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BEHINDERTENSPORT: Mit Freddy zur Premiere

Proben schon einmal das Jubeln: Martin Funk, Christian Peters, Bruno Otten und Ludwig Weber starten im Juni für Deutschland bei den Special Olympics in Irland.Foto: Gabi Vogelsberg
Proben schon einmal das Jubeln: Martin Funk, Christian Peters, Bruno Otten und Ludwig Weber starten im Juni für Deutschland bei den Special Olympics in Irland.Foto: Gabi Vogelsberg
GEROLSTEIN/BITBURG. Doppelte Premiere: Erstmals ist "Kajak" Disziplin der Special Olympics-Sommerweltspiele. Als erste deutsche Teilnehmer sind vier geistig behinderte Sportler aus der Eifel nominiert worden. Die Athleten arbeiten bei den Westeifel-Werken (WEW). Von unserer Mitarbeiterin <br>GABI VOGELSBERG

"Manchmal bekomme ich Gänsehaut, wenn ich den Einsatz und die Leistung der vier sehe", sagt Kersten Neumann. Der Ex-Profi ist Chef-Trainer der Special Olympics-Mannschaft. Er war Jahre lang deutscher Bundestrainer im Kanurennsport und hat das französische Team für Sydney 2000 vorbereitet.Nach etlichen Sonder-Trainingseinheiten mit dem WEW-Team, dass Deutschland im Juni in Irland vertritt, resümiert Neumann: "Die sind ganz gut drauf und kommen besser zurecht als erwartet."WEW-Sportlehrer Harald Hansen, zuständig für die wöchentlich zwei Trainings-Einheiten, rechnet mit der Einteilung seiner Kanuten nach dem Vorlauf zum 200 Meter Rennen im Flachwasser im oberen Leistungslevel. Nach Special Olympics-Regeln startet jeder Sportler nach einer Vorentscheidung in dem ihm angemessenen Leistungsniveau."Boh, das ist toll, wenn ich die Kraft in meinen Armen spüre", sagt Bruno Otten aus Metterich stolz, als er mit dem lilafarbenen Kajak wieder am Ufer ankommt. Der 35-jährige geistig behinderte Sportler genießt es, im Einer-Kajak über den Gerolsteiner Stausee zu gleiten. Dorthin musste das Training verlegt werden, weil der Bitburger Stausee wegen des Giftunfalles auf der B 51 gesperrt wurde. Der TV Bitburg unterstützt das Kajakteam trotzdem weiter, unter anderem mit dem Ausleihen der Einer-Boote.Die Koordination von Paddelschlag, Gleichgewicht und Steuerung des Kajaks ist gar nicht so einfach. Martin Funk aus Prüm stöhnt: "Mensch, ist das schwer, das Boot immer in der Spur zu halten und sich auf die Bugspitze zu konzentrieren." Der 25-Jährige fürchtet vor allem das strenge Olympia-Reglement: "Wenn wir an die Abgrenzungsseile kommen oder das Kajak sich dreht, werden wir disqualifiziert."Starter hegen Medaillenträume

Für Christian Peters aus Kaschenbach ist das Lenken des Einer-Kajaks die schwierigste Herausforderung. Ludwig Weber aus Rittersdorf rückt derweil seine knallbunte Sportbrille am Gummiband zurecht.Das Trainerduo Neumann und Hansen wird in der verbleibenden Zeit bis zum Abflug Mitte Juni vor allem an der Rennstrategie arbeiten. Sie sind überzeugt, dass die Athleten die Technik bis dahin beherrschen.Die Stimmung in der Mannschaft ist gut. Hansen: "Sie reden von nichts anderem mehr als von den Weltspielen und dem Flug nach Dublin." Apropos Flug. Peters und Otten sind noch nie geflogen. Otten ist dennoch optimistisch: "Da wird schon nix schief gehen."Peters gesteht dagegen: "Ein bisschen Angst habe ich schon, aber ich hol mir meinen Walkman mit und höre so lange meinen Lieblingsmusiker Freddy Mercury, bis wir da sind." Funk wird derweil seinen Glücksbringer, einen lila Amethyststein, den er an einem Lederband um den Hals trägt, fest mit der Faust umschließen. Der Amethyst soll ihm auch zur Goldmedaille verhelfen.Hoffnung auf Edelmetall haben auch die anderen Starter. Neumann: "Der Sport hat einen hohen Stellenwert im Leben der Behinderten. Sie leben richtig auf und machen echte Sprünge bei der Entwicklung von Selbstvertrauen."