RUDERN : Ein Hauch von Olympia

RUDERN : Ein Hauch von Olympia

BERNKASTEL-KUES. Ausnahmesituation auf den Kueser Moselwiesen: In allen Bootsklassen vom Einer bis zum Achter ermittelten am vergangenen Samstag rund 1000 Ruderer ihre Besten bei der Regatta "Um den Grünen Moselpokal".

"So was sieht man sonst nur bei Olympia." Annette und Thomas Davidshöfer waren begeistert. Das Paar aus Kaiserslautern weilte am vergangenen Wochenende zu einem Kurzurlaub in Cochem. Kultur, Wein und Gemütlichkeit erwarteten sie bei ihrem Ausflug nach Bernkastel-Kues. Zusätzlich bekamen sie in einer Erholungspause am Moselufer sportliche Unterhaltung geboten.Mannheimer hängen Ex-Weltmeister ab

Olympisches Niveau erreichte die Regatta "Um den grünen Moselpokal" natürlich nicht. Die meisten Rennen waren mit Breitensportlern besetzt. Das olympische Feuer strahlte aber durch Michael Dürsch nach Bernkastel-Kues. Der Olympiasieger von 1984 im deutschen Doppelvierer musste sich diesmal geschlagen geben: Das Mannheimer Quartett hängte die Crew des ehemaligen Weltmeisters auf der vier Kilometer langen Strecke vom Festplatz "Thanisch Spitz" nach Graach und zurück ab.Als bester Einzelsportler bei der Regatta, die zum 54. Mal von der Rudergesellschaft Zeltingen und Bernkasteler Ruderverein (RV) ausgetragen wurde, profilierte sich erwartungsgemäß Matthais Schömann-Finck. Der WM-Dritte aus Zeltingen, der für den Mainzer RV startet, fuhr in 15:27,7 Minuten die schnellste Zeit im Einer. Nur 40 der mehr als 200 Mannschaften konnten diese Zeit unterbieten. 27 dieser 40 Boote waren Achter. Alle 31 gemeldeten Boote der Königsklasse kamen ins Ziel und stellten mit der Renngemeinschaft Mannheim/Bingen/Rheinau in 13:35,1 Minuten auch den Tageschnellsten.Schnellstes Zweimannboot war der Doppelzweier von Matthias Schömann-Fincks zwei Jahre jüngeren Bruder Jost und Volker Fusenig aus Trier. Das Duo ruderte in 14:27,1 Minuten um den Moselbogen. "Die letzten 1000 Meter waren hart und haben sich gezogen wie Kaugummi", sagte Jost Schömann-Finck. Erst zum dritten Mal saß er mit seinem Partner ineinem Boot. Solche Renngemeinschaften seien bei Herbstregatten gang und gäbe. Zum Saisonabschluss bestehe die Möglichkeit, auch mal in großen Bootsklassen zu rudern, die man aus Vereinsmitgliedern nicht besetzen könne.Viel Geschick beim Steuern verlangte die vier Kilometer lange Regattastrecke. Die Schiedsrichter im Boot an der Moselbrücke in Bernkastel hatten alle Hände voll zu tun, um die Teilnehmer per Megaphon durch das Nadelöhr zu lotsen. "Im Vierer hat man ja einen Steuermann, aber ohne ist es nicht leicht", sagte Birgit Müller vom Ruderclub Hamm über den technisch anspruchsvollen Kurs im Moselbogen. "Es ist einfach traumhaft schön", fand Müllers Bootskollegin Vera Kell trotzdem Zeit die Kulisse mit Burg und Bernkasteler Altstadt zu bewundern. Nicht auf dem Wasser, sondern mit dem Fahrrad fuhr Bram Brambring die Strecke ab. "Ich feuere meine Leute an, coache und passe wegen des Begegnungsverkehrs auf", erklärte der Holländer. Seit einem viertel Jahrhundert kommen die Ruderer aus Deventer zur Regatta nach Bernkasteler. "Denen hat es vor 25 Jahren so gut gefallen, dass wir jedes Jahr wieder kommen", berichtete Brambring. Nicht nur einen Tag, sondern gleich ein verlängertes Wochenende verbringen die Holländer an der Mosel. Es ist nämlich nicht nur der Fluss und die Regatta, die sie anlocken.Die Ergebnisse der einheimischen Boote:Männer, Einer: 1. Matthais Schömann-Finck (Zeltingen/RV Mainz) 15:27,7 Minuten. Doppelzweier: 1. Jost Schömann-Finck (Zeltingen) und Volker Fusenig (Trier) 14,27,9 Minuten. Senioren B, Doppelzweier: 5. RV Bernkastel 17:32,3 Minuten. Doppelvierer: 2. RG Traben-Trarbach/Lahnstein/Boppard 15:56,0 Minuten.Senioren C, Doppelvierer: 2. Bernkasteler RV 17:17,2 Minuten.Junioren, Doppelzweier: 3. RC Traben-Trarbach 16:24,1 Minuten.Mixed, Achter: 1. RG Zeltingen/Zell/Treis-Karden/Neuss/Minden/Oberrad/Essen 16:06,3 Minuten.ax/mai