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Nach der Show ist vor der Show

Nach der Show ist vor der Show

KÖLN. (mew) Ein Wunder, dass Anke nach der Entscheidung, weiterhin in der RTL-Castingshow dabei zu sein, überhaupt Zeit zum Aufatmen bleibt. Noch im Fernsehstudio stürzen Kameras und Mikrofone auf sie zu, an deren Ende wissbegierige Medienmacher hängen. Radio, Zeitung und Fernsehen - alle sind vertreten. In einem Aftershow-Interview sprechen Anke und Aida über Tränen, Druck und Leichen.

Wie fühlst du dich? Anke: Noch ganz schön durcheinander. Gemischte Gefühle. Einerseits bin ich froh darüber, dass ich weiter gekommen bin. An dieser Stelle: Vielen, vielen Dank an alle Leute, die für mich angerufen haben, das ist echt unbezahlbar, wie manche hinter mir stehen. Andererseits bin ich traurig, dass Aida gehen muss, denn wir haben uns supergut verstanden. Das war keine Show. Als Außenstehender kann man sich gar nicht vorstellen, wie man durch so was zueinander geschweißt wird. Da bauen sich einfach Beziehungen auf, selbst wenn man das verhindern will und denkt: "Oh Gott, ich muss auf mich aufpassen, ich will mein Herz nicht so öffnen." Aber es passiert halt eben doch, weil man die ganze Zeit einem so enormen Druck ausgesetzt ist. Das verbindet einfach total. Was sagst du denn zu deinem Auftritt heute Abend? Anke: Ich kann das jetzt schlecht beurteilen, weil ich mich selbst ja nicht gehört habe. Ich hatte ja ein riesiges In-Ear-Problem. Über unsere In-Ears hören wir die Musik und unseren Live-Gesang. Es ist natürlich der totale Horror, wenn man sich selbst nicht mehr hört. In diesem Fall hatte ich noch Glück, dass die Musik nicht vom Band kam, so dass ich vom Hintergrund noch was mitgekriegt habe. Aber es verunsichert total, wenn man nicht weiß, ob man die Töne getroffen hat oder nicht. Es war einfach ein blödes Gefühl. Hat dich die Entscheidung überrascht? Anke: Schon, denn ich habe echt damit gerechnet, dass ich raus fliege. Einfach aus dem Grund, weil ich auch schon letztes Mal nominiert war und ich hatte auch das Gefühl, dass die Jury mich raus gesehen hat. Ich kann meine eigene Leistung halt nicht reflektieren, weil ich mich nicht gehört habe. Ich hab' mein Bestes gegeben und ich denke, dass ich es relativ souverän durchgezogen habe. Andere hätten vielleicht einfach abgebrochen. Wie stehst du dem nächsten Motto gegenüber? Anke: Wir haben Freitag erfahren, dass es "Siebziger Jahre" sein wird. Bisher hab‘ ich noch nicht den genauen Plan, was in den Siebzigern so lief. Aber ich werd‘ mich damit beschäftigen, denn morgen müssen wir uns eigentlich schon entscheiden. Bisher hab‘ ich noch keine Idee. Aber vom ersten Gefühl würde ich sagen, da könnte was dabei sein. Wenn man weiterkommt, steigt doch auch der Druck immer mehr. Wie empfindest du das? Bist du jemand, der sagt: "Nun will ich's unbedingt schaffen" oder "Ich bin weit gekommen und wenn es jetzt passiert, ist es auch okay"? Anke: Am Anfang hast du das Gefühl, du bist froh überhaupt in der Top-50-Show zu sein, und dann bist du total happy, in der Mottoshow zu sein. Und dann denkst du dir: "Okay, eine Mottoshow will ich überleben". Und dann willst du die zweite aber auch noch überleben. Ich setze mir immer unmittelbar das nächste Ziel. Wenn man mir am Anfang - als ich mich mit anderen 19 000 beworben hab - gesagt hätte, dass ich Sechste werde, was ich ja jetzt bin, hätte ich nur einen Vogel gezeigt, weil ich es wirklich nicht geglaubt hätte. Rückblickend denke ich schon: "Wow, echt cool", aber du bist da meistens in so einem Ding drin, also so unter Druck und im Stress, dass du ganz viele Dinge einfach überhaupt nicht realisierst. Mit der Zeit wirst du aber immer ehrgeiziger und willst immer mehr. Das merk' ich auch: Ich will immer mehr und ich will auch nach vorne. Dabei ist es aber wichtig, trotzdem fair zu bleiben und nicht über Leichen zu gehen. Hast du Heimweh, wenn du die ganze Zeit in Köln bist? Anke: Ich habe ja am 25. Januar Geburtstag und an diesem Wochenende fällt auch die Show aus (Anm. d. Red. Gentleman's Agreement mit dem ZDF weil "Wetten dass.." läuft). Und ich hoffe sehr, dass ich dann zuhause sein kann und ein bisschen in Trier feiern kann. Generell hat man viel zu wenig Zeit, um Heimweh zu haben, weil wir wirklich permanent beschäftigt sind. Ich hab's mir viel schlimmer vorgestellt, von Trier weg zu sein. Es ist natürlich hart, vor allem dann, wenn mal nix ist, vermiss‘ ich total viele Leute. Aber meistens ist man so beschäftigt und versucht ständig Leistung zu bringen und alles gut zu machen, dass man gar nicht dazu kommt, großartig darüber nachzudenken, was man macht, wo man ist und was man vermisst.Aidas Aftershow-Interview kurz nach ihrem Aus:

Was sagst du zu der Entscheidung? Aida: Was soll ich dazu sagen? Es ist sehr schade, weil ich gerne noch mehr von mir gezeigt hätte. Ab jetzt kann man nicht mehr sagen, dass es ungerecht ist. Es hat diesmal mich getroffen und ich kann nur sagen "schade", aber die Anderen haben es genauso verdient, drin zu bleiben. Hast du versucht, für dich eine Erklärung zu finden? Aida: Nein, denn ich glaube, ab jetzt ist es eh egal. Es wird jedes Mal einer gehen, der eine gute Leistung gebracht hat. Es ist wirklich so, dass sechs gute Leute übrig geblieben sind und da kann man jetzt nicht mehr sagen "der ist irgendwie schlecht". Die sind alle unterschiedlich, aber alle gut. Von daher wird's jetzt wirklich schwer. Gerade jetzt, wo bei dir seit dem letzten Mal der Knoten wirklich geplatzt ist, ist es da nicht besonders schwer? Aida: Ich bin schon traurig, aber ich bin nicht jemand, der den Kopf in den Sand steckt und denkt "es ist jetzt alles vorbei". Also ich bin da schon relativ gefasst. Dafür habe ich auch schon zu viel erlebt und kann auch mit solchen Situationen umgehen. Für mich ist es schade, aber ich kann es gut verarbeiten, denke ich. Wie wird es jetzt für dich weitergehen? Aida: Das ist absolut schwer zu sagen, weil ich noch nichts Konkretes habe. Anrufe habe ich schon ein paar bekommen, aber es muss sich herausstellen, ob das für mich wirklich das Richtige ist. Einfach mal abwarten. Musikalisch werde ich aber auf jeden Fall weitermachen. Die Interviews führte Melanie Wollscheid .