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"Wir sind unheimlich dankbar"

"Wir sind unheimlich dankbar"

TRIER. Im März ist im Volksfreund ein Artikel über Haitham Radman erschienen. Der Zwölfjährige aus dem Jemen leidet an der "Glasknochenkrankheit", die seine Knochen immer wieder brechen lässt. Er wird in der Kinderchirurgie des Mutterhauses behandelt. 82 Menschen haben in der Zwischenzeit für Haitham gespendet.

MancheMenschen brechen sich in ihrem Leben nicht einen einzigen Knochen- nicht einmal ihren kleinen Zeh. Andere haben mehr "Erfahrung":Sie haben durch einen Unfall die Schmerzen eines Arm- oderBeinbruchs erlebt. Haitham hat sich so viele Knochen gebrochen,dass er beim Zählen durcheinander kommen würde. Der schmale Junge leidet in den Beinen an der "Glasknochenkrankheit" (im Fachjargon: Osteogenesis). Durch die Erbkrankheit fehlen seinen Knochen wichtige Bausteine.

"Ein wohl erzogener junger Mann"

Im Februar haben ihn Ärzte der Organisation "Hammer Forum" nach Deutschland gebracht. Ein Kind pro Jahr landet auf diesem Wege in der Kinderchirurgie im Trierer Mutterhaus der Borromäerinnen - in Rheinland-Pfalz eine von nur zwei kinderchirurgische Einrichtungen. "Hammer Forum" bringt Kinder nach Deutschland, wenn in ihrer Heimat die medizinische Versorgung nicht ausreicht.

Als Haitham Radman den Trierer Kinderchirurgen seine Beine zeigte, boten sie einen Anblick, für den man gerüstet sein muss. Beide Unterschenkel bogen sich im rechten Winkel nach hinten. Es sah so aus, als hätte er in jedem Bein zwei Knie.

Eine Narbe auf Haithams Oberschenkel zeugt von einem chirurgischen Eingriff in seiner Heimat Jemen. Auf der Haut hat die Operation Spuren der Größe einer Wasserflasche hinterlassen. Die Ärzte hatten ihm eine Metall-Platte in den Oberschenkel gelegt. "Nicht fortschrittlich", sagt Dr. Naim Farhat, Assistenzarzt in der Kinderchirurgie im Mutterhaus. Der 33-Jährige ist auch Haithams Dolmetscher, Freund und seine Bezugsperson. Er selbst kommt aus dem Libanon.

Im Mutterhaus begradigten sie Haithams Unterschenkel, in dem sie elastische Nägel durch die Knochen schoben.

Für das rechte Bein brauchte Haitham noch eine Schiene, eine so genannte Orthese. Nach der Operation war nicht klar, wie und ob er sie bekommen könnte: Der Preis einer solchen Orthese liegt bei 2000 Euro.

Haitham hat nun eine Orthese - und mehr. Nach dem Bericht im TV am 20. März haben 82 Menschen gespendet. 3246 Euro sind zusammen gekommen. Die Beinschiene stiftete ihm die Trierer Firma Komed-Medical. "Er ist ein Lieber", sagt Armin Schickedanz, Leiter der Abteilung Orthopädie bei Komed. Und fügt hinzu: "Ein guter, wohlerzogener junger Mann." Das Angebot, die Orthese kostenlos herzustellen, machte auch der Orthopädietechnikermeister Peter Kühn. Er wollte in seiner Freizeit die Schiene bauen. "Wir sind unheimlich dankbar", sagt Dr. Rolf Gruber, Leiter der Kinderchirurgischen Abteilung. "Es ist überwältigend, dass so viele Menschen reagiert haben."

Haitham selbst kann nun endlich aufrecht stehen und "wird mobilisiert". "Seine Muskeln müssen sich jetzt neu organisieren", sagt Farhat.

"Er ist unser Schatz", sagt Gerlinde Hauer, die Stationsleitung. "Für uns ist er fast wie ein Sohn", bekräftigt Farhat, für den das wohl besonders gilt. Und Dr. Gruber sagt: "Haitham hat zu jedem ein persönliches Verhältnis." Trotz der vielen Freunde langweilt sich der Zwölfjährige. Ihm fehlt seine Familie. Eine Art der Ablenkung hat er schon gefunden: Er versucht, die Mitarbeiter der Station miteinander zu verkuppeln.

Wer für Haitham spenden möchte, kann einen Beitrag auf das Konto des Mutterhauses, Nummer 63008, Sparkasse Trier, Stichwort: Haitham, zahlen.