Frankfurt: Aus der Schmuddelecke: Kampf der Spielerberater

Frankfurt : Aus der Schmuddelecke: Kampf der Spielerberater

In der Transferperiode im Sommer fließen im Profifußball wieder Millionen über Millionen. Nicht nur die Spieler und Vereine profitieren davon, auch die Berater. Die sind mittlerweile zum Teil organisiert und versuchen, sich neu aufzustellen.

(dpa)  Über den Scherz, ob dies ein Geldkoffer sei, den er mit sich herumträgt, kann Gregor Reiter nur gequält lächeln. Der Geschäftsführer der Deutschen Fußballspieler-Vermittler-
Vereinigung (DFVV) vertritt jene Branche, die im Profigeschäft längst einen zweifelhaften Ruf als Abzocker genießt. Der Rechtsanwalt will das ändern und fordert auch den Weltverband Fifa auf, die Regularien zu verschärfen. „Wir wollen in der Öffentlichkeit Verständnis dafür wecken, dass das Berufsfeld des Spielervermittlers seriös und echt ist“, sagte Reiter. „Wir wollen wegkommen von den gängigen Klischees. Es ist nicht so, dass man zwei, drei Anrufe macht und wird mit Millionen zugeschüttet.“

Insgesamt knapp 200 Millionen Euro haben die Berater zwischen März 2017 und März 2018 alleine in der Bundesliga kassiert - im Jahr davor waren es noch knapp 147 Millionen. Diese Zahlen nannten die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB), wo in der laufenden Saison 341 Agenten registriert sind.

Zu den mächtigsten im deutschen Fußball zählt Roger Wittmann mit seiner 70 Mitarbeiter starken Firma „Rogon“ in Ludwigshafen, der gerade mit Schalke 04 einen ausnahmsweise öffentlichen Disput ausficht: Sein Klient Max Meyer hat Mobbing-Vorwürfe gegen den Bundesligisten geäußert. Wittmann beklagte eine mangelnde Wertschätzung für den im Sommer ablösefreien Nationalspieler bei Schalke und attackierte dessen Sportvorstand Christian Heidel.

Mit Hochkarätern wie Julian Draxler (Paris Saint-Germain) und Roberto Firmino (FC Liverpool) hat Wittmann schon viel Geld verdient. Die immer größeren Einnahmen dieser Branche sind für Reiter nur logisch: „Die Umsätze im Berufsfußball sind allgemein gestiegen. Alleine der Sprung im Fernsehvertrag zwischen 2016/2017 und 2017/2018 brachte eine Steigerungsrate von 37 Prozent mit sich“, erklärte der DFVV-Geschäftsführer.

„Dieses Geld wird auch nach unten durchgereicht. Die Arbeitnehmer profitieren davon, das wirkt sich natürlich auch mittelbar auf die Berater aus.“ Fußball sei eine hochemotionale Angelegenheit mit großem Entertainment-Faktor und hoher Aufmerksamkeit - „aber es ist eben auch ein Wirtschaftszweig“.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ und die Enthüllungsplattform „Football Leaks“ haben viele schmutzige Details und den wachsenden Einfluss der Berater im Transfergeschäft offen gelegt. Demnach sollen sich die Ausgaben für Spielervermittler im europäischen Fußball in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt haben.

(dpa)