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Mit Muße ins Museum

Mit Muße ins Museum

TRIER. Alte Zeiten wurden lebendig: Tausende machten sich bei regnerischem Wetter, freiem Eintritt und Gratisführungen auf in die Museen der Region. Wo ansonsten eher Mucksmäuschenstille herrscht, war am Sonntag turbulentes Treiben zu beobachten.

Wer den Ursprüngen des Geldes auf die Spur kommen wollte, war am Sonntag in Triers Rheinischem Landesmuseum goldrichtig. Neben einer imposanten Münzausstellung, die antikes Geld und ihre Produktionsmittel vom römischen Fälscherförmchen aus Ton bis hin zu platten Schrötlingen zeigt, demonstrierte Hans Binsfeld experimentelle Archäologie improppevollen Foyer. Die auf einem nachgebauten Prägestock hergestellten Münzen wechselten gegen ein paar neuzeitliche Cent so manchen Besitzer. Das museale Spektakel gefiel der fünfjährigen Carola Görgen, die sich vor ihrem ersten Museumsbesuch besonders auf die Mumie und die Münzen aus echtem Gold freute. Premiere am Museumstag hatte auch das Karl-Marx-Haus: "Ein Riesenerfolg", freute sich Beatrix Bouvier, zukünftige Leiterin des Hauses, über den Besucheransturm. Die in das Geburtshaus des Begründers des Marxismus strömenden Scharen sind für sie ein Fingerzeig, in Zukunft stärker Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben: "Das Interesse zeigt mir, dass eine Auffrischung der bisherigen museumsdidaktischen Arbeit notwendig ist." Sie wünscht sich, dass demnächst nicht allein Wissenschaftler, sondern auch mehr als bisher Interessierte ohne Vorkenntnisse den Weg in das typische Trierer Bürgerhaus im Barockstil finden. Eine Überraschung wartete auf alle Interessierten: Die bislang verschlossene Tür zur Raritätensammlung im benachbarten Karl-Marx-Studienhaus öffnete sich erstmalig für die Besucher. Im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum bestaunten zahlreiche Gäste die spektakuläre Ausstellung von Marienbildern nach 1945 und lauschten einem Vortrag über die neuesten Erkenntnisse zur Entstehung der einzigartigen frühchristlichen Kirchenanlage Dom- und Liebfrauenkirche. Blick hinter die Kulissen

Ebenso groß war der Andrang im Städtischen Museum Simeonstift. Bärbel Schulte gewährte den Besuchern einen Blick hinter die Kulissen: Die Gäste erfuhren, wie mühselig der Weg ist, bis das begehrte altertümliche Objekt im Museum ausgestellt werden kann. Auch die kostbaren Neueinkäufe, erste Belegstücke von Trierer Porzellan, stießen bei den Museumsgästen auf großes Interesse. Aufmerksam verfolgten vor allem Familien die Attraktion im Volkskunde- und Freilichtmuseum Roscheider Hof. In dem Museum der ländlichen Alltagskultur schwitzten die beiden Bäcker Stephan Bohrer und Herrmann Phillip beim Brotbacken im Backhaus. Vom Abwiegen der Zutaten auf einer alten Waage bis zum Zubereiten im glühenden Steinofen verfolgten die Gäste, wie anno dazumal Sauerteigbrot hergestellt wurde. Doch bekanntlich ist des einen Freud des anderen Leid. Einigen Museumsangestellten stand förmlich der Angstschweiß auf der Stirn. "Heute sind mindestens zehnmal so viele Menschen hier als an anderen Tagen", schätzte ein leicht nervöser Angestellter. "Heute kann man nicht Augen genug haben", erklärte er schmunzelnd.