Kunst für immer und ewig

Kunst für immer und ewig

TRIER. Früher galten sie als exotisch und mitunter sogar verrucht. Heute fühlen sich manche als Exoten, wenn sie weder gepierct noch tätowiert sind. Der TV ist der Frage nachgegangen, was bei der Kunst am Körper gerade Trend ist und worauf man unbedingt achten sollte.

"Ja, es tut weh!" steht auf dem Schild im Eingangsbereich des Tätowierstudios Lonien in Trier. Die hier wohl am häufigsten gestellte Frage hat sich somit auf den ersten Blick erledigt. Ob die Kunden das so genau und vor allem so direkt wissen wollen? Dass es angenehmere Dinge im Leben gibt als durchstochen und mit einer Nadel traktiert zu werden, ist klar. Aber: Wer schön sein will, muss bekanntlich leiden. Weil Tattoos und Piercings mittlerweile zum Schönheitsideal dazugehören, nehmen immer mehr Menschen Schmerzen für die Bilder, Stecker und Ringe am Körper in Kauf. Auch solche Kunden, von denen man es nie erwarten würde, wie Tätowierer Daniel Lonien weiß: "Wir hatten schon eine 80-jährige Dame hier. Ihr Jugendtraum war es, sich eine Rose tätowieren zu lassen. Weil Tattoos früher aber verpönt waren, hat sie sich ihren Traum eben jetzt erst erfüllt."

Lieblingsstellen: Schulter oder Waden

Überhaupt ist das Publikum in Tätowier- und Piercingstudios bunt gemischt. "Da kommen Menschen aus allen Altersgruppen und Gesellschaftsschichten - von der Schülerin bis zum pensionierten Museumsdirektor", erzählt Daniel. Eine von ihnen ist Ronja (15) aus Trier. Etwas blass um die Nase kann sie ihre Beine kaum stillhalten und gesteht: "Ich bin tierisch aufgeregt." Ein paar kleine Sterne sollen es werden, und zwar an der Leiste. Sowohl Motiv als auch Körperteil sind dabei wohl überlegt: "Ich wollte ein neutrales Motiv und auch eine neutrale Stelle, die ich bedecken kann", sagt Ronja. Eine gute Entscheidung, wie Daniel findet. Zwar ist auch hier der Kunde König, aber dem einen oder anderen haben die Mitarbeiter des Studios schon ins Gewissen geredet. "Ein 18-Jähriger kam zu uns und wollte so ein richtig fettes Tattoo am Hals. Das haben wir dann abgelehnt." Eine auffällige Tätowierung am Hals oder im Gesicht erleichtert die Suche nach einem Ausbildungsplatz nämlich bestimmt nicht.

Die beliebtesten Stellen für Tattoos sind bei Männern die Oberarme - der Klassiker schlechthin - und die Waden. Frauen hingegen wünschen sie sich oft auf der Schulter oder den Leisten. Ebenso beliebt sind nach wie vor Piercings im Bauchnabel und im Gesicht. Trend ist es außerdem, "Old School-Motive" (Seemannsmotive, Rosen) mit "New School" zu kombinieren. Konkret bedeutet das, "solche klassischen Motive aufzupeppen oder zu verfremden, zum Beispiel mit grellen Farben und Motiven, die eigentlich gar nicht dazu passen", so Daniel. Absolut verschrien hingegen ist mittlerweile das so genannte "Arschgeweih", ein Ornament über dem Steißbein. "Vor zwei Jahren habe ich davon zwei bis vier Stück am Tag gestochen, heute sind es vielleicht noch zwei im Monat", sagt Daniel. Eine Entwicklung, die er nicht ganz nachvollziehen kann: "Ich finde nach wie vor, dass das eine schöne Stelle für Tattoos bei Frauen ist. Das Ganze ist doch von den Medien nur hochgepusht worden."

Kurzzeit-Tattoos "pure Abzocke"

Doch egal, welche Stelle und welches Motiv es nun sein soll: "Man sollte auf jeden Fall gründlich überlegen, ob man ein Tattoo wirklich haben will. Die bleiben schließlich für immer und ewig." Als "pure Abzocke" bezeichnet er Tattoos, die nach einiger Zeit angeblich wieder von alleine verschwinden. Dies soll dann möglich sein, wenn nur in die erste Hautschicht gestochen wird. Laut Daniel ist das ein Ding der Unmöglichkeit, da es sich hier um Millimeter-Arbeit handelt. Was bleibt, sind die hässlichen Reste eines ungleichmäßig verblassten Tattoos. Ebenfalls blass, aber merklich erleichtert kommt Ronja nach einer Dreiviertelstunde aus dem Tätowierraum zurück. "Hat schon wehgetan", gibt sie zu. Als hätte sie das Schild im Eingang nicht gewarnt. api/jöl Der Künstler bei der Arbeit: Hier erweitert Tätowierer Daniel Lonien das Motiv auf der Wade eines Kunden um zwei Sterne. Foto: Rebecca Schaal