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LEICHTATHLETIK : "Man denkt an nichts mehr"

LEICHTATHLETIK : "Man denkt an nichts mehr"

MORBACH. "Unbeschreibliche Glücksgefühle" habe er gehabt, als er das Ziel erreichte, erzählt Michael Schwaab. Der Hobbysportler aus Kinheim nahm als einer von 270 Startern am Morbacher Cross-Duathlon teil.

So richtig nervös konnte Michael Schwaab vor seinem großen Auftritt beim Cross-Duathlon in Morbach am vergangenen Sonntag nicht werden. Es gab zu viel zu tun, bevor er endlich an der Startlinie stand. "Als wir ankamen, war schon alles zugeparkt, so dass wir etwas weiter weg halten mussten. Wir mussten die Startnummer holen und das Fahrrad an seinen Platz stellen. Fürs Warmlaufen und Dehnen war da nur noch wenig Zeit", berichtet Schwaab.Vorbereitungszeit von zehn Wochen

Zum ersten Mal hatte sich der passionierte Ausdauersportler gezielt zehn Wochen lang speziell auf einen Wettkampf vorbereitet. Marc Pschebizin aus Bernkastel-Kues, 1998 Weltmeister bei den Amateuren und auch Sieger beim Morbacher Duathlon, hatte eine Gruppe von Hobbysportlern betreut. Für Schwaab war die Konzentration auf dieses Ereignis ungewohnt. "Endlich war der Tag da", beschreibt er seine Gefühle. Aber mit dem Startschuss verflog auch die Nervosität. "Man denkt an gar nichts mehr", erklärt Schwaab. Nur noch das Rennen zählt. Pschebizin hatte seinen Schützlingen, die nach vier Kilometer Laufen, 18 Kilometer Mountainbike fahren und noch mal vier Kilometer Laufen alle das Ziel erreichten, empfohlen, verhalten anzugehen. "Es ist schöner wenn man überholt, als wenn man selbst überholt wird", sagt Schwaab, der sich an die Empfehlung des Coaches hielt.Aber was heißt locker laufen? "Beim Radfahren spürt man immer, wie hart der Lauf war." Bevor sich der 39-Jährige aber in den Sattel schwingen konnte, musste er die Lauf- gegen die Radschuhe (mit spezieller Vorrichtung an der Sohle für die Klickpedale) tauschen: "Ich habe das erste Mal Klickpedale ausprobiert, weil Marc sagte, dass der Mehraufwand durch den Schuhwechsel sich auszahle. Man kann nicht nur treten, sondern auch ziehen." Dank Schnellbindern an den Lauf- und Klettverschlüssen an den Radschuhen gestaltete sich der Wechsel zügig: "Das hat nicht viel Zeit gekostet."Mit Pschebizin war Schwaab die Mountainbike-Strecke mehrmals abgefahren. Den steilen Anstieg zum "Nullweg" hatte er immer gut geschafft. "Im Wettkampf hatte ich erstaunlicherweise mehr Probleme als im Training. Ich war einfach platt", sagt der Kinheimer. Absteigen - wie manch anderer - musste Schwaab in der 20-prozentigen Steigung aber nicht.Wo es bergauf geht, geht's auch wieder abwärts. Diese Weisheit behielt natürlich auch beim Morbacher Duathlon ihre Gültigkeit. Für Michael Schwaab nicht unbedingt ein Grund zum Aufatmen: "Ich bin kein Risikofahrer. Ich gehe lieber ein bisschen mehr in die Eisen. Die anderen machen die Bremse auf und sind weg." Wichtiger, als der ein oder andere Platz weiter vorne, ist für den Familienvater unter dem Jubel von Frau Renate, der siebenjährigen Caroline und dem drei Jahre jüngeren Robin, gesund ins Ziel zu laufen.Vor diesem Augenblick lagen nach dem Wechsel vom Rad zum Laufen noch vier Kilometer. "Wie auf Eiern", so die Beschreibung fast aller Ausdauermehrkämpfer, laufe man nach dem Radfahren. Schwaab hatte noch schlechtere Erfahrungen: "Bei meinem ersten Duathlon hatte ich nach dem Wechsel vom Rad aufs Laufen wahnsinnige Krämpfe. Davor hatte ich auch diesmal Angst." Und wie gerufen machte sich die Muskulatur mit einem Zwicken bemerkbar. "In der zweiten Zwei-Kilometer-Runde war das Zwicken aber weg", berichtet Schwaab.Fünf Minuten schneller als bei seinem Debüt war Schwaab am vergangenen Sonntag. "Das war das Ziel, das ich zehn Wochen lang vor Augen hatte", freut sich der Hobbysportler.