Atelier Rorona Plus

Nächster Versuch: Um auch in Europa Anhänger für die Atelier-Reihe zu gewinnen, hat Publisher NIS den Titel neu aufgelegt. Warum dieses ungewöhnliche Rollenspiel nun einige Spielerherzen erwärmen kann, erfahrt ihr im Test.

In Japan gar hitverdächtig, führt die Atelier-Reihe in europäischen Gefilden eher ein Nischendasein. Das soll sich nun mit einem neuen beziehungsweise neu aufgelegten Teil der ungewöhnlichen Rollenspiel-Saga ändern. Für alle, die denken, dass ihnen der Titel irgendwie bekannt vorkommt, kann ich nur sagen: Das Plus macht den Unterschied. "Atelier Rorona" ist tatsächlich nicht mehr ganz taufrisch, weil es hierzulande 2010 in die Läden kam. Mit der Plus-Version haben die Entwickler einige Schwächen ausgebügelt, die Grafik aufgefrischt und dem Geschehen nebenher noch ein paar zusätzliche Quests spendiert - lobenswert. Aber fangen wir ganz von vorne an.

Ungewöhnliche Geschichte

Anders als bei anderen Genre-Vertretern steht hier keine epische Geschichte im Mittelpunkt. Eher geht es um die täglichen Sorgen und Nöte, die wohl jeder Arbeitnehmer kennt: Die junge Rorona, ihres Zeichens Alchemisten-Lehrling, bekommt eine schockierende Nachricht - der Laden, in dem sie ihre Ausbildung macht, soll geschlossen werden. Um dies zu verhindern, muss Rorona beweisen, dass das Geschäft rentabel ist. Nur dann gibt es eine Chance, den Laden zu retten. Das war es dann auch schon grob mit der gesamten Story.

Um ihr Ziel zu erreichen, bekommt Rorona alle drei Monate ein Blatt ausgehändigt, auf denen sich Aufgaben befinden, die sie zu erledigen hat. Drei Jahre lang muss sie so ihr Können unter Beweis stellen. Schafft sie es nicht, eine Deadline einzuhalten, droht das frühzeitige Game Over. Daher werdet ihr im Verlauf der kompletten Story auch immer einen gewissen Zeitdruck verspüren - was vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Der neuste "Final Fantasy"-Teil "Lightning Returns" arbeitete übrigens mit einer ähnlichen Mechanik. Es bleibt deswegen auch wenig Raum zum Experimentieren - dadurch zieht das Tempo nach einer Weile auch etwas an.

Steigende Anforderung

Anfangs sind die Aufgaben noch recht simpel gestrickt: Besorge x-mal den Gegenstand A oder stelle Y-mal den Gegenstand B her. Klingt zunächst einfacher als es ist. Die meisten benötigten Materialien bekommt ihr durch das Erkunden der Umgebung. Für andere Produkte müsst ihr euch jedoch mit anderen anlegen und diese Gegner im Kampf besiegen - immerhin sprechen wir hier von einem Rollenspiel. Auf jeder der Listen, die ihr abarbeiten müsst, gibt es etliche Nebenaufgaben zu erfüllen. Je mehr ihr davon in der vorgegebenen Zeit absolviert, desto größer wird euer Bonus sein. Auf diese Weise erhaltet ihr zusätzliche Punkte, die ihr in eure Gesundheit, Magie oder andere Fähigkeiten stecken könnt. Besonders wichtig ist jedoch eure Gabe, alchemistische Produkte herzustellen: Ist dieser Wert gering, kann eine Synthese von zwei Stoffen schon mal in die Hose gehen. Das bedeutet nicht nur den Verlust von Materialien, sondern auch von kostbarer Zeit.

Erst nach einer Weile werdet ihr den Druck auf eueren Schultern mehr und mehr zu spüren bekommen: Dann nämlich, wenn ihr euch fragt, ob es sich für bestimmte Nebenaufgaben wirklich lohnt, ein wenig Zeit zu investieren. Eine durchaus interessante Spielmechanik, die ihren Reiz hat. Abenteurer, die jedoch nach Herzenslust und -laune die Gegend untersuchen wollen, sind hier fehl am Platz.

Aber dennoch lohnt sich die ein oder andere Nebenaufgabe: Denn teilweise werdet ihr Mitstreiter an eurer Seite haben, die euch im Kampf unterstützen. Wer ein paar Charakter-spezifische Quests löst, darf auf alternative Enden hoffen - Die Macher versprechen bis zu 30 Stück. Wenn das mal nicht die Motivation steigert?!

Lohnende Verbesserungen

Um ganz ehrlich zu sein: Das Original dieses Remakes ist an mir still und heimlich vorübergegangen. Daher kann ich keine großartigen Vergleiche anstellen, hab aber dennoch im Nachhinein einen Blick auf das Vorbild geworfen. Das erste auffällige Merkmal ist wohl die grafische Verbesserung, die die Plus-Version mit sich bringt. Die Charaktere und Umgebungen sehen deutlich besser, weil auch schärfer, aus. Ebenso hab ich mir sagen lassen, dass das Alchemiesystem früher wesentlich unzugänglicher war, als es nun der Fall ist. Die bereits erwähnten zusätzlichen Nebenaufgaben runden das Paket letztendlich ab.

Fazit

Wer auf Mangas, Animé oder japanische Rollenspiele im Allgemeinen steht, sollte hier definitiv einen Blick riskieren. Die Verbesserungen im Gegensatz zum Original fallen direkt auf, was den Titel deutlich zugänglicher macht - ein großes Lob an die Entwickler. Auch die Story finde ich auf ihre Weise charmant: Es muss eben nicht immer ein epischer Krieg vor der Tür stehen und die Zukunft der Menschheit davon abhängen. Solche alltäglichen Sorgen sollten meiner Meinung nach öfters thematisiert werden. Daher kann ich "Atelier Rorona Plus" nur wärmstens empfehlen - nicht zuletzt, weil es einen guten Einstieg in eine herrlich abgedrehte Welt bietet.

Genre: Rollenspiel, Animé
Für: PS 3 // Entwickler: Gust // Publisher: NIS Europe
Spieler: 1 // Online: nein // USK: ab 6 Jahren
Internet: www.ateliergames.eu/meruruplus/