Abu Dhabi/Damaskus: Bernd Stange – der Mann für heikle Fußball-Aufgaben

Abu Dhabi/Damaskus : Bernd Stange – der Mann für heikle Fußball-Aufgaben

Das Stadion im kleinen Emirat Schardscha tobt, als die syrische Nationalhymne ertönt. Eine riesige Fahne wird auf der Tribüne ausgebreitet. Die Euphorie beim ersten Gruppenspiel der syrischen Mannschaft bei der Asienmeisterschaft ist riesig.

Zwar endet die Partie gegen Palästina nur mit einem 0:0-Unentschieden. Für einige Anhänger geht es aber ohnehin um mehr als Sport: Die Mannschaft soll die Stärke und Einheit Syriens zeigen.

Für den 70-jährigen deutschen Trainer Bernd Stange (Foto: dpa) hat das Team vielleicht sogar die letzte Chance auf einen sportlichen Erfolg. Im vergangenen Jahr war die Mannschaft aus dem Bürgerkriegsland nur knapp in der WM-Qualifikation gescheitert. Bei dem Turnier nun in den Emiraten aber könnten die Spieler für eine Überraschung sorgen.

Stange hat die syrische Fußballmannschaft erst vor knapp zehn Monaten übernommen, um sie für die Asienmeisterschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) fit zu machen. Die Bedingungen waren dabei alles andere als optimal: Wegen des Krieges finden in Syrien keine Heimspiele statt, die meisten Spieler verdienen ihr Geld im Ausland. Mit 27 Jahren im Durchschnitt zählt die Mannschaft zu den älteren des Wettbewerbs. Zudem hat Syrien bislang noch nie die Gruppenphase des Asien-Cups überstanden.

Am Donnerstag wartet im zweiten Gruppenspiel mit Jordanien die Mannschaft, die ihr Auftaktspiel gegen die vermeintlich stärkste Mannschaft der Gruppe, Australien, gewonnen hat.

Eine persönliche Premiere hat Stange immerhin schon geschafft: Mit der syrischen Nationalmannschaft nimmt er an seinem ersten internationalen Turnier als Trainer teil. Und das, obwohl bereits einige Stationen auf der Liste des früheren Nationaltrainers der DDR-Auswahl stehen. Im Jahr 1983, mit gerade mal 35 Jahren übernahm der ehemalige Amateur-Kicker die Nationalmannschaft der DDR. Sechs Jahre war er im Amt. In jener Zeit unterhielt er auch Kontakte zum DDR-Ministerium für Staatssicherheit. 1995 wurden die Verbindungen durch einen Magazin-Bericht öffentlich. Stange war da gerade Sportdirektor bei Hertha BSC Berlin.

Im Anschluss folgten Stationen im Ausland: Ukraine, Australien, Oman, Zypern, Singapur, Weißrussland. Für sein Engagement als Nationaltrainer des von Saddam Hussein diktatorisch geführten Iraks wurde Stange kritisiert. Vom Fußball-Weltverband Fifa hingegen erhielt er eine Auszeichnung dafür, dass ihm trotz des Krieges die „Wiederbelebung des irakischen Fußballs“ gelungen sei.

Stange kennt sich also mit schwierigen Situationen aus. Auch für seine Tätigkeit in Syrien musste er immer wieder kritische Fragen beantworten. Schließlich gibt es immer wieder Versuche, die Nationalmannschaft auch in die Propaganda von Präsident Baschar al-Assad einzubinden. Vor allem ins Ausland geflohene Syrer bezeichnen die Mannschaft deshalb häufig auch als „Assads Mannschaft“.

(dpa)