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Viele viel zu enge Schuhe

Viele viel zu enge Schuhe

TRIER. (katö) Eingepferchte Kinderfüße, Blasen und Schwielen an den kleinen Tretern - offenbar kein Einzelfall in Deutschland. Erschreckend, aber wahr: Bis zu 50 Prozent deutscher Kinderfüße stecken in Schuhen, die zu klein sind.

Auch Trier erreicht genau diese Marke in einem Test, mit dem der Schuhproduzent Reno deutschlandweit unter dem Motto "Große Hilfe für kleine Füße" den Kindern auf die Schuhe schaute. Die Überprüfung der Füße im Kindergarten St. Maternus und in einer Filiale des Unternehmens führte zu dem drastischen Ergebnis, das jedoch nicht außergewöhnlich zu sein scheint.Kleinkinder spüren oft keine Schmerzen

"Es ist erschreckend, wie viele Kinder in unpassendem Schuhwerk stecken", findet Anja Frers, Pressesprecherin des Schuhkonzerns. "Darum haben wir unter fachlicher Betreuung der Universitätsklinik Mannheim diese Initiative ins Leben gerufen." Aufgrund des Erfolges sei für September dieses Jahres eine Neuauflage der Aktion geplant. Wenn die Kinder nicht klagen, kann das Problem so groß nicht sein? In diesem Fall leider eine Fehleinschätzung. Die Kleinen spüren noch nicht, wenn der Schuh drückt. In der frühen Kindheit ist der Fuß noch nicht verknöchert, sondern knorpelig und formbar und passt somit auch in zu kleine Schuhe. Dazu kommt, dass das frühkindliche Nervensystem noch nicht derart differenziert entwickelt ist. Deswegen empfinden die Kinder oft keinen Schmerz, wenn ihre Füße eingezwängt werden. In guten Schuhgeschäften ist es mittlerweile üblich, die kleinen Füße zu vermessen und so sicher zu stellen, dass sie nicht eingequetscht werden. Drei unterschiedliche Weiten, die es zumindest bei hochwertigen Schuhen gibt, ermöglichen es den Eltern zusätzlich, die richtige Fußbekleidung zu finden.Gefahr von Fußfehlformen

Wie wichtig das ist, weiß der Trierer Orthopäde Jochen Vogel: "Die Schäden für später setzt man in der Kindheit." Drastische Schäden von zu kleinen Schuhen tragen die Kinder seiner Erfahrung nach jedoch eher selten davon. "Allerdings können langfristig Fußfehlformen entstehen." Einzelne Jugendliche würden in der Sprechstunde über Knieschmerzen klagen, die möglicherweise auf zu enges Schuhwerk in der Kindheit zurückzuführen seien. Alleinige Ursache sei das jedoch nur in den seltensten Fällen. Besonders sei bei kleinen Kindern auf das Schuhwerk zu achten - bei Schulkindern löst sich das Problem von selbst, da diese die Schmerzen empfinden und artikulieren können.