Autos aufgebrochen: Richterin verurteilt Diebesbande zu Bewährungsstrafen

Autos aufgebrochen: Richterin verurteilt Diebesbande zu Bewährungsstrafen

Drei Männer sind am Montag im Trierer Amtsgericht wegen Bandendiebstahls verurteilt worden. Sie haben unter anderem gestanden, mehrere Autos in Wiltingen, Konz und Trassem (Kreis Trier-Saarburg) aufgebrochen zu haben. Dabei haben sie mehrere Tausend Euro Beute gemacht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Am Ende der Verhandlung strahlen die drei 18-, 19- und 33-jährigen Angeklagten im Trierer Amtsgericht. Sie sind nach fünf Monaten Untersuchungshaft wieder freie Männer. Richterin Lisa Winterholler hat sie kurz zuvor zwar des schweren erwerbsmäßigen Bandendiebstahls schuldig gesprochen. Aber sie alle kommen mit einer Bewährungsstrafe davon: die beiden jüngeren Angeklagten mit einer Jugendstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, der erwachsene Mittäter mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Staatsanwältin Stefanie Kuknat, die für die Angeklagten jeweils zweijährige Freiheits- oder Jugendstrafen gefordert hatte, kann noch Rechtsmittel einlegen.
Die Angeklagten gestehen in der Hauptverhandlung alle 19 Taten, die ihnen zur Last gelegt werden. Die Drei haben sich in Luxemburg kennengelernt und sind am 14..Juli nach Trier zum Moselfest am Zurlaubener Ufer gefahren. Alle Drei kämpfen zu diesem Zeitpunkt mit Geldproblemen, deshalb hätten sie sich "nach dem Feiern zu dem Beutezug entschieden", erklärt der 33-jährige Angeklagte vor Gericht.

In Trassem, Konz und Wiltingen stehlen sie zwischen dem 14. und dem 18.Juli etliche Wertgegenstände und Bargeld. Zunächst beschaffen sie sich in Wiltingen drei Fahrräder, mit denen sie zu den anderen Tatorten fahren.
Zum Teil ist ihre Beute sehr wertvoll: In einem unverschlossenen Renault in einer offenen Garage in Konz stehlen sie zum Beispiel 340 Euro Bargeld, aus zwei Autos in Trassem zwei Ferngläser im Wert von weit mehr als 1000 Euro. Ebenfalls in Trassem lassen sie ein unabgeschlossenes Fahrrad im Wert von 1500 Euro mitgehen. Sie erbeuten zudem Digitalkameras, Handys und Navis. An manchen Fahrzeugen verursachen sie hohen Sachschaden. Das Saarufer dient den drei Männern während des Beutezugs als Hauptquartier. Auf einer Liege, die sie ebenfalls gestohlen haben, verbringen sie mehrere Nächte. Am 18. Juli werden sie in Trassem festgenommen.

Dass die Strafe für den Bandendiebstahl relativ niedrig ausfällt (siehe Extra), begründet Richterin Winterholler mit dem umfassenden Geständnis der Angeklagten. Das habe das Gericht so nicht erwartet. Hinzu komme, dass keiner der Drei vorbestraft sei und dass sich die mehrmonatige Untersuchungshaft schon erzieherisch auf sie ausgewirkt habe. Die Täter zeigen vor Gericht Reue. Winterholler schließt die Verhandlung mit den Worten: "Finden Sie zu einem legalen Leben zurück und betrachten sie das als kriminellen Ausflug, der hiermit abrupt beendet wird."Extra

Schwerer Bandendiebstahl wird laut Paragraf 244a des Strafgesetzbuches mit einem Jahr bis zu zehn Jahren Haft bestraft. Der Straftatbestand liegt vor, wenn sich mehrere Täter zusammentun, um gemeinsam mehrere Diebstähle zu begehen. In minderschweren Fällen ist die Freiheitsstrafe von einem halben Jahr bis zu sechs Jahren. Nach Jugendstrafrecht gibt es keine Mindeststrafe. Es wird bei Volljährigen bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres angewandt, wenn das Gericht sie nicht für reif genug hält. Bei der Beurteilung wird die Jugendgerichtshilfe hinzugezogen. cmk

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