Nicht nur Schatten – auch Licht

Nicht nur Schatten – auch Licht

NEUERBURG. Zur Ausstellungseröffnung "deutsch-jüdische Geschichte" im Staatlichen Eifel-Gymnasium Neuerburg tummelten sich viele Besucher. Einer davon kam aus Berlin: Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer.

Warum sich der Generalsekretär des Zentalrats der Juden, Stephan Kramer, auf den weiten Weg von Berlin nach Neuerburg gemacht hat, konnte sich auch der Schulleiter des Eifelgymnasiums in Neuerburg, Günter Scheiding, nur schwer erklären. "Ich habe einen Brief an den Zentralrat der Juden in Deutschland geschrieben, und darin von der Ausstellung deutsch-jüdische Geschichte erzählt. Dann habe ich noch von der besonderen Ausgangslage unserer Schule geschrieben." Die liegt in der Aufgabe der Sprach- und Bildungsförderung von Aussiedlern aus den Gebieten der früheren Sowjetunion und Osteuropas. Die Schülergruppe, die die Exponate der Ausstellung zusammengestellt hat, ist bunt zusammengewürfelt aus einheimischen Schülern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Darunter sind auch Schüler jüdischen Glaubens. War diese Konstellation Grund für den Besuch des Generalsekretärs? Mit einer viertelstündigen Verspätung kommt Kramer und bringt mehre Antworten auf die Frage mit. Neugierig sei er gewesen. Die Menschen wollte er kennen lernen, die hinter der Ausstellung zum Thema deutsch-jüdische Geschichte stehen. Kramer: "Was treibt die Menschen wohl, eine solche Ausstellung zu machen?" Äußerst spannend sei für ihn die Zusammensetzung der Schüler im Geschichte-Grundkurs gewesen: Juden und Nicht-Juden arbeiteten an einem Projekt. Die Ausstellung beschränkt sich inhaltlich nicht auf die Judenverfolgung während des Dritten Reichs, sondern stellt darüber hinaus Bereiche der jüdischen Kultur und deren Bedeutung für die deutsche Geschichte dar. Zwölf Schüler des Geschichte-Grundkurses hatten fast im Alleingang die Ausstellung gestaltet. Anfangs war noch nicht klar, was daraus werden sollte. Zuerst waren nur drei bis vier Stellwände geplant. Drei Tage Berlin als Dankeschön

Aber: "Mehr und mehr wurde es ein Projekt der Schüler unter Ausschluss des Lehrers", sagt Boris Kling, Geschichtslehrer am Eifel-Gymnasium Neuerburg. Die Schüler haben sich Brennpunkte ausgesucht, die das Interesse des Besuchers wecken. Von vorne herein war dabei klar: Nicht nur Schatten, auch Licht soll gezeigt werden. Drei Wochen Arbeit im Unterricht reichten nicht für das Thema. Also setzten sich die Schüler zusätzlich ein halbes Jahr außerhalb des Unterrichts mit dem Projekt auseinander. Das Resultat kann sich sehen lassen. Im Atrium, hinter einem Vorhang versteckt, haben die Schüler einen düsteren Raum geschaffen. Lichteffekte schaffen eine beklemmende Atmosphäre. Dazwischen befindet sich unter anderem Informatives zum Judentum im Mittelalter, zu deutschen Juden im ersten Weltkrieg, ein jüdischer Festkalender und ein neun Meter langer Zeitstrahl, der die Zeit zwischen 1933 bis 1945 dokumentiert. Ganz begeistert von der Ausstellung zeigt sich Kramer: "Sehr beeindruckend." Als Dankeschön hat sich der Generalsekretär für den Grundkurs etwas ganz Besonderes ausgedacht: drei Tage Berlin. Wer die Ausstellung zur deutsch-jüdischen Geschichte sehen möchte, meldet sich bei der Schulleitung des Eifel-Gymnasiums Neuerburg, Telefon 06564/96730.