Zinsen nur bei Kriegsgewinn

Zinsen nur bei Kriegsgewinn

Kriege sind nicht nur grausam. Sie verschlingen auch riesige Geldsummen. Im Ersten Weltkrieg waren Anleihen beim Volk das Mittel der Wahl, um mit dem Versprechen auf gute Rendite das Privatkapital der Menschen zu nutzen.

Trier. Für sein Privatarchiv hat der Trierer Heimatforscher Adolf Welter zahlreiche Zeitdokumente gesammelt, geordnet und die Hintergründe dazu recherchiert. Eines seiner wertvollsten Stücke ist das Original einer fast 100 Jahre alten Kriegsanleihe. Was es mit diesem Dokument auf sich hat, erläutert der 80-Jährige in folgendem Text.

Zur Finanzierung der enormen Kosten des Ersten Weltkriegs hat die Reichsregierung insgesamt neun Kriegsanleihen ausgegeben, dafür aber auf Steuererhöhungen verzichtet. Während für die erste Anleihe 4,5 Milliarden Mark gezeichnet wurden, erbrachte die zweite bereits neun Milliarden und die dritte schließlich 12,1 Milliarden Mark. Damit war die Finanzierung des Winterfeldzugs 1915-1916 sichergestellt.
In Trier erbrachte die siebte Kriegsanleihe am 19. Oktober 1917 insgesamt 32 Millionen Mark. Jede Anleihe wurde damals als die letzte angekündigt.
Alle neun Kriegsanleihen zusammen ergaben die Gesamtsumme von 98 Milliarden Mark, womit 60 Prozent der deutschen Kriegskosten gedeckt werden konnten. Die Verzinsung war mit fünf Prozent angesetzt. Die Rückzahlungen sollten aus den Reparationszahlungen der besiegten Kriegsgegner erfolgen.
Viele Deutsche glaubten noch bis zuletzt an einen Sieg. Sie kämpften und arbeiteten daher auch, um ihre Geldanleihen und ihre Ersparnisse zu verteidigen.
Mit der Inflation von 1923 entledigte sich das Deutsche Reich seiner Zahlungsverpflichtungen, und Millionen Deutsche verloren ihre gesamten Ersparnisse.
Adolf Welter