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Mitreden leicht gemacht

Mitreden leicht gemacht

TRIER. Kommentare sind für Weblogs das, was das Salz für die Suppe ist. Mit ihnen können die Leser unmittelbar auf das reagieren, was ein Blogger geschrieben hat.

Als sich die Redaktion der amerikanischen Tageszeitung "Washington Post" vor rund zehn Tagen entschied, die Kommentarfunktion ihres Redaktionsweblogs zu deaktivieren, taten die Macher dies zwar mit großem Bedauern, zugleich aber einer gewissen Erleichterung. Denn nicht alle, die dieses offene Kommunikationsangebot nutzten, hielten sich an die Spielregeln oder das, was das Elternhaus einem Menschen an Anstand normalerweise mitgibt. Kraftausdrücke und Beschimpfungen waren im Washington-Post-Weblog offenbar an der Tagesordnung, so dass Meinungsbeiträge zu den Artikeln im Weblog künftig nur noch per E-Mail eingesandt werden können. Dabei ist es gerade die Kommentiermöglichkeit, die viele Weblog-Betreiber an vorderer Stelle nennen, wenn es um die Funktionen geht, die sie keinesfalls missen möchten. Denn damit können sich die Besucher der interaktiven Journale direkt an einer Diskussion beteiligen. Viele schätzen diese Art der Rückmeldung. Anders als per E-Mail, kann sie öffentlich stattfinden. Diese "Quasi-Leserbriefe" werden zumeist direkt unter dem betreffenden Eintrag platziert, so dass auch der nächste Besucher noch einen Zusammenhang herstellen kann."Ohne Kommentare eine Einbahnstraße"

Die Möglichkeit zur Interaktion nutzen auch die Besucher der TV-Leserjournale in zunehmendem Maße. Die TV-Blogger möchten auf die Kommunikation mit ihren Lesern nicht verzichten. So schreibt Blogger Tetrapanax zu diesem Thema: "Ohne die Kommentar-Funktion wäre das Weblog eine Einbahnstraße. Es ist genau so, als müsstest du jemandem zuhören, ohne die Möglichkeit zu haben, ihm direkt darauf zu antworten. Nicht sehr verlockend und nicht im Sinne von Kommunikation." Bloggerin Miaspheria kann die Maßnahme der "Washington Post" durchaus nachvollziehen: "Ich sehe die Verantwortung eher bei den Bloggern. Nur, weil man anonym schreibt, braucht man sich trotzdem nicht alles zu erlauben. Aber das soll nicht heißen, dass es eine Kommentarfunktion nicht geben sollte. Ich freue mich immer, wenn ich einen Kommentar-Eintrag in meinem Blog erhalte, und schreibe auch gerne bei anderen was rein." Und Blogoloco kennt noch einen ganz anderen, naheliegenden Grund dafür, Kommentare anzubieten: "Ich bin jedenfalls dafür, dass man die Möglichkeit hat, etwas zu kommentieren. Sonst müsste man ja seine eigenen Blogs, wenn man etwas kommentieren wollte, ständig verlinken, was ja auch nervig ist für den Leser."