Ausgesetztes Baby: Mutter bleibt unauffindbar

Ausgesetztes Baby: Mutter bleibt unauffindbar

Es scheint wie verhext: Im Fall des ausgesetzten Säuglings in der Nähe des Prümer Hahnplatzes sind bislang nur eine Handvoll Hinweise bei der Polizei eingegangen. Kein einziger brachte die Ermittler auf die Spur der Mutter. Der kleine Junge liegt noch im Krankenhaus.

Der vor fast drei Wochen in der Prümer Kalkstraße ausgesetzte kleine Junge liegt immer noch auf der Frühgeborenenstation des Mutterhauses in Trier. Sein Gesundheitszustand sei stabil, sagt Andrea Fabry von der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm.

Von der Mutter oder dem Vater des am Montag, 26. September, von einer Anwohnerin gefundenen kleinen Jungen fehlt allerdings weiterhin jede Spur.

Nur eine Handvoll Hinweise sei bisher eingegangen, sagt Reinhard Rothgerber, Sprecher des Polizeipräsidiums Trier. Kein einziger habe die Ermittler auch nur einen Schritt weitergebracht: "Gar nichts. Null. Das ist schwer nachvollziehbar." Noch sei über den Abschluss der Ermittlungen nicht gesprochen worden: "Im Moment steht das nicht zur Diskussion." Zunächst gehe die Suche nach Spuren weiter, sagt Rothgerber. "Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Sonderkommission noch über viele Wochen und Monate ermittelt."

Das Kind werde frühestens in sieben Wochen zur Pflegefamilie gebracht, teilt Andrea Fabry mit, "da es bis zum normalen Geburtstermin auf der Frühgeborenenstation bleiben soll". Nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen werde das Jugendamt die nächsten Schritte einleiten: Zunächst werde der Junge bei einer Familie in Pflege gegeben. "Hierbei wird es sich um ein Dauerpflegeverhältnis handeln."

Das bedeutet, dass der Junge sehr wahrscheinlich auch bei dieser Familie aufwachsen wird. Müssen Kinder wegen einer Notsituation in ihrer Familie für einen begrenzten Zeitraum woanders untergebracht und betreut werden, spricht man von Bereitschaftspflege.

Derzeit, sagt Andrea Fabry, befinden sich im Eifelkreis Bitburg-Prüm 141 Kinder, Jugendliche oder junge Volljährige in Dauer- oder Bereitschaftspflege. Darüber hinaus gibt es auch Kinder, die zum Beispiel aus anderen Landkreisen in Eifeler Pflegefamilien gekommen sind und von anderen Stellen betreut werden - deshalb tauchen sie auch nicht immer in der Statistik auf, die Gesamtzahl ist also noch etwas höher.

Dass es in den kommenden Jahren weniger werden, ist sehr unwahrscheinlich: In Rheinland-Pfalz sei die Zahl der in Heimen und Pflegefamilien untergebrachten Kinder und Jugendlichen zwischen 2002 und 2010 von 8231 auf 10.431 gestiegen, sagt Andrea Fabry. "Eine Trendwende ist nicht ersichtlich." Das gelte auch für andere Angebote, die Kindern und ihren Familien zur Verfügung gestellt werden, beispielsweise Erziehungshilfe oder Betreuung bei der Bewältigung von Alltagsproblemen oder Hilfe bei Konflikten und Krisen.

Pflegefamilien sind dringend gesucht: "Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in ihren Familien nicht ausreichend versorgt werden, steigt seit Jahren kontinuierlich an", schreibt der Bundesverband der Pflege- und Adoptionsfamilien (PFAD) auf seiner Website. Das bedeutet auch, dass immer mehr Pflegefamilien gesucht werden, "vor allem auch für ältere oder behinderte Kinder", teilt der Verband mit.

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