KOLUMNE

Zwei plus zwei gleich vier: Erst wünscht man sich Nachwuchs - und dann bekommt man ihn gleich in doppelter Ausführung. Und hat gleich doppelten Spaß. Dabei ist Familienleben mit Zwillingen nicht anders als bei anderen frisch gebackenen Eltern: Man platzt geradezu vor Stolz, kann sich den Nachwuchs nicht oft genug anschauen oder in die Hände nehmen und freut sich über jede kleinste Regung - selbst dem unausweichlichen Geschrei können wir was abgewinnen.

Niedlich, so ein Doppelpack. Aber natürlich müssen wir dann doch mal raus, ab an die frische Luft. Den Kleinen scheint es zu gefallen. Dösend liegen sie in ihren Geborgenheit ausstrahlenden Tragetaschen. Von der Welt bekommen sie noch nicht viel mit, ausgenommen Wind um die Backen und freundlichen Omas: "Nein, sind die süß! Junge oder Mädchen? Ein- oder zweieiig? Wie heißen sie denn?" Diese rollenden Großraumbusse namens Kinderwagen sind aber auch der Blickfang schlechthin. Sie durch die Stadt zu schieben, kostet zumindest am Anfang Überwindung. Man glaubt, die ganze Welt beobachte einen. Immerhin: Bislang springt noch jeder zur Seite, wenn ein solches Gefährt auf sie zurollt. Wenn Mama und Papa nicht herumfahren, sitzen sie mit ihrem Nachwuchs im Café. Neulich trat dabei der gefürchtete Ernstfall ein: Volles Café, Hose ebenfalls, und die eigene Wohnung weit, weit weg. Natürlich sind wir ein modernes Paar mit modernen Ansichten in einer modernen Gesellschaft. Wickeln ist daher Männersache. Keine Widerrede! Frauen verstehen da keinen Spaß. Während Nachwuchs Nummer Eins noch angesichts seines "Problemchens" sein Unwohlsein herausschreit, greife ich mir ihn und die Wickeltasche und husche, vorbei an den Gästen, runter zum WC, vor dem zum Glück ein Wickeltisch steht. Eine Gruppe fröhlicher Frauen um die 50 kommt die Treppe herunter. "Schau genau hin", sagt eine der dreien zu ihrer Freundin, "du wirst bald Oma. Hier kannste schon mal lernen, wie man das heute macht." Aha. Dabei wartet oben ja noch Nachwuchs Nummer Zwei. Unser Sohn spielte brav mit. Lächelte. Und gab ein zufriedenes Grummeln von sich. Wie süß. Doppelter Nachwuchs sorgt eben für doppelte Freude - selbst nachts, wenn beide Elternteile raus müssen... In unserer Kolumne "Familienbande" glossieren wechselnde Autoren den familiären Alltag.