Leverkusen: Benders glasklare Botschaft

Leverkusen : Benders glasklare Botschaft

Fußball: Leverkusens Kapitän stellt dem Team nach dem 2:2 gegen Hannover ein schlechtes Zeugnis aus. In der Trainer-Frage setzen die Bayer-Verantwortlichen auf den Faktor Geduld.

Bayer Leverkusen nimmt langsam Abstand vom großen Saisonziel Champions League. Eine Trainerdiskussion wischt Sport-Geschäftsführer Rudi Völler nach dem Last-Minute-2:2 (1:1) gegen Hannover 96 gleichwohl (noch) weg. Bezüglich des von den Fans mit „Herrlich raus“-Rufen bedachten Coaches Heiko Herrlich sagte Völler, dass man sich weiter in Geduld üben würde. Und er schob ein Lob hinterher: „Heiko macht das richtig gut.“

Der 46 Jahre alte Coach ist derweil noch immer überzeugt: dass die Qualitäten seines Kaders zu gut sind, um die Königsklassen-Ambitionen aufzugeben. Es sei zu früh, sich „zum jetzigen Zeitpunkt von Zielen zu trennen“. Indirekter Widerspruch kam von Bayer-Spielführer Lars Bender: „Das, was vor der Saison gesprochen wurde, das kann man jetzt mal ganz hinten anstellen.“

Die Bender-Botschaft ist unzweifelhaft. Er fordert, dass wieder mit Leidenschaft sowie „ehrlichen und gesunden Emotionen“ agiert wird. „Nach dem heutigen Tag muss klar sein, dass das eine brutal harte Saison wird. Wir müssen ein bisschen aus dem Arsch kommen“, entfuhr es dem Leverkusener Spielführer.

Bender sprach das Dilemma mit bemerkenswerter Eigen-Erkenntnis an. Das Team habe eine „unglaubliche Qualität. Aber wir können sie nicht auf den Platz bringen.“ Für den Saisonverlauf gehe es schon jetzt um vieles: „Es ist nicht die Qualitätsfrage, sondern die Überzeugung, ob wir immer hundert Prozent geben.“ Ein Tiefpunkt aber sei das Remis gegen Hannover nicht gewesen.

Die Bayer-Fans unter den 26 435 Zuschauern sahen es anders. Deren „Herrlich raus“-Rufe waren laut. Und für Herrlich sogar verständlich: „Sie sind absolut berechtigt. Ich verstehe, dass der eine oder andere auch Kritik an mir übt.“

Ein Ultimatum für Herrlich gebe es nicht, versicherte Völler. Man werde auch nicht „die Nerven verlieren“. Wie aber sollen notwendige Siege eingefahren werden, wenn selbst die vermeintlich einfachsten Dinge nicht funktionieren? „Das ist die Situation, die zu uns passt“, sagte Herrlich zum vergeudeten 1:0, als Wendell in der siebten Minute einen Handelfmeter so schwach schoss, dass 96-Schlussmann Michael Esser klären konnte. Völler: „Da hatte man schon beim Anlauf das Gefühl, der wird nicht reingehen.“

(dpa)