"Wenn dieser Scheiß-Satz nicht wäre"

KONZ. Der Ernstfall für Lehrer Thomas Rendenbach und die 23 Schüler der neu gegründeten Klasse 7d an der Hauptschule Konz: Zum ersten Mal gibt es Zeugnisse. Die Ergebnisse stellen nicht alle zufrieden.

 Daumen rauf oder Daumen runter? Jens, Kim, Michael & Co. mit ihren Zeugnissen.Foto: Hans Krämer

Daumen rauf oder Daumen runter? Jens, Kim, Michael & Co. mit ihren Zeugnissen.Foto: Hans Krämer

Noch eine Stunde bis zur Ausgabe der Halbjahreszeugnisse, und die 7d brummt wie ein Bienenschwarm. Nervosität angesichts der Notenflut, die bald auf die 13-Jährigen hereinprasselt? "Quatsch", antworten die Schüler im Brustton der Überzeugung, "wir sehen das total cool".Dennoch fällt es schwer, sich auf die Deutschstunde zu konzentrieren. Lehrer Rendenbach behandelt gerade den Film "Der Club der toten Dichter". Auf einige Schüler, vor allem Jungs, hat der Streifen um ein strenges Internat und einen unkonventionellen Pauker offenbar mächtig Eindruck gemacht.Sie beteiligen sich eifrig, als Rendenbach nach Begriffen fragt, die im Film eine große Rolle spielen: "Ehre, Tradition, Disziplin ... und noch irgendwat", sagt Niklas. "Leistung" ist der Begriff, an den er sich nicht mehr so recht erinnern kann.Gerade als Meikel versucht, die "Disziplin" zu erklären, nimmt das Getöse in der Mädchenecke zu. Am Zeugnistag hat der Lehrer allen erlaubt, sich umzusetzen ­ prompt saßen die jungen Damen gemeinsam an einem Tisch. Da fällt es schwer, Disziplin zu halten, und so müssen alle für die Zeugnisausgabe wieder an den angestammten Platz zurück.Einen Teil der Spannung hat Thomas Rendenbach seinen Schülern erspart: Sie kennen die Grundtendenz der teuflischen Urkunde, die er nach alphabetischer Ordnung an jeden verteilt. Einer nach dem anderen marschiert nach vorn, bekommt leise Anmerkungen, mal mahnender, mal begütigender, mal aufmunternder Natur.Die meisten haben Klarsichthüllen mitgebracht, die in der Wartezeit auch schon mal als Kopfbedeckung genutzt werden. Manche nehmen die Sache gleichmütig. "Ein Glück, dass meine Mutter erst um Vier nach Hause kommt", sagt einer, dessen Blatt viele Fünfen zieren. Aber es klingt nicht nach ernsthafter Panik.Gutes Zeugnis zur Mama, schlechtes zum Papa

Die meisten wissen, wie man ein Zeugnis taktisch klug "verkauft": "Mit einem guten Zeugnis gehe ich zu meiner Mutter, mit einem schlechten zu meinem Vater", meint Nadine. "Bei mir ist es umgekehrt", ruft einer der vier Patricks dazwischen.Ausgerechnet einer der Coolsten aus der Klasse wirkt ziemlich desolat. "Wenn dieser Scheiß-Satz nicht wäre", schimpft er und knallt die Zeugnis-Mappe auf seinen Tisch. "Dieser Scheiß-Satz" ist der Hinweis, dass die Versetzung akut gefährdet ist. Es sind etliche aus der Klasse, die mit dieser Hiobsbotschaft nach Hause gehen. "Dabei kann ich die Fünfen doch ausgleichen" ­ so wird schon mal das Standard-Argument geprobt.Wer mit seinem Zeugnis zufrieden ist, lässt es gleich durch die Reihen wandern. Michael plädiert sogar dafür, die Durchschnittsnoten aller Zeugnisse öffentlich vorzulesen. "Das willst du nur, weil du der Beste bist", kommt Protest aus den hinteren Reihen. Lehrer Rendenbach lächelt ob des Ansinnens nur mild.Für einige dürfte sich das Zeugnis lohnen. Bei manchen, wie Jens oder Miriam, gibt oder gab es sogar ein ausgeklügeltes Prämiensystem: Für Einsen, Zweien und Dreien winken Euros, für Vieren, Fünfen oder Sechsen gibt es wiederum Abzüge. Hoffentlich wird ein Geschäft draus.Ob denn die Zeugnisse gerecht seien? Die Antwort auf diese Frage richtet sich naturgemäß ein Stück weit nach dem Ergebnis. Aber die meisten teilen Miriams Ansicht: "Für sein Zeugnis ist man selbst verantwortlich." Doch der Wunsch, die Schüler dürften auch mal dem Lehrer ein Zeugnis ausstellen, findet Zustimmung aus vielen Kehlen.Jetzt heißt es erstmal, das Zeugnis zu verarbeiten und daheim anzutreten. Für manchen ein ziemlich schwerer Gang.Heute veranstaltet die Hauptschule Konz von 9 bis 13 Uhr einen Tag der offenen Tür. Auch die Schüler der 7d sind dabei.