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Minis machen Männer munter

Minis machen Männer munter

TRIER. Männer in Elternzeit: Die Diskussion um die geplante "Väterkomponente" beim Elterngeld hat das Thema in den Blickpunkt gerückt. Doch schon jetzt stellen sich nicht nur Frauen der Aufgabe, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Ein werdender Vater und ein Vater von drei Kindern in Elternzeit erzählen von Reaktionen aus ihrem Umfeld und ihren Erfahrungen.

"Jetzt beginnt langsam das Durchatmen", sagt Herbert Leis (Name geändert). Es ist 15 Uhr an diesem Tag. Seine drei und fünf Jahre alten Kinder springen im Wohnzimmer auf dem Trampolin. Der zwölfjährige Filius verbringt den Nachmittag im Kino. Bisher bestimmte Hektik den Tag. Die Kinder zum Kindergarten bringen und abholen, noch schnell etwas einkaufen und zwischendurch von neun bis 13 Uhr zur Arbeit: So sieht drei Mal pro Woche der Tag von Herbert Leis aus. Dienstags und mittwochs kehrt er gegen 19 Uhr von der Arbeit zurück. Dann kümmert sich seine Frau nachmittags um die Kinder. "Sie ist Psychologin und hat ihre Termine so gelegt, dass sie zu meinen Arbeitszeiten passen", erklärt der dreifache Vater. 30 Stunden pro Woche arbeiten die Ehepartner jeweils in ihren Berufen, so viel wie die Elternzeit-Regelung maximal erlaubt. Das sei schon strapaziös für die Beziehung. "Wir geben uns die Klinke in die Hand. Am Wochenende und im Urlaub laden wir den Akku wieder auf", sagt Herbert Leis. Seit fünf Jahren organisiert das Ehepaar den Alltag auf diese Weise. Eine Auszeit von seiner Tätigkeit nahm sich der 44-Jährige im vergangenen Jahr. Sechs Monate lang widmete er sich zu hundert Prozent seiner Familie. "Für mich war diese Zeit eine Bereicherung. Meine Frau musste allerdings mehr arbeiten und hat sich von den Kindern entfernt." Auf die Berufstätigkeit längere Zeit zu verzichten sei für keinen der beiden in Frage gekommen. "Mir war klar, dass meine Frau, auch aufgrund ihres Studiums, arbeiten gehen möchte", sagt der Beamte. "Für mich ist der Beruf wichtig für mein Selbstwertgefühl."Offene Ohren beim Arbeitgeber

Auch Markus Kowalik und seine Freundin, die im August das erste Kind erwarten, möchten gemeinsam die Erziehungsarbeit leisten. "Einige Monate auf jeden Fall, aber keine drei Jahre Elternzeit" kann sich der werdende Vater vorstellen. Bei seiner Ankündigung, Elternzeit zu nehmen, sei er beim Arbeitgeber auf offene Ohren gestoßen. Kein Wunder, sind doch Chef und Kollegen für das Thema sensibilisiert. Denn Markus Kowalik ist Mitarbeiter beim Projekt "ZeitZeichen" am Institut für Mittelstandsökonomie Trier (Inmit). Die Informationsstelle gibt Unternehmen und Eltern Auskunft über Arbeitszeitmodelle und legt den Schwerpunkt dabei auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. "Meine Kollegen fiebern richtig mit", erzählt Kowalik. Das Projekt habe sogar einen "Babyboom" unter den Mitarbeitern ausgelöst. Er selbst sieht die Elternzeit als Chance, sich aktiv an der Familienarbeit zu beteiligen. "Ich kann mir zwar noch nicht vorstellen, was auf mich zukommt, freue mich aber sehr auf diese Zeit." Positiv reagierten auch die Kollegen von Herbert Leis auf seine Entscheidung, Elternzeit zu nehmen. "Das wurde nur im Ausnahmefall belächelt." Er ist der einzige unter den Kollegen, der Elternzeit beansprucht. "Die Kollegen sagen eher noch, dass sie diese Möglichkeit eigentlich auch nutzen müssten." Sie übernehmen nun einen Teil von Leis' Arbeit. "Ich versuche, meine Aufgaben in 30 statt 40 Wochenstunden zu erledigen", erzählt er. "Gespräche dauern dann nicht mehr zehn, sondern nur noch fünf Minuten. Ich gebe mehr Gas." Vaterzeit als Geschenk

Doch kennt er auch als Mann das Problem der Elternzeit als Karrierekiller: "Ich bleibe beim Status quo. Kollegen ziehen an mir vorbei, werden schneller befördert." Doch sei dies eine akzeptable Nebenwirkung: "Meine Kollegen haben Nachteile, was das Familienleben betrifft." Insgesamt sehe er seine Väterzeit als "Geschenk": "Das ist für mich und meine Familie die richtige Lösung."