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Wärme in einem richtigen Zuhause

Wärme in einem richtigen Zuhause

DAUN. Eine Ergänzung im Spektrum der Erziehungshilfen für Kinder sind die sozialpädagogischen Pflegestellen im Privathaushalt. Eine unabhängige Vermittlungs- und Betreuungseinrichtung - in Zusammenarbeit mit den Jugendämtern - ist die Jugendhilfestation Daun.

Claudia (Name geändert) ist acht Jahre alt und besucht das zweite Schuljahr. Sie wohnt in einer Kleinstadt in der Eifel. Ihre Mutter ist allein erziehend, schafft es aber nicht mehr. Die junge Frau möchte es besser machen als ihre Eltern früher. Aber sie fühlt sich leer. Sie hat Angst. Die ertränkt sie im Alkohol. Nimmt Tabletten. Geht jeden Abend weg. Morgens kommt sie nicht aus dem Bett. Muss sie auch nicht, denkt sie. Denn sie hat keine Arbeit. Aber da ist Claudia. Und der Haushalt der Drei-Zimmer-Sozialwohnung. Claudia bringt oft Sachen mit heim, für die kein Geld da ist. Sie liebt ihre Mutter. Claudia klaut. Bananen. Stifte. Hefte. Keiner merkt es. Sie ist allein. In einem richtigen Zuhause zu leben, wünscht sie sich insgeheim. Nachts, wenn sie nicht schlafen kann. In der Schule fällt sie auf. Den Lernstoff der zweiten Klasse schafft sie gerade noch so. Claudia könnte es besser machen. Aber sie weint oft. Sie ist müde und hat Angst. Hat niemanden, mit dem sie reden kann. Glaubt sie. Aber da gibt es die einfühlsame Lehrerin. Sie hat eine besondere Antenne für ihre Kinder. Sie ist da hineingewachsen in mehr als 25 Jahren Schuldienst, hat gute Erfahrungen mit dem Jugendamt gemacht. Die Chance für Claudia.Vertrauensperson stellt Kontakt her

Die Lehrerin gewinnt Claudias Vertrauen. Claudia erfährt ihre Wertschätzung. Ganz langsam beginnt sie zu erzählen: von Zuhause, von ihrer Mutter und ihrem Papa, der sie vor drei Jahren verlassen hat. Claudia zerbricht fast daran - wie ihre Mutter. Die Lehrerin spricht mit dem Rektor. Sie informieren das Jugendamt. Termin bei der Behörde: Im Gespräch mit Claudia und ihrer Mutter wird klar, dass akuter Handlungsbedarf besteht. Ambulante Hilfen zur Erziehung werden sofort als unzureichend ausgeschlossen. In sozialpädagogischen Pflegestellen dagegen erfahren Kinder wie Claudia, die sozial gefährdet und vernachlässigt sind oder in ihrer Entwicklung bereits Beeinträchtigungen erlitten haben, professionelle erzieherische Hilfe durch eine fachlich versierte Pflegeperson - verbunden mit Nestwärme im privaten familiären Lebensumfeld, in einem "richtigen" Zuhause. Claudias gibt es viele. Bewerber für sozialpädagogische Pflegestellen werden daher laufend gesucht. Grundlage ist die Kompetenz der Pflegeperson durch eine pädagogische Ausbildung. "Bewerben können sich Ehepaare, Paare, aber auch Einzelpersonen mit oder ohne eigene Kinder. Auch das Alter spielt nur bedingt eine Rolle", sagt Sozialpädagogin Verena Fischer und betont den Vorteil, dass Mütter oder Väter in ihrem privaten Umfeld Beruf und Familie kombinieren können. Die Jugendhilfestation Daun (Träger: Ökumenischer Erziehungshilfeverbund gGmbH mit Geschäftstelle in Bitburg) ist eine unabhängige Vermittlungseinrichtung zwischen den Jugendämtern und den sozialpädagogischen Pflegestellen. Eine systematische fachliche Betreuung der Pflegefamilien durch die Jugendhilfestation ist nicht nur während der sorgfältigen Vermittlung und dersensiblen Eingewöhnungsphase eines Pflegekindes gewährleistet, sondern darüber hinaus während des gesamten Pflegeprozesses. Diese Unterstützung schätzen die Pflegeeltern sehr: "Man steht nicht alleine da."Ein Schritt, zwei Chancen

Bis eine Entscheidung für die Aufnahme eines Pflegekindes in die eigenen vier Wänden fällt, braucht es Zeit, in der schon mal ein Stück des neuen Weges zurückgelegt wird. Der erste Schritt zum Telefon bietet zwei Chancen: eine Chance für neue Lebenseinstellungen und Perspektiven der eigenen Person und Familie. Und die andere Chance - vielleicht für Claudia? Oder für Enrico. Oder für Sabrina. Oder… Ansprechpartnerin Sozialpädagogische Pflegestellen: Verena Fischer, Telefon 06592/981596 oder E-Mail jhs.daun@jugendhilfestationen.de