Problem zur Aufgabe gemacht

Problem zur Aufgabe gemacht

TRIER/SALMTAL/TRABEN-TRARBACH. Lichtblick für Außenseiter: Im Rahmen ihrer Diplomarbeit trainieren vier Psychologie-Studenten der Uni Trier gemeinsam mit Schülern in Salmtal und Traben-Trarbach das Lösen oder Vermeiden von Konfliktsituationen innerhalb der Klasse.

An der Wand hängen Poster des Rappers Eminem, an anderer Stelle mehrere Collagen zum Thema "Car Safety" und ganz weit hinten ein Tierkalender von 2003. "Gu-ten-Mor-gen-zu-sam-men", sagt Lehrer Helmut Follmann. "Gu-ten-Mor-gen", antworten die Schüler. Dann setzt sich Follmann und überlässt das Feld wortlos seinen beiden "Kollegen". Die beiden Kollegen sind noch recht jung und eigentlich auch keine Kollegen, sondern Psychologie-Studenten der Uni-Trier. "Hallo erstmal. Stuhlkreis wie immer", sagt Tobias Amberger, einer der beiden, und es folgt ein Umherschieben von Stühlen, Tischen und Schülern. Irgendwann sitzen alle im Kreis.Das Training dauert 13 Wochen

Für die 6 a der Regionalen Schule sind Anja Leist und Tobias Amberger fast schon so was wie ein Teil des Stundenplanes. Bereits zum siebten Mal sind sie an diesem Tag in der Klasse, jeden Donnerstag für zwei Stunden. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit untersuchen Leist und Amberger gemeinsam mit den Schülern, welche Gruppendynamiken - also Gruppierungen, Außenseiterrollen und Konflikte - es innerhalb der Klassengemeinschaft gibt und wie in Zukunft Probleme vermieden oder gelöst werden können. "Wir haben die Impulsphase gehabt, und jetzt reflektieren wir. Weiß jemand was das ist: reflektieren?", fragt Anja Leist, und fügt hinzu: "Wie beim letzten Mal. Konzentrieren und Acht geben, was man sagt, damit man keinen verletzt." Dann folgen Wortmeldungen. Erst zur Bedeutung des Wortes "reflektieren" und dann dazu, was während der vergangenen Wochen gemacht wurde. Insgesamt 13 Wochen dauert das "Soziale-Kompetenz-Training", das Leist und Amberger in Salmtal zusätzlich noch mit einer achten Klasse absolvieren und ihre beiden Studienkollegen Katrin Eisenbach und Benjamin Becker mit zwei Schulklassen an der Traben-Trarbacher Realschule. Nachdem im ersten Teil des Trainings, der sechswöchigen "Impulsphase", alltägliche Konfliktsituationen behandelt worden sind, geht es im zweiten Teil, der "Reflexionsphase", darum, bereits erworbene Sozialkompetenzen nochmals zusammenzufassen und zu überlegen, wie es im dritten Teil, der ebenfalls sechswöchigen "Aktionsphase", weiter gehen soll.Eigenen Film gedreht

Die Schüler dürfen sich dafür ein beliebiges Projekt ausdenken, "vorausgesetzt", sagt Tobias Amberger, "dass alle Klassenmitglieder daran beteiligt sind, die Aktivität uns als Klasse gut tut und das Ganze machbar ist". Was Schüler der Salmtaler 6 a an diesem Tag noch überlegen, setzen Jungen und Mädchen der Realschule Traben-Trarbach wenige Wochen später in ihrer "Aktionsphase" um. "Habt ihr alles gemacht, was ihr euch vorgenommen habt?", fragt Katrin Eisenbach zu Beginn der ersten Stunde die Schüler der 8 b und hält den Ablauf der "Aktion" auf der Tafel fest. Laut Stundenplan wäre jetzt Mathe und dann Englisch. Doch heute wird gefilmt. Kamera, Licht, Kabeltrommel und CD-Player hat die Technik-Gruppe besorgt, eine andere Gruppe hat den Ablauf des Films erarbeitet, wieder andere Schüler kümmern sich um die Interviews mit Lehrern und Schülern, und der Rest dokumentiert mit Fotos die Entwicklung der Klasse von der Fünften bis jetzt. Lehrerin Gabriele Kroeber verfolgt das gemeinsame Treiben ihrer Schüler aufmerksam. Unter ihren linken Arm hat sie einen Stapel Hefte - für die Schüler die nächste Herausforderung, die jedoch jeder alleine meistern muss. Dritte Stunde: Englischarbeit.