"Leb' wohl" per SMS

"Leb' wohl" per SMS

"Liebeskummer lohnt sich nicht, my darling. Schade um die Tränen in der Nacht", sang Siw Malmkvist im Jahr 1964, und auch ich versuche zurzeit mit ähnlich abgedroschenen Äußerungen meine Freundin aufzuheitern.

Seit ihre ehemals bessere Hälfte der Meinung ist, keinen Bock mehr auf Beziehung zu haben, hängt die Gute in den Seilen. Und das, obwohl er ihr wie der Bohlen damals seiner Naddel den Laufpass per SMS gegeben hat. Das soll ein Erwachsener sein? Traurig, aber wahr! "Emotionale Flachpfeife", denke ich mir, "sei doch froh, dass du ihn los bist". "Nö", kriege ich zu hören. Sie liebt ihn halt. Mein erster Freund hat sich damals wenigstens noch die Mühe gemacht und mir auf anderthalb handgeschriebenen (!) Seiten klar gemacht, dass wir einen anderen Weg beschreiten müssten - er seinen und ich meinen. Schluss machen ist ja auch ätzend und - allen Kummer beiseite - eine Frage von Stil und persönlicher Reife. Laut Deutschlands bekanntester Jugendzeitschrift halten erste Beziehungen durchschnittlich ein halbes Jahr. Da kann man ja quasi gleich nach dem Kennenlernen schon den Anfang vom Ende einleiten. Taktiken zum Schlussmachen und eine Statistik wie die, die es schon hinter sich gebracht haben, vorgegangen sind, liefert die "Bravo" übrigens gleich mit. Beruhigenderweise wählen 69 Prozent das direkte Gespräch, zwei Prozent beenden die Zweisamkeit per E-Mail. Und hoppla! Der Ex meiner Freundin (knapp 30) und Bohlen stehen in der "Leb' wohl per SMS"-Manier deutscher Teenies gar nicht so alleine da. Immerhin sind's elf Prozent, die sich mit 160 Zeichen und weniger aus dem Staub machen. Keine Reaktion aus der Ecke der Endzeitstimmung. Ob ich der mir nahe stehenden Mittzwanzigerin erzählen sollte, dass in der "Bravo" auch noch die mit fünf Prozent vertretene Gruppe derer zu finden war, die sich einfach gar nicht mehr meldet? Ne, lass' ich besser. a.schack@volksfreund.de