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Viele Kulturen, ein Hobby

Viele Kulturen, ein Hobby

Das schnelle, aus der Hüfte geschossene Foto ist es nicht, was die Mitglieder der Foto-Gruppe "...com entusiasmo" reizt, auf den Auslöser ihrer Foto-Apparate zu drücken. Die ambitionierten Fotokünstler orientieren sich an künstlerischen und fotohandwerklichen Aufgaben, aus denen sie Gesamt-Kunstwerke formen.

Trier. Die neun Mitglieder der Foto-Gruppe "...com entusiasmo" sind alleine schon wegen ihrer unterschiedlichen Nationalitäten und Kulturen eine bunt zusammengewürfelte Truppe. Trotz aller Verschiedenartigkeit verbindet sie aber eine Sache wie ein unsichtbares Band: die Liebe zur Fotografie. Der Name "...com entusiasmo", der aus dem Portugiesischen kommt, ist dabei Programm: "Enthusiasmus" leitet und begleitet die Fotokünstler auf ihren Streifzügen, gibt ihnen Inspiration und Anstoß, sich intensiv mit dem jeweils "selbstgestellten" Thema auseinanderzusetzen. Wandel und Veränderung eines Tages im Bild

Größtes Gemeinschafts-Projekt der noch jungen Truppe, die 2005 gegründet wurde, war "24 Stunden — Ein Tag". Die Werkschau in der Trierer Tufa stieß beim Publikum auf beachtliche Resonanz. "Uns ging es darum, in jeweils 24 Fotos festzuhalten, wieviel Wandel und Veränderung ein Tag bedeutet", erläutert Philippe Vincent. Vincent ist Franzose, hält sich aber seit vielen Jahren dauerhaft in Deutschland auf. Es ist schon eindrucksvoll, mit welchen unterschiedlichen Sichtweisen und Wahrnehmungen die profilierten Fotografinnen und Fotografen das Thema beackert haben. Eine entscheidende Rolle dürften dabei die Herkunft und die unterschiedlichen Kulturen der Mitglieder gespielt haben. Yuriko Knieling-Kinoshita vertritt dabei die japanische Kultur. Die anderen Mitglieder haben europäische Wurzeln. Patricia da Silva Weber hat sich den Lauf ihrer Füße als Bildmotiv ausgesucht. Szenen des Alltags haben die Fotografen teils auf großflächiges Papier gebannt. Dazu gehören zum Beispiel banale Situationen und Gegebenheiten, die vielfach in der Hektik des Tages nicht (mehr) wahrgenommen werden, sich mit anderen Augen betrachtet aber als lohnendes Motiv erweisen — auch, weil sie Gefühle oder Stimmungen assoziieren. So ergibt es sich von selbst, dass keine 08/15-Fotos entstanden sind. Philippe Vincent zeigt 24 mögliche Augenblicke des Tages, die auch 24 Visionen, Gedanken und Gefühle sein können. "Lebendig gemacht" hat er sein Werk durch eine tickende Wanduhr, um die sich seine Fotos ranken. Und er ergänzt: "Zeit ist Leben, Lebenszeit." Nichts überlassen die engagierten Fotokünstler bei ihrem Umgang mit dem Fotoapparat dem Zufall. Dieser spielte nur einmal eine nicht unerhebliche Rolle: Als die neun Leute zueinanderfanden und daraus eine Fotogruppe entstanden ist.Lieber analog als digital fotografieren

Technisch schwören sie überwiegend auf analoge Kameras, und auch die Arbeit im Fotolabor macht jeder für sich, um dem Foto das letzte I-Tüpfelchen zu geben. "Analog fotografieren macht einfach mehr Spaß", lautet die vorherrschende Meinung in der Gruppe, obgleich man der digitalen Fotografie nicht völlig abschwöre, weil diese ungeahnte Möglichkeiten der Bildbearbeitung biete. Johannes Oberdorf, der die Gründung der Gruppe mitinitiiert hat: "Alles geschieht vor dem Druck auf den Auslöser — und alles danach."