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Wenn die Last zu sehr drückt

Wenn die Last zu sehr drückt

KONZ. Ist der Ranzen zu schwer oder ist er es nicht? Diese Fragen versuchen der Schulelternbeirat und die Lehrer des Gymnasiums Konz mit Hilfe einer Ranzen-Wiegeaktion zu beantworten.

Wer kennt dieses Bild nicht? Erschöpft kommen Sohn, Tochter, Bruder, Schwester, Enkel oder Enkelin von der Schule nach Hause. Unter großem Stöhnen wird sich erst einmal der schier unerträglichen Last des Schulranzens entledigt. Mitleidig schauen die Erwachsenen dem Nachwuchs dabei zu. Sätze wie "Du hast heute aber wieder einen schweren Ranzen", "Musst du wirklich alle Bücher mitnehmen? Das kannst du doch gar nicht tragen" oder "Dir wird ganz schön was zugemutet", sind dann keine Seltenheit. Auch einigen Eltern der Schüler am Konzer Gymnasium erschien die Last, die ihre Kinder täglich zur und von der Schule transportieren, zu viel. Sie sprachen daraufhin Kerstin Röhlich-Pause, Sprecherin des Schulelternbeirats, an. Elternbeirat initiierte das Wiegen der Ranzen

Die Kinderärztin initiierte gemeinsam mit dem Beirat eine Wiege-Aktion der Schulranzen an der Konzer Schule, um herauszufinden, ob die Bürde der Schüler wirklich zu groß ist. Am Freitagmorgen traf sich Kerstin Röhlich-Pause mit den Biologie-Lehrern Christa Adrian und Barbara Dietze, einigen Eltern und dem Orthopäden Andreas Schwindling, um dem Gewicht der Ranzen auf den Grund zu gehen. In fünf Gruppen testeten sie die Ranzen. Die Ergebnisse wurden in einer Tabelle notiert, wo unter anderem Gewicht der Ranzen und Kinder sowie das Alter der Ranzen festgehalten wurden. "Ungefähr 30 Prozent der Kinder klagen, dass ihr Schulranzen zu schwer ist", resümiert Kerstin Röhlich-Pause. "In der Regel gilt, dass das Gewicht des Schulranzens nicht mehr als zehn bis 15 Prozent des Körpergewichts betragen darf", erläutert Andreas Schwindling. "Allerdings gibt es zu diesem Thema kaum Studien oder Vergleiche, so dass es schwer ist, genaueres zu sagen", fügt der Mediziner hinzu. Bei längerer, zu starker Belastung durch Ranzen können bei den Kinder Haltungsschäden auftreten. Zudem kann es später zu Sekundärschäden an der Wirbelsäule kommen. "Drei Mädchen aus der Klasse meiner Tochter, die im fünften Schuljahre sind, haben vor den Weihnachtsferien über starke Rückenschmerzen geklagt", erzählt Cornelia Walterdesch von ihren Erfahrungen. Die Wiege-Aktion in der Schule brachte jedoch keine Bestätigung für die These von zu schweren Schulranzen: Bis auf einige Ausreißer waren die meisten gewogenen Schultaschen der 131 Kinder aus der Unter- und Mittelstufe innerhalb der vorgegeben zehn bis 15 Prozent. Insgesamt sind dies knapp 67 Prozent. Nimmt man jedoch einen Grenzwert für das Schulranzen-Gewicht von zwölf Prozent des Körpergewichts, war die Last bei knapp 60 Prozent der Kinder zu groß. Ein Mädchen, das nur 30 Kilo wog, hatte zum Beispiel einen Ranzen, der knapp neun Kilo schwer war. "Das sind fast 30 Prozent, das ist natürlich viel zu schwer", urteilte Andreas Schwindling. Der schwerste Ranzen von allen Schülern wog 9,5 Kilo. Atlanten können in der Schule bleiben

"Die Kinder können schwere Bücher wie Bibeln oder Atlanten allerdings auch bei uns in der Schule im Spint verstauen", erläutert Franz-Josef Nospers, Direktor des Konzer Gymnasiums. "Das macht den Ranzen schon etwas leichter." Auf der nächste Schulelternbeirats-Sitzung wird Andreas Schwindling zu dem Thema Schulranzen gegenüber den Eltern Stellung nehmen und ihnen die Ergebnisse präsentieren sowie ein Einblick in das Thema geben. "Wir werden die Thematik auch in Zukunft verfolgen und gegebenenfalls noch einmal prüfen, ob es heute nur eine Ausnahme war, dass viele der gewogenen Ranzen den Anforderungen entsprachen, oder ob die Schulranzen nicht doch zu schwer sind", war das Wiegen für Kerstin Röhlich-Pause keine Einzelaktion.