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Spiel mir das Lied vom...

Spiel mir das Lied vom...

TRIER. Wilder Westen in den Charts: Die Berliner Band The Boss Hoss schneidert für Rock- und Pop-Hits das ganz coole Country-Gewand – und bedient dabei selbstironisch alle Western-Klischees. Die mittlerweile sehr erfolgreichen Berliner gastieren am 10. November in der Aula der Fachhochschule Trier.

Was haben Jimi Hendrix, die Beastie Boys, Billy Idol oder Beck gemeinsam? Sie alle haben Country-Songs gecovert. Ohne, dass man es wusste. Lieder, die irgendwann mal in der Prärie unter sengender Sonne erstmals geklampft wurden. Von zwei Legenden mit Cowboyhut auf dem Kopf, Kippe in der Hand, Gaul zwischen den Stiefeln, Schweißperlen in den Stirnfalten, Freiheit im Blick. Marlboro-Männer im arizonischen Staub. Sie sind die wahren Komponisten von OutKasts "Hey Ya!", Beastie Boys' "Sabotage" oder Elvis Presleys "A Little Less Conversation": Boss und Hoss. Wobei Hoss nicht auf der Ponderosa wohnt und sich von Hop Sing bekochen lässt.So ähnlich ist es zumindest, wenn man den Erzählungen eines fiktiven alten Cowboys auf der Boss Hoss-Homepage glaubt. Ist natürlich Unfug. Legendenbildung mit einem Schuss Selbstironie. Denn The Boss Hoss kommen aus Berlin. Wo der Osten wilder ist als der Westen und wo die "Billy the Kids" und Gesetzlosen nicht das Holster unter der Hüfte tragen, sondern höchstens das Butterfly in der Baggy-Hose.

Schnapsidee und Rausch

Nun muss man sich die beiden Band-Gründer Boss Burns und Hoss Power (bürgerlich heißen sie Alec und Sascha) auch nicht als Hardcore-Western-Fans vorstellen, ebenso wenig wie ihre fünf weiteren Bandkollegen. Eher als überzeugte Rockmusiker, die eine "Schnapsidee nach vier Bier" (Alec) in einen Edel-Whiskey verwandelt haben, der sich nun bestens verkauft. Monatelang in den Charts, ein Film-Soundtrack, Werbeaufträge für mehr als eine Handvoll Dollar - das Geschäft brummt.

"Wir sind sicher nicht die größten Country-Fans der Welt", sagt Alec im Telefonat mit dem TV. Er wird abgelenkt. Sein Auto piept anfangs munter vor sich hin, weil der "Reiter" noch nicht den Anschnallgurt gefunden hat. Probleme, die Wyatt Earp dekadent vorkommen dürften. "Die ganze Cowboy-Sache ist witzig. Es ist natürlich auch ein bisschen Fassade dabei. Wir haben ein Ding gefunden, bei dem die Leute richtig abgehen", findet Alec.

Seine Kumpels und er haben aufs richtige Pferd gesetzt. Schon bei den ersten kleinen Gigs vor über zwei Jahren waren die Zuschauer begeistert von den vercowboyten Coverversionen. Dann klopften die ersten Plattenfirmen an. Und mittlerweile ist die Band praktisch im ganzen Land ein Begriff. Kein Phänomen, das sich auf Deutschland beschränkt: "Wir haben vor ein paar Tagen erstmals in Norwegen gespielt", sagt Alec. "Die Leute kannten uns nicht, gingen aber genau so mit wie in Deutschland."

Mit dem Konzept, allerlei Charts-Musik von OutKast bis Cardigans oder eben Billy Idol per Lasso einzufangen und musikalisch die "Yee-Haw!"-Sporen zu geben, thront man vielleicht nicht auf den Rocky Mountains der Innovation. Aber das macht auch gar nichts. Denn The Boss Hoss haben sich über derlei Kritiker-Abwiegeln längst hinweggesetzt. Mit schweißtreibenden Auftritten - allein 180 im vergangenen Jahr (einer davon in Trier) - mit wilden Ritten über alle Klischee-Gräben hinweg.

Dabei haben die Berliner zuletzt eine neue Erfahrung gemacht: The Boss Hoss streuen immer mehr eigene Songs ein. Wobei Alec überzeugt ist, dass der Erfolg nur mit Eigenkompositionen nicht zu erreichen gewesen wäre: "Ohne Coverversionen hätten wir es definitiv nicht geschafft. Es liegt an der Songauswahl und daran, wie wir covern", sagt Alec. Mittlerweile seien die eigenen Stücke aber zum festen Bestandteil bei den Auftritten geworden, würden genauso gefeiert wie der Rest. Auch in Trier dürfte der Wilde Westen für einen Abend lang eine rockig-trashige Renaissance feiern: Einige Überraschungen werde es beim Auftritt geben, verspricht Alec.

Das "The Boss Hoss"-Konzert beginnt am Freitag, 10. November, um 20 Uhr in der Aula der Fachhochschule Trier. Einlass ist ab 19 Uhr.

Karten gibt es für 23,50 Euro in den TV-Presse-Centern Trier, Bitburg und Wittlich, unter der TV-Tickethotline 0651/7199-996 sowie unter www.volksfreund.de/tickets.