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Väter in der Zwickmühle

Väter in der Zwickmühle

TRIER. (wie) Auch wenn immer mehr Unternehmen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für ihre Mitarbeiter entdecken, wird dabei meist außer Acht gelassen, dass sie nicht nur für Frauen von Bedeutung ist. Männer fühlen sich bei dem Thema vernachlässigt. Ein weiterer Teil der Serie über Job und Familie.

Hand aufs Herz: Beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf denkt man zuerst an die Frauen. Die Mütter sind in vielen Köpfen immer noch allein für Erziehung und Haushalt zuständig. Daher ist es auch ihr Problem, wie sie Job und Familie unter einen Hut bekommen. In Unternehmen wird, falls überhaupt, überwiegend den weiblichen Mitarbeitern Teilzeit angeboten, damit zu Hause "nicht alles aus dem Ruder läuft". Ein überholtes Bild. In der modernen Familien fühlen sich die Eltern bei der Erziehung gleichberechtigt. Die Väter leiden darunter, dass sie so wenig vom Alltag zu Hause mitbekommen. Das bestätigt nun eine Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Väter sind unzufrieden, weil ihnen bei der Vereinbarkeit von Job und Familie vom Arbeitgeber oft Steine in den Weg gelegt werden, sagen die Meinungsforscher des Allensbach-Instituts. Fast die Hälfte der befragten Väter glaubt, dass die Unternehmen kaum Rücksicht auf Familie nehmen. Deutschland brauche ein stärkeres Engagement der Väter für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sagte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). "Wenn es uns gelingt, Vätern - insbesondere Vätern in Führungspositionen - mehr Freiraum für die Familie zu verschaffen, dann unterstützen wir damit einen tief greifenden Bewusstseinswandel, von dem wir alle profitieren werden: die Mütter, die Väter und die Kinder - und unsere Unternehmen", schrieb die Ministerin in einem Grußwort für den Preis "Spitzenvater des Jahres". Laut ihrem Ministerium sind 95 Prozent der Mitarbeiter in Elternzeit weiblich. Eine echte Teilung von Kinderbetreuung und Erziehungsarbeit, die beide Partner im Arbeitsleben präsent bleiben lässt, sei nach wie vor die Ausnahme. Angst vor Einkommens-, Karriere- oder Prestigeverlust sind, wie das Institut für Demoskopie feststellte, die Gründe, die die meisten Väter vor einer Elternzeit zurückschrecken lässt. Während in Portugal, Belgien, Norwegen und Kanada 80 bis über 90 Prozent der Hochschulabsolventinnen und Handwerksmeisterinnen mit Kindern unter sechs Jahren arbeiten, sind es in Deutschland gerade 62 Prozent, fand das Institut für Wirtschaft (Köln) heraus. Firmen müssten gezielter auf die Bedürfnisse von Müttern und Vätern eingehen, fordert Heike Maria Linhart, Geschäftsführerin von "KiDie", einem Hamburger Dienstleistungsunternehmen für Kinder und Familie. Mehr als zwei Drittel der Väter würden gern mehr Zeit für die Erziehung ihrer Kinder haben, fürchteten aber berufliche Nachteile. Väter in der Zwickmühle. Oft zerreißen sie sich zwischen Job und Zuhause. Work-Life-Balance wird dieser Spagat Neudeutsch genannt, die Balance zwischen Arbeit und Privatleben. 77 Prozent der Väter glauben, dass die Familie einen positiven Einfluss auf ihre berufliche Leistung hat, heißt es in einer Umfrage des Projektes "Väter und Karriere". Andererseits sagen 71 Prozent, dass sie im Konflikt zwischen Karriere und Erwartungen der Familie stehen. Und 90 Prozent der Väter kennen das Gefühl der Überforderung durch die Ansprüche, die von Seiten der Betriebeund der Familie an sie gerichtet werden. Meist versuchen die Papas, am Wochenende möglichst viel mit den Kindern zu machen. Das führt oft zu Freizeitstress. Frustrationen auf beiden Seiten bleiben nicht aus.