Artgerechte Haltung: Neues Label an der Fleischtheke

Bonn (dpa) · Enge Ställe, Kunstlicht, stupides Dasein: Bei solchen Bildern aus der Massentierhaltung regt sich bei vielen Verbrauchern das Gewissen. Jetzt gibt es ein neues Tierschutz-Label für Fleisch. Es soll nicht nur gut fürs Gewissen sein, sondern auch für die Tiere.

 Ab 2013 soll das neue Label Verbrauchern anzeigen, welches Fleisch sie mit gutem Gewissen kaufen können. Foto: Angelika Warmuth

Ab 2013 soll das neue Label Verbrauchern anzeigen, welches Fleisch sie mit gutem Gewissen kaufen können. Foto: Angelika Warmuth

Verbraucher sollen künftig Fleisch mit einem neuen Label „Für mehr Tierschutz“ in Supermärkten finden. Angesichts abschreckender Bilder aus der Massentierhaltung soll das Siegel ein Signal sein, dass Verbraucher Schnitzel und Hühnerbeine mit Label besseren Gewissens kaufen können. Der Deutsche Tierschutzbund vergibt das blaue Siegel in einer einfachen Form vor allem an konventionelle Betriebe, die ihre Tiere deutlich artgerechter halten als gesetzlich vorgeschrieben. Das heißt, ihnen zum Beispiel mehr Platz geben oder sie nicht zu lange in Tiertransporter laden. Außerdem gibt es eine erweiterte Form, die für Bio-Produkte greift. Losgehen soll es 2013.

„Das Label ist nicht dazu da, Fleischkonsum anzuregen, sondern wir wollen den Konsum verschieben und auf Dauer sicher auch senken“, sagte Verbandspräsident Thomas Schröder am Dienstag (23. Oktober). Das erste zertifizierte Schweine- und Hühnerfleisch werde Anfang 2013 bundesweit in den Kühltheken liegen. Es werde wohl mehr als zehn Prozent teurer sein als konventionelles Fleisch. Die „Welt“ hatte zuvor schon über das Label berichtet.

Umfragen zeigten immer wieder, dass Verbraucher eine Tierschutzkennzeichnung wollten. Ein Großteil des Fleisches komme aus tierschutzwidriger Intensivhaltung. „Die Bundesregierung versagt auf diesem Gebiet komplett“, kritisierte Schröder.

Durch das Label werde die Situation der Tiere in der Haltung deutlich verbessert, hofft der Verband. „Das Tier hat mehr Platz, es hat mehr Beschäftigung im Stall“, sagte Schröder. Geflügeltiere hätten beispielsweise eine Sitzstange, Heu und Picksteine. Dadurch gebe es weniger Aggressivität. Auch das schmerzhafte Abschneiden von Schnäbeln werde es in zertifizierten Betrieben nicht mehr geben.

„Das ist ein ganz entscheidender Fortschritt im Tierschutz“, sagte Schröder. Die unbetäubte Kastration sei verboten. Die Tiere hätten für das Label in der sogenannten Einstiegsstufe etwa ein Drittel mehr Platz, als das Gesetz vorschreibe. Zudem gebe es eine zweite Stufe des Labels, eine „Premiumstufe“: Da hätten die Tiere bei den Produzenten auch Auslauf, erläuterte Schröder.

Bei Masthähnchen laufen nach Angaben des Tierschutzbundes die ersten Zertifizierungen beim Geflügelproduzenten Wiesenhof. Die Handelsketten Coop und Kaisers Tengelmann zeigten ebenfalls Interesse an zertifizierten Produkten.

Auf dem blauen Siegel mit einem oder zwei gelben Sternen - je nach Stufe - steht geschrieben „Für mehr Tierschutz“.

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