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Radfahren bei Regenwetter

Radfahren bei Regenwetter

KONZ/SAARBURG. Feuchtes Jubiläum: Zum zehnten Mal hatten Radfahrer die Straßen zwischen Konz und Merzig für sich. Das launische Wetter forderte aber seinen Tribut: Nur 25 000 Teilnehmer fuhren nach Schätzung der Polizei in diesem Jahr auf dem rheinland-pfälzischen Teil der Strecke, 15 000 zählten die saarländischen Ordnungshüter. Das sind etwa halb so viele Besucher wie vor einem Jahr.

 Etwa fünf Prozent der Besucher schnallten sich wie die drei jungen Leute die Räder unter die Füße.Foto: Joachim Johanny
Etwa fünf Prozent der Besucher schnallten sich wie die drei jungen Leute die Räder unter die Füße.Foto: Joachim Johanny
 Zwei jugendliche Fahrerinnen widerstehen dem Duft des Spießbratens. Foto: Wolfgang Lenders
Zwei jugendliche Fahrerinnen widerstehen dem Duft des Spießbratens. Foto: Wolfgang Lenders
 Auch die Jüngsten waren mit von der Partie: Sicherheitsbewusst trägt der Junge auf dem Kinderfahrrad einen Helm. Foto: Wolfgang Lenders
Auch die Jüngsten waren mit von der Partie: Sicherheitsbewusst trägt der Junge auf dem Kinderfahrrad einen Helm. Foto: Wolfgang Lenders

Pünktlich zur Eröffnung von Saarpedal hat der Wettergott ein Einsehen: Unter bewölktem Himmel, aber ohne Dusche von oben bricht Landrat Richard Groß zusammen mit den Organisatoren der Aktion zu seiner Tour entlang der Saar auf. "Wir sind dem lieben Gott dankbar, dass er der Versteppung des Saartals entgegenwirkt", scherzt Groß in seiner Eröffnungsansprache. Dann schwingt er sich aufs Fahrrad, gekleidet in karierte Shorts und Saarpedal-T-Shirt. Auf dem Kopf trägt der Landrat wie auch seine Begleiter eine Schirmmütze mit dem offiziellen Logo. Groß: "Wenn man sie tief genug zieht, sieht man den bewölkten Himmel nicht mehr." Kurz nach zehn herrscht auf der Strecke nach Kanzem noch gähnende Leere. Gelegentlich zieht einer der semiprofessionellen Fahrer vorbei, meist auf dem Rennrad in engem Trikot und mit aerodynamischem Helm auf dem Kopf. In Kanzem bereitet sich der Heimat- und Verkehrsverein auf den erhofften Besucheransturm vor. 35 Kuchen haben die Mitglieder gebacken. "Wenn das Wetter mitspielt, gehen die schnell weg", meint der stellvertretende Vorsitzende Franz Zimmer. Am Ortsausgang liegt die erste Fahrradwerkstatt auf der Strecke. "Ich geh' mal ganz locker an die Sache ran", meint Inhaber Christoph Schlöder. "So ein Tag wie heute kommt mir sehr entgegen." Damit meint er den Werbeeffekt. "Ich bin erst seit Juni hier", sagt der Zweiradmechaniker, der die Werkstatt nebenher betreibt. "Um den Umsatz mach' ich mir heute keine Gedanken." Gerade hat ein Fahrer eine Zugkette für seine Dreigang-Nabenschaltung gekauft - ein Gebrauchtteil für einen Euro. "Neu kriegt man sowas heute nur sehr schlecht", erklärt Schlöder. Ganz ohne Schaltung unterwegs ist Erwin Kimmelmann aus Freudenburg. Mit einem restaurierten Opel-Fahrrad aus den 20er Jahren fährt er die Strecke ab. Nicht nur das Rad ist 80 Jahre alt, auch der Rest der Ausrüstung des Sammlers ist authentisch: Er trägt schwarze Lederstiefel, eine braune Cordhose und ein Hemd mit blauen Karos. Auf den Gepäckträger hat Kimmelmann einen Lederkoffer geschnallt, an seinem Lenker eine Hupe angebracht. Der Straßenverkehrszulassungsordnung dürfte das Rad nicht entsprechen, Reflektoren und Dynamo lässt der Sammler nicht an sein Rad. Dafür hat er eine Karbidlampe. Klar, dass die auch funktioniert. Kimmelmann legt ein gutes Tempo vor. Er ist in Saarburg gestartet und schon wieder auf dem Rückweg von Konz. Dabei gibt es doch am Wegesrand genügend Gelegenheiten zur Ablenkung. So in Schoden: Rauch weht über die Straße, verlockend duftet der Spießbraten. Dazu gibt es Pommes, Bratwurst, Kaffee, Kuchen und Saarwein. Damit der Nachwuchs nicht quengelt, wenn Papi und Mami einen Wein trinken, haben die Vereine des Ortes direkt neben dem Grillstand eine Hüpfburg aufgebaut. Wer will denn da schon weiterfahren? Vor allem, wenn gerade wieder ein Regenschauer niedergeht. Trotz des unsicheren Wetters zieht es aber am frühen Nachmittag kaum jemanden nach Hause. Gähnend leer das Fahrradabteil des Zugs nach Trier, das am Vormittag noch gut gefüllt war. Immerhin, die Bahn hat vorgesorgt: Aus einem uralten Packwagen reicht ein eigens dafür abgestellter Mitarbeiter das kostenlos beförderte Fahrrad auf den Bahnsteig.