| 21:37 Uhr

Wenn der Tod unsterblich macht

Prominente leben auf der Überholspur und sterben oft jung auf eben dieser. Drogen und Jetset fordern ihren Tribut. Andere wiederum fallen tragischen Unfällen zum Opfer. Von unserem Redaktionsmitglied Manuel Kölker

Trier. "Nur die Besten sterben jung" - das ist mehr als ein bloßer Spruch, eine bloße Liedzeile der Böhsen Onkelz. "Nur die Besten sterben jung" ist einer Studie zufolge in den neuen Bundesländern die am häufigsten in Todesanzeigen von jungen Menschen zu lesende Textzeile. Die Hardrock-Band aus Hösbach widmete den Song ihrem Freund Andreas Trimborn. 23 Jahre alt war dieser, als er in Frankfurt erstochen wurde. Als die Onkelz auf ihrem Abschiedskonzert 2005 am Lausitzring das Lied spielten, zeigten Video-Leinwände Jimi Hendrix, Che Guevara, Sid Vicious und viele andere, jung gestorbene Persönlichkeiten. Hendrix und Vicious pflegten einen Lebensstil getreu dem Motto "Live fast, die young" - Lebe schnell, sterbe jung. Drogen und Alkohol versüßten das Leben - und forderten fast immer ihren Tribut. Die einen starben durch Überdosen, andere an körperlichen Gebrechen. Am Ruhm zerbrochen

Oft im gleichen Atemzug werden Marylin Monroe, Kurt Cobain (Nirvana) oder Michael Hutchence (INXS) genannt. Drogen, Medikamente und Alkohol trieben sie in den Selbstmord. Andere zerbrachen an ihrem Ruhm oder daran, dass dieser irgendwann dem Ende entgegen ging. Wie sagte schon David Bowie: "We can be heroes just for one day" - nur für einen Tag sind wir Helden.Ruhm und Erfolg bergen aber auch andere Gefahren: So starben in den frühen 90er Jahren die Rapper Tupac Shakur und Notorious BIG - beide erst Mitte 20 - im Bandenkrieg. Und auch das frühe Ableben von Diana Spencer (Autounfall, verursacht durch Paparazzi) und John Lennon (von einem Fan erschossen) zeigt, dass Persönlichkeiten oft einer öffentlichen Gefahr ausgesetzt sind. Aber es gibt auch Schicksalsschläge, die "Normalsterblichen" passieren können. Jenes Flugzeugunglück am 6. Februar 1958, welches in München 23 Menschleben forderte, schockte ganz England. Denn unter den Getöteten befanden sich auch acht Fußball-Spieler von Manchester United, den sogenannten Busby Babes, die damals den besten Fußball Englands spielten und auch als große nationale Hoffnung galten. Nicht weniger tragisch war der Absturz am 3. Februar 1959, der unter dem Namen "The Day the Music Died" bekanntwurde. Ritchie Valens (17), Buddy Holly (22) und Big Bopper (28) fanden den Tod. Was viele der "jungen Gefallenen" gemein haben, ist ihr posthumer Ruhm. Sie faszinieren die Menschen, lassen sie nicht in Ruhe. Mythen und Verschwörungstheorien, aber auch der Nachlass fördern die Karriere bisweilen noch Jahrzehnte nach dem Ableben. Und plötzlich werden Werke in einem anderem Licht gesehen: Die Filme von River Phoenix scheinen nun einen weit tieferen Sinn, als noch zuvor, zu haben. Der depressive Heath Ledger als trauriger Cowboy in "Brokeback Mountain" wirkt noch realistischer. Joy Division-Frontmann Ian Curtis erhängte sich aufgrund privater Probleme und seiner Epilepsie - und hatte dies schon im Vorfeld in seinen Liedern angekündigt. Nur erkannt hatte es da noch keiner. Und Falco fragte schon vor seinem Unfalltod: "Muss ich denn sterben, um zu leben?"Ein erstaunliches Mysterium ist der "Klub 27", zu dem in Kürze ein Buch erscheint. Die 27 steht für das Alter von gestorbenen Musikern. Blues-Musiker Robert Johnson gilt als Gründer, es folgten Rolling-Stones-Mitbegründer Brian Jones, Hendrix, Janis Joplin, Jim Morison und Cobain. Noch heute gibt es Musiker, die dem Alter 27 eine gewisse Bedeutung zurechnen. Extra Verstorben 1938: Robert Johnson (Musiker, 27, Syphilis-Erkrankung); 1955: James Dean (Schauspieler, 24, Autounfall); 1958: Busby Babes (Fußballspieler von Manchester United, Flugzeugunglück); 1959: Ritchie Valens (Musiker, 17), Buddy Holly (Musiker, 22), Big Bopper (Musiker, 28, alle Flugzeugabsturz); 1962: Marilyn Monroe (Schauspielerin, 36, Überdosis Schlaftabletten); 1966: Johnny Kidd (Musiker, 27, Autounfall); 1967: Che Guevera (Revolutionär, 39, erschossen); 1969: Brian Jones (Musiker: Rolling Stones, 27, ertrunken); 1970: Janis Joplin (Musikerin, 27, Überdosis Heroin und Alkohol), Jimi Hendrix (Musiker, 27, erstickt); 1971: Jim Morrison (Musiker: The Doors, 27, Herzversagen); 1973: Ron McKernan (Musiker: Grateful Dead, 27, Magenblutungen); 1974: Nick Drake (Musiker, 26, Überdosis Antidepressiva); 1975: Pete Ham (Musiker: Badfinger, 27, Selbstmord: erhängt); 1979: Sid Vicious (Musiker: Sex Pistols, 21, Überdosis Heroin); 1980: Ian Curtis (Musiker: Joy Division, 24, Selbstmord: erhängt), Bon Scott (Musiker: AC/DC, 33, erstickt), Sven Simon (Journalist, 38, Selbstmord: erschossen), John Lennon (Musiker: Beatles, 40, erschossen); 1985: Stefan Bellof (Autorennfahrer, 27, Autounfall); 1986: Cliff Burton (Musiker: Metallica, Autounfall) 1988: Hillel Slovak (Musiker: Red Hot Chili Peppers, Überdosis Heroin); 1991: Maurice Banach (Fußballspieler, 24, Autounfall); 1993: Brandon Lee (Schauspieler, 28, Schießunfall), River Phoenix (Schauspieler, 23, Überdosis Heroin); 1994: Ayrton Senna (Autorennfahrer, 34, Autounfall), Kurt Cobain (Musiker: Nirvana, 27, Selbstmord: erschossen), Kirsten Pfaff (Musikerin: Hole, 27, Überdosis Heroin); 1996: Tupac Shakur (Musiker, 25, erschossen); 1997: Michael Hutchence (Musiker: INXS, 37, Selbstmord: erhängt), Notorious BIG (Musiker, 24, erschossen), Lady Di (Prinzessin, 36, Autounfall); 1998: Falco (Musiker, 40, Autounfall); 2000: Lolo Ferrari (Schauspielerin, 29, Todesursache unbekannt); 2001: Aaliyah (Schauspielerin, 22, Flugzeugabsturz); 2002: Layne Staley (Musiker: Alice in Chains, 34, Überdosis Heroin); 2004: Marco Pantani (Radsportler, 34, Überdosis Kokain); 2007: Anna Nicole Smith (Model, 39, Überdosis Medikamente); 2008: Heath Ledger (Schauspieler, 28, Überdosis Tabletten), Brad Renfro (Schauspieler, 25, Überdosis Heroin)