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Mit Senioren auf Nummer Sicher

Mit Senioren auf Nummer Sicher

TRIER. Kriminalhauptkommissar Elmar Esseln ist im Trierer Polizeipräsidium für die Ausbildung der Sicherheitsbeauftragten für Senioren (SfS) zuständig. 70 SfS-ler gibt es schon in der Region. Für die Eifellandkreise Daun und Bitburg-Prüm werden dringend weitere gesucht. Durchschnittlich jedes siebte Opfer einer Straftat ist über 60 Jahre alt.

"Angst macht einsam, besonders im Alter. Vertrauen und Wissen löschen Ängste und machen stark", sagt Esseln. Der Kriminalhauptkommissar kümmert sich seit sechs Jahren um die SfS-ler in der Region Trier. Die seien ihm "ans Herz gewachsen". Dieser Part sei quasi sein Hobby im Job, denn Esseln gehört mittlerweile zum Führungsstab Verbrechensbekämpfung im Trierer Polizeipräsidium. Die hochkarätige Besetzung kommt den Senioren zu Gute. Der 48-Jährige sagt mit Blick auf die Kriminalstatistik: "Viele Senioren denken häufig, ihnen passiere nichts. Doch das ist ein Trugschluss." Enkeltrick: Schaden im sechsstelligen Bereich

Besonders auf den so genannten Enkeltrick (ein angeblicher Enkel/Neffe ruft an und bittet um Geld, um aus einer Notlage zu kommen) fallen viele ältere Bürger rein. Esseln: "Der Schaden geht auch in unserer Region weit in den sechsstelligen Bereich, und das ist nur die Spitze des Eisberges." Mehr als 20 Delikte innerhalb von eineinhalb Jahren wurden der Polizei gemeldet. Aber viele Senioren würden sich schämen, Anzeige zu erstatten. Die Polizei brauche aber die Informationen, um den Trickbetrügern auf die Schliche zu kommen. Dabei gibt es starke Unterschiede zwischen Stadt und Land. "In den Mittelzentren wie Wittlich kennt nicht jeder Bankangestellte die Kunden, die ungewohnt hohe Beträge abheben. Auf den Dörfern ist das anders", meint Esseln. Im Gegenzug machen es die Dorfbewohner den Einbrechern häufig zu einfach. "Die Tageseinbrüche entlang der Our zum Beispiel passierten alle in kleinen Dörfern", zählt der Kriminalkommissar auf. Als generell große Probleme bezeichnet er Betrugsdelikte bei Haustürgeschäften, Kaffeefahrten, dubiosen Gewinnbenachrichtigungen oder so genannten fishing-mails im Internet. Als Prävention sei die Arbeit der SfS-ler sehr wichtig, denn immerhin sei ein Viertel der Bevölkerung über 65 Jahre alt. Der SfS-ler fungiert als Bindeglied zwischen Polizei und Senioren. Dabei gilt es in erster Linie, Hemmschwellen, Ängste und Vorurteile abzubauen und praktische Ratschläge zu geben. Esseln sagt: "Er sollte über 50 Jahre alt sein, die Sprache der Älteren sprechen, aktiv im Leben stehen und sich für Werte einsetzen." 40 Prozent der SfS-ler sind Frauen. Schmunzelnd sagt Esseln: "Die älteste ist 89 Jahre alt und ein ganz fittes Mädel." Die Sicherheitsbeauftragten arbeiten ehrenamtlich. Esseln erklärt: "Viele sind sowieso in Vereinen aktiv und haben deshalb schon etliche Kontakte. Sie bauen sich ihre eigenen Netzwerke auf." Auf diesem Weg erreicht die Polizei die Seniorentreffen nicht nur in Altenheimen, sondern auch auf Vereins- und Kommunalebene. Und da gibt es immer wieder neue Ansatzpunkte, denn die SfS-ler ruhen sich nicht auf der dreitägigen Ausbildung aus. Die Fortbildungen sind vielschichtig. Themen wie Auto fahren im Alter, Erb- und Betreuungsrecht, Sicherung der Wohnung oder des Hauses stehen dabei ebenso im Vordergrund wie Rhetorik, Drogen oder Sekten. Esseln weiß um die vielen Gefahren. Er sagt: "Es gibt viele Senioren in der Region, die Sekten verfallen sind. Sie rutschen da rein, ohne es zu wollen. Besonders einsame Senioren sind anfällig." Diese Fälle sind zwar nicht polizeilich aktenkundig, gehören aber trotzdem zur SfS-Arbeit. Esseln hat den Bereich Birkenfeld und Teile des Kreises Trier-Saarburg abgegeben. Er empfiehlt die Internetseite des Birkenfelder Sfs-lers, die landesweit einzigartig ist. Für die Landkreise Bitburg-Prüm und Daun sucht Esseln dringend "SfS-Nachwuchs". Im ersten Quartal 2006 soll die dreitägige Ausbildung sein. Kontakt: Elmar Esseln, Polizeipräsidium Trier, 0651/9779-1125.