KOLUMNE

Wie sich die Zeiten doch ändern. Früher brachte der Osterhase den Kindern bemalte Eier in einem schlichten Bastkörbchen. Heute muss er erst den Weihnachtsmann fragen, ob er dessen Schwertransport tauglichen Schlitten bekommen kann.

Denn mittlerweile ist auch an Ostern die weihnachtliche Schenkwut ausgebrochen. Was war das doch für eine glückliche Kindheit, als ich gemeinsam mit meiner Schwester die Wiese neben unserem Elternhaus durchstreifte, um die sorgsam versteckten Osternester aufzuspüren. Natürlich hatten wir immer eines übersehen, und beim nächsten Rasenmähen schimpfte Vater, als er es gefunden hatte. Und heutzutage? Es werden keine kleinen Aufmerksamkeiten mehr geschenkt, sondern auffällige und große Sachen. Vorletztes Jahr besuchten wir am Ostermontag Cousin Volker, seines Zeichens Patenonkel unserer Michelle. Erwartungsfroh betraten die damals knapp Zweijährige und ihre beiden Brüder das Wohnzimmer. Meiner Frau und mir fiel zunächst ein Stein vom Herzen, als uns kein Präsent sofort ins Auge stach. Doch zu früh gefreut. "Der Osterhase hat was für Euch in das Esszimmer gestellt", sagte Volker mit einem gefährlichen Glitzern in den Augen. Und tatsächlich: Als wir um die Ecke lugten, verschlug es uns beinahe die Sprache. Das, was dort den halben Raum ausfüllte, hatte kein schmalbrüstiges Osterkarnickel gebracht, eher eine Herde Lastesel. Dort thronte eine knallbunte Hüpfburg, die dem Rahmenprogramm einer Supermarkteröffnung entsprungen sein musste. "Michelle, freust du dich, dass der Papa die Hüpfburg mit heim holt?", fragte Volker mit schelmischem Grinsen und machte uns deutlich: Jeder Widerstand ist zwecklos. Meine Frau stellte sogleich Überlegungen an, wo der geeignete Standort daheim für das Plastikmonstrum sei. Draußen war es zu zugig, das Wohnzimmer war tabu, die Kinderzimmer zu klein. Blieb nur der heiligste Raum von allen, mein Arbeitszimmer. Der Mann ist der Herr im Haus, stellte ich deutlich klar. "Ihr könnt es hinstellen, wo ihr wollt. Aber in das Arbeitszimmer kommt das da nur über meine Leiche." 60 Minuten später pumpte ich "das da" aber artig im Arbeitszimmer auf, und als ich endlich fertig war, nahmen unsere drei Kleinen die Springburg in Besitz. Glücklicherweise haben wir eine Sanitätergrundausbildung gemacht, so dass wir unsere Racker verarzten konnten, als die in ihrem Übereifer die Landefläche verfehlten. Das mitgelieferte Flickzeug hatte ich damals aber wohlweislich versteckt. Denn die Erfahrung zeigt, dass einer durchschnittlich benutzten Springburg nach wenigen Wochen die Luft ausgeht. "Und schließlich brauchen wir Platz im Haus", sagte ich zu mir selbst", "denn das nächste Weihnachtsfest kommt bestimmt." Frank Schmitt In unserer Kolumne "Familienbande" glossieren wechselnde Autoren den familiären Alltag.