Rückblick auf die Hölle von Verdun

Rückblick auf die Hölle von Verdun

Wie kam es zur Schlacht von Verdun, und welche militärischen Ziele verfolgten die damaligen Kriegsgegner Deutschland und Frankreich? In seinem neuesten Vortrag brachte der Historiker Patrick André Bourassin einem interessierten Publikum in der Wittlicher Stadtbücherei den Verlauf und die Hintergründe der verlustreichen Schlacht des Jahres 1916 nahe.

Wittlich. Die zehnmonatige Schlacht von Verdun im Jahre 1916 war der "tiefste Punkt der Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich", sagt der Wittlicher Historiker Patrick André Bourassin. Bei der kriegerischen Auseinandersetzung deutscher und französischer Soldaten im Umfeld der lothringischen Stadt an der Maas handelte es sich nicht nur um einen Grabenkrieg, sondern im wesentlichen um einen "blutigen Bunker- und Festungskrieg mit dem Einsatz modernster Waffentechnik", betont der ehemalige Geschichtslehrer des Peter Wust Gymnasiums in Wittlich. Gut 50 Interessierte waren zu dem Vortrag des Historikers über eine der bedeutendsten Schlachten des Ersten Weltkriegs in die Stadtbücherei gekommen.
Um die Bedeutung der historischen Waffentechnik im Hinblick auf den Verlauf und die Opferzahlen der Kämpfe bei Verdun besser einordnen zu können, erläuterte Bourassin im ersten Teil seines Referats detailliert und anschaulich die Merkmale und Besonderheiten der verschiedensten Waffensysteme des deutschen beziehungsweise französischen Heeres. Dabei berücksichtigte er insbesondere die Festungsarchitektur Frankreichs und den Aufbau der französischen Festungslinie bei Verdun. Darüber hinaus erklärte er die militärstrategischen Planungen der damaligen Generäle auf beiden Seiten. Im zweiten Teil des Vortrags beleuchtete der Wittlicher Historiker den genauen Ablauf und die Hintergründe der einzelnen Kämpfe um die Festungen Fort Douaumont, Fort Vaux, Fort Froideterre und Fort Thiaumont. In diesem Zusammenhang ging er insbesondere auf die Rolle der militärischen Entscheidungsträger, den Generalstabschef des deutschen Heeres, Erich von Falkenhayn, General Konstantin Schmidt von Knobelsdorf und den französischen General Philippe Pétain, ein.
Bei den Kämpfen um Verdun wurde eine besonders hohe Anzahl von Soldaten auf beiden Seiten geopfert, ohne einen wesentlichen taktischen oder strategischen Erfolg zu verzeichnen. Insgesamt kamen in der sogenannten "Knochenmühle von Verdun" rund 700 000 französische und deutsche Soldaten um, bilanziert Bourassin.
Da es bereits zwei Jahrzehnte nach dem Ersten Weltkrieg wiederholt zu Kriegshandlungen zwischen Deutschland und Frankreich kam, war es ein sehr langer Weg bis zur Versöhnung der beiden Länder in den 1960er Jahren.
Dabei betont der ehemalige Geschichtslehrer Bourassin, wie sehr er die deutsch-französische Freundschaft schätzt, die im Jahre 1963 von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer vertraglich besiegelt wurde. Darüber hinaus würdigt er die einstigen Bemühungen von Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl und des ehemaligen französischen Staatspräsidenten François Mitterrand um den Ausbau der freundschaftlichen Beziehung beider Nationen.
Im Anschluss an seinen Vortrag führte Bourassin eine offene Diskussionsrunde mit den 50 Vortragsgästen, bei der Fragestellungen zur strategischen Kriegsführung des Deutschen Reiches und Frankreichs erörtert wurden. phiExtra

Die "Hölle von Verdun" zählt zu den verlustreichsten Kämpfen des Ersten Weltkrieges. Die Schlacht begann am 21. Februar 1916 mit dem Angriff deutscher Soldaten auf die symbolisch bedeutsame Festungsanlage und endete am 19. Dezember 1916 ohne wesentliche Veränderung des Frontverlaufs. Es wurden ganze Armeen für einen Kampf um wenige hundert Meter Land geopfert. Bis heute steht das Massensterben in Verdun als Symbol für das menschenverachtende Antlitz des Ersten Weltkrieges. phi