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"Wir stärken den Standort Kyllburg"

KYLLBURG. Inhaber Georg Zahnen hat die traditionsreiche Getreidemühle in Kyllburg an die Werhahn Mühlen KG in Neuss verkauft. Der Betrieb läuft wie gewohnt weiter. Für Lieferanten, Kunden und Mitarbeiter soll sich praktisch nichts ändern. ARRAY(0x352bbee90)

Seit Jahrhunderten liefern Landwirte ihr Getreide an die Kyllburger Mühle, die in der sechsten Generation als Familienbetrieb Zahnen geführt wird (siehe Extra). Mit täglich rund 100 Tonnen vermahlenem Getreide (Weizen, Roggen und Dinkel) und mehr als sechs Millionen Euro Jahresumsatz gehört die Firma zu den bundesweit 50 größten ihrer Art. "Vor dem Hintergrund der großen Tradition ist mir die über längere Zeit gereifte Entscheidung nicht leicht gefallen, den Betrieb zu verkaufen", sagt Geschäftsführer Georg Zahnen (37) im Gespräch mit dem TV. Doch durch den Konzentrationsprozess auf Kundenseite und den starken Wettbewerb in der Mühlenbranche könne sich der Einzelbetrieb langfristig nicht mehr so erfolgreich wie gewohnt etablieren. Die hochtechnisierten Abläufe und hohen Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit erforderten einen erheblichen Aufwand. "Wir sind sehr gut aufgestellt, haben einen guten Ruf in Sachen Technik, Qualität und Service. Den Betrieb langfristig auf dem besten Stand zu halten, wäre allein aber kaum möglich gewesen", erklärt Zahnen: "Deshalb habe ich bewusst frühzeitig und aus starker Position gehandelt."Projekt "Eifel-Ähre" wird fortgeführt

Seit dem 1. September ist Kyllburg einer von sieben Standorten der Werhahn Mühlen KG. Das Unternehmen ist bundesweit die Nummer zwei unter den großen Mühlenbetrieben. Zu den Betriebssparten der Holding gehören das Mühlengeschäft, das Back-Convenience-Geschäft (Produkte zur Vereinfachung des Backprozesses) sowie die Mehlmarken Diamant, Goldpulver, Ährenwert und Kathi. Im neuen Verbund sollen sich Synergie-Effekte besonders bei Forschung und Entwicklung, Beschaffung, Logistik und Qualitätssicherung ergeben. "Georg Zahnen ist ein erfolgreicher Müller mit gutem Konzept", lobt Fritz Schmidt, in der Geschäftsführung von Werhahn verantwortlich für das Mühlengeschäft. Vorbildlich sei das 1999 von Zahnen initiierte Projekt "Eifel-Ähre", bei dem Landwirte sich an strenge Anbaurichtlinien halten, die Mühle höhere Preise bezahlt und die Bäcker als Hauptrohstoff ausschließlich Eifel-Mehl verarbeiten (der TV berichtete). "Eifel-Ähre" werde fortgeführt. "Wir können von Herrn Zahnen lernen. Umgekehrt ist die Aufnahme in unseren Verbund für die langfristige Zukunftssicherung des Standorts von Bedeutung", sagt Schmidt: "Das ist eine gute Symbiose." Als Prokurist soll Zahnen die Mühle unter gleichem Namen weiterhin leiten. Die Kundenbetreuer im Innen- und Außendienst bleiben als Ansprechpartner bestehen. Alle Mitarbeiter werden übernommen, sofern sie dem zustimmen. Sie wurden am Montagabend in einer Versammlung über die neuen Besitzverhältnisse informiert. Abgesehen von einigen Mühlenbäckereien, die mit ihrem Mehl selbst backen, ist die Mühle Zahnen die einzige in der Eifel. Mehr als 250 Landwirte hauptsächlich aus den Kreisen Bitburg-Prüm, Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg und aus Luxemburg liefern das Getreide. Die Kunden der Mühle wiederum - Bäckereien in jeder Größenordnung - finden sich in einem Umkreis von 100 Kilometern um Kyllburg, also bis Köln, Koblenz und Luxemburg. "Durch die Entscheidung stärken wir den Standort Kyllburg", betont Georg Zahnen. "Durch die Zusammenarbeit und weitere Investitionen kann hier auch in weiterer Zukunft absolut wettbewerbsfähig produziert werden."