RADSPORT : Schweiß riecht nicht nach Geld

GRAACH. Als erste europäische Senioren-Nationalmannschaft hat das deutsche Team an der Kolumbien-Rundfahrt teilgenommen. Mit im Peloton: Peter Ackermann vom RSC Stahlross Wittlich.

Die Fotos aus Kolumbien liegen ausgebreitet auf dem Holztisch. Hoch über der Mosel, im Graacher Ortsteil Schäferei, sitzt Peter Ackermann mit Blick auf Burg Landshut am Esstisch und schwelgt in Erinnerungen. Schwere Regenwolken ziehen über die Weinberge und lassen von Zeit zu Zeit Schauer niederprasseln. Der Regen erinnert Ackermann an Kolumbien. Der 46-Jährige ist Mitglied der deutschen Senioren-Nationalmannschaft der Straßenradrennfahrer, die Ende September als erstes europäisches Team an der Kolumbien-Rundfahrt teilnahm. Nass sei es auch während der fünf Etappen über rund 400 Kilometer durch den südamerikanischen Staat gewesen. "Aber das hat wegen der Wärme nichts ausgemacht", sagt Ackermann. Regen und Nässe dürften auch das geringste Problem gewesen sein, schießt es sofort durch den Kopf. Macht Kolumbien in Deutschland doch durch die berüchtigten Drogenkartelle, Entführungen und Morde und nicht durch Sport Schlagzeilen. Ein etwas mulmiges Gefühl habe er deswegen schon gehabt, gesteht Ackermann. Aber: "Man hat sich absolut sicher gefühlt", widerspricht Ackermann der Einschätzung, die Kolumbien-Rundfahrt sei eine lebensgefährliche Angelegenheit gewesen. Mit großem Aufwand wurden die Radsportler geschützt, Probleme gab es nicht. Und außerdem: "Durchgeschwitzte Radtrikots riechen nicht nach Geld", witzelt Ackermann. Die Gegensätze zwischen Arm und Reich lernten die fünf Deutschen (darunter auch Dietmar Sellesk aus Hahn im Hunsrück) des 350-köpfigen Tour-Trosses kennen. "Die wirtschaftliche Situation der Kolumbianer ist extrem unterschiedlich. Hier große Einkaufszentren und Leute mit Handys, 500 Meter weiter Wellblechhütten und Menschen, die ihre Nahrung in Mülleimern suchen", berichtet Ackermann.Für das kommende Jahr wieder im Programm

Begeistert war der Moselaner von der Freundlichkeit der Kolumbianer: "Der Empfang und die Offenheit der Menschen waren überwältigend. Beim Rasen durch die vielen Ortschaften wurde das Feld immer von Schulklassen in Uniformen auf der Straße begrüßt, die mit kolumbianischen Fähnchen winkten und laut kreischten. Hier kam regelrecht Gänsehautatmosphäre auf", sagt der aus Zeltingen-Rachtig stammende Unternehmer. Trotz zahlreicher vorderer Platzierungen der deutschen Fahrer ging der mit 1000 Dollar dotierte Gesamtsieg der elften Kolumbien-Rundfahrt an einen kletterstarken Fahrer des Gastgeberlandes. Ackermann belegte den 27. Platz. Ebenso wichtig wie der sportliche Erfolg ist für Ackermann bei solchen Rennen der Kontakt zu den Ausländern. Durch Reisen baue man Vorteile ab, erklärt er, durch den Sport falle die Kontaktaufnahme leichter. Auch in Kolumbien schloss er zahlreiche Freundschaften. Im Urlaub hat Ackermann sein Rennrad stets dabei. "Ich treffe immer andere Radfahrer, komme immer mit denen ins Gespräch und bekomme die schönsten Winkel gezeigt", erklärt er. Im Anschluss an die Kolumbien-Rundfahrt startete Ackermann deshalb auf Mallorca. Für das kommende Jahr steht die Kolumbien-Rundfahrt wieder fest im Terminkalender. Den Blick auf die Mosel und Burg Landshut kann Ackermann nicht allzu oft im Jahr genießen.