen in frischem Beige-Braun. Auch in den nächsten Jahren wurde es nicht besser. Babyschwimmen, bedeutend für die geistige und motorische Entwicklung (hat man an einer Universität erforscht) wurde unserem Kind vorenthalten. Statt Pekip-Kurse zu besuchen, schmusten wir ganz ohne fachliche Anleitung mit unserem Säugling. Auch bei Waldbesuchen verzichteten wir auf pädagogischen Beistand, so dass sie auf die laienhafte Hilfe ihrer Eltern, Tanten und Großeltern beim Sammeln von Stöcken, Steinen und anderen Naturmaterialien angewiesen war. Mangels musikalischen Talentes der Eltern kam auch eine musikalische Früherziehung nicht in Frage. Schade, schade, wer weiß, ob nicht doch eine zweite Britney Spears aus ihr hätte werden können? Es ist schon ein Jammer, was dem armen Kind alles vorenthalten wurde. Aber jetzt ist es zu spät, unsere Tochter ist erwachsen, gut drauf und wunderbar normal. Nora John In unserer Kolumne "Familienbande" glossieren wechselnde Autoren den familiären Alltag.