Über den eigenen Horizont

Über den eigenen Horizont

TRIER. An der Musik der irischen Großfamilie scheiden sich die Geister: "Grottig" finden die einen, "genial" die anderen. Angelo Kelly, der jüngste musizierende Kelly, hat im Juli sein erstes Solo-Album ("I'm ready") veröffentlicht und tourt nun durch Europa. Heute Abend macht er Zwischenstation im Trierer Exhaus. Für den TV zog Angelo eine Zwischenbilanz der Tour, sprach über Imageschwierigkeiten und Zukunftsträume.

Gestern warst Du noch in den Niederlanden, jetzt wieder in Deutschland für weitere Auftritte. Wie läuft Deine erste Solo-Tour bisher?

Besteht Dein Publikum überwiegend aus Fans der "Kelly Family"?

Angelo: Manchmal sind das zu 80 Prozent alte Fans und zu 20 Prozent neue Leute, manchmal auch umgekehrt. Mein Ziel ist es, mir ein eigenes Publikum zu erarbeiten und neue Leute für meine Musik zu gewinnen.

Wie gefällt Dir das, in Klubs vor ein paar hundert Menschen zu spielen? Ihr habt ja als "Kelly Family" Fußball-Stadien gefüllt.

Angelo: Das kann man so nicht sagen. Es kommt nicht darauf an, wie viele Menschen vor der Bühne stehen, sondern wie die drauf sind. Da kommen verschiedene Faktoren zusammen. Ich hatte mit der "Kelly Family" unvergessliche Konzerte vor 30 Leuten und eins der schlechtesten vor 250 000 Leuten.

Dein erstes Solo-Album heißt "I'm ready". Wie würdest Du die Platte selbst beschreiben?

Angelo: Musikalisch betrachtet ist es Pop-Rock, populäre Musik, teilweise auch etwas härter. Aber kein Plastik, sondern echt, ehrlich und offen. Ich habe alle Songs selbst geschrieben.

Und von welchen Themen handeln Deine Songs?Angelo: Von Dingen, die mich gerade beschäftigen. Das ist fast wie Therapie. In "Child of God" habe ich den Spott, den ich als Mitglied der Kelly Family abbekommen habe, verarbeitet.

Hängt Dir das so nach?

Angelo: Naja, viele Leute bilden sich einfach keine eigene Meinung und beschäftigen sich viel zu sehr damit, was andere über sie denken. Und wenn Kelly-Fan zu sein, uncool ist, gefällt diesen Leuten auch meine Platte nicht. Das hat viel mit Image zu tun. Man muss sich bloß mal einen Teil der Plattenkritiken anschauen. Da stehen richtig krasse Sachen drin, auch Falsches. Das zeigt mir, dass der Rezensient sich das Album gar nicht richtig angehört hat.

Der Titel des Albums lautet "I'm ready", zu deutsch, "Ich bin bereit". Wofür denn?

Angelo: Dass ich bereit bin, einen neuen Weg einzuschlagen. In den nächsten fünf bis zehn Jahren würde ich gerne weitere Platten veröffentlichen und touren. Es läuft gut zur Zeit, aber ich habe auch noch viel vor mir.

Und wie bringst Du Deine Frau und Eure drei Kinder mit unter? Touren die mit?

Angelo: Ja klar! Wir teilen ein Leben. Ich denke, dass das aufregend für die Kleinen ist. Viele neue Eindrücke über den eigenen Horizont hinaus. So werden sie offen und selbstständig.

Die letzten Auftritte der "Kelly Family" hier in der Region liegen schon eine Weile zurück. Gibt's was Trierisches, an das Du Dich noch erinnerst?Angelo (leicht verlegen): Leider nein, das ist fast zehn Jahre her. Tut mir leid! Aber bestimmt werden Erinnerungen wach, wenn ich da bin.

Abschließende Frage: Warum sollte jemand unbedingt heute Abend auf Dein Konzert ins Exhaus kommen?

Angelo (lacht): Weil wir eine rockige Live-Show und vielfältige Musik bieten. Auch ruhige Sachen, aber hauptsächlich viel Party.

Das Interview mit Angelo Kelly führte TV-Redaktionsmitglied Anita Schack.

Angelo Kelly: Sehr gut. Die Hälfte der Konzerte liegt etwa hinter uns. Ich bin sehr happy, dass die Leute meine Musik gut annehmen.