"Wir sind friedliche Westfalen"

"Wir sind friedliche Westfalen"

TRIER. Die Punk-Rocker "Donots" aus dem westfälischen Ibbenbüren gastieren heute Abend im Trierer Exhaus. In seiner 13-jährigen Bandkarriere hat das Quintett bereits an die 1000 Konzerte gespielt. Der TV sprach mit Sänger Ingo Knollmann über das Leben als Musiker, berufliche Alternativen, Fleischfreiheit und was die Trierer Fans beim musikalischen Stelldichein der Fünf im Trierer "Exil" erwartet.

Ein Wortspiel zum Anfang: euer Bandname "Donots" bedeutet "Taugenichtse". "Do nots" sind Dinge, die man nicht tun sollte. Zum Beispiel?Ingo Knollmann: Im Grunde sind wir eigentlich schon um einiges offener und produktiver, als unser Bandname vermuten ließe. Mehr noch: In den letzten 13 Bandjahren sind wir eigentlich immer mehr mit unserer Aufgabe gewachsen und verschließen uns eigentlich erstmal vor nichts. Solange wir es auf unsere Art und Weise machen können, sind wir für das Meiste offen. Das schließt allerdings jegliche Dinge aus, die anderen Lebewesen schaden könnten: Jegliche Diskriminierungen, jegliche kriegerischen Handlungen, jegliche Unterdrückung etc. Wir sind friedliche Westfalen! Beschreib' euch doch mal als Band. Ingo: Wir sind in erster Linie Freunde und nicht einfach nur eine Band - pflegeleichte, umgängliche Menschen, die Lust auf Musik, Reisen und Freigetränke haben, und als Einzige unseren schlechten Humor verstehen. Ihr habt in den 13 Jahren eurer Bandgeschichte viel erreicht: Worauf seid Ihr besonders stolz? Ingo: Wir hatten schon das Vergnügen, mit unzähligen tollen Bands auf einer Bühne zu stehen und werden für das, was wir am liebsten machen, auch noch bezahlt. Ich hoffe, wir wachen erst in ferner Zukunft auf (und dann aber irgendwo in einem Straßengraben mit einem derben Kater). Gibt's vielleicht ein Konzert, das euch besonders in Erinnerung geblieben ist? Ingo: Eigentlich können wir uns an so gut wie jedes Konzert unserer Bandgeschichte erinnern, und irgendwie ist dann jede Show aus einem gewissen Grund speziell gewesen. Natürlich ist die erste Show in Tokio oder New York nochmal etwas Besonderes, aber wir erinnern uns ehrlich an jedes Konzert gerne - egal ob sieben oder 70 000 Menschen vor der Bühne stehen. Hätte es als Musiker nicht geklappt, wo wärt ihr jetzt?Ingo: Für "9 to 5 Jobs" hätten wir alle zu wenig Sitzfleisch und zuviel Dachschaden. Naja, zumindest aus Alex und Eike wäre was Anständiges geworden, die haben ein BWL- beziehungsweise ein Ergotherapie-Diplom in der Tasche. Guido, Purgen (Bassist Jan-Dirk) und ich wären bestimmt Medikamententester oder sowas geworden. Gut für euch, dass ihr mit der Band Erfolg habt. Doch wie sieht so ein Tag auf Tour aus? Ingo: Wir kommen am Club an, laden aus, haben Soundcheck, ein paar Interviews. Dazwischen gibt es die "Falschgeldphase", die man mit Sightseeing, Bravo-Kreuzworträtseln oder Klowandbekritzeln rumkriegt. Und bevor wir auf die Bühne gehen, schwören wir in einem recht wirren Ritual auf unseren bandeigenen Schutzpatron und Gott, den "Mighty Knusperfelix". Der Rest ist Krach, Schweiß, Getränke und Getragene-Socken-Wegwerfen. Und das Catering? Vier von euch sind ja Vegetarier. Ingo: Vegetarische Vielfalt - am besten ein riesengroßer Gemüsegarten, über den wir wie eine biblische Plage hinwegfegen dürfen. Ist eure Fleischfreiheit Einstellungssache oder Ekel vor totem Tier?Ingo: Eine Mischung aus ethischen, gesundheitlichen und geschmacklichen Gründen. Wir haben ein Herz für Tiere, zwingen aber auch niemanden zum Vegetarismus. Und wie entspannt ihr euch? Ingo: Wir treiben alle ein wenig Sport - Jogging, ein bisschen Fitnessbude und so. Eike ist mittlerweile sogar angehender Marathonsportler und kann auf dem Gebiet schon die eine oder andere respektable Platzierung vorweisen. Aber der gemeine Ibbtown Rocker ist natürlich auch ein passionierter Urlauber. Im vergangenen Jahr war die komplette Band für einen Kurzurlaub am Gardasee in Italien. Wenden wir uns mal eurem Auftritt in Trier zu, wo ihr ja schon öfters aufgetreten seid. Ingo: Wir haben schon so einige Shows in und um Trier gespielt. Auch im Exhaus waren wir schon. Wir lieben das Publikum in der Ecke. Sehr enthusiastische, nette Menschen, die sogar noch besser aussehen als ihre Stadt, hah! Das "Exil", in dem ihr auftretet, fasst schätzungsweise 500 Menschen. Bevorzugt ihr Gigs in kleinerem Rahmen?Ingo: Wenn du die Hauptbühne bei "Rock am Ring" oder so spielst, dann ist das natürlich wahnsinnig beeindruckend, wenn du bis zum Horizont nur Menschen siehst. Klubshows sind natürlich um ein Vielfaches intimer. Wir lieben es, wenn Energien hin- und herfließen. Von daher freuen wir uns auf das "Exil", vorausgesetzt, Guido hat zur Abwechslung mal vorher seine Bühnenklamotten gewaschen, denn der Geruch ist ebenso intensiv! Worauf dürfen sich eure Fans aus Trier und Umland heute Abend freuen?Ingo: Eine energetische Show mit viel verbrauchter Körperflüssigkeit, einen Querschnitt aus alten Alben, vielleicht schon mal einen neuen Song von der kommenden Platte und ein paar Live-Überraschungen. Wir freuen uns auf hoffentlich viele alte und neue Freunde aus Trier und Umgebung. Und bitte Tanzschuhe mitbringen. S Das Interview führte TV-Redaktionsmitglied Anita Schack.

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