Herning: Bitter: Diese schreckliche letzte Sekunde

Herning : Bitter: Diese schreckliche letzte Sekunde

Handball-WM: Deutschland wird undankbarer Vierter. Die Mannschaft und der Verband blicken bereits nach vorne.

Der entsetzte Bundestrainer Christian Prokop schmiss nach dem Drama um WM-Bronze vor Wut seine Wasserflasche auf das Parkett, die enttäuschten deutschen Handballer verabschiedeten sich auf einer letzten Ehrenrunde mit leerem Blick von den Fans. Trotz einer Weltklasse-Vorstellung von Torwart Andreas Wolff verlor die deutsche Auswahl am Sonntag im dänischen Herning das dramatische Spiel um Platz drei gegen den sechsmaligen Weltmeister Frankreich in letzter Sekunde mit 25:26 (13:9) und verpasste damit den größten Erfolg seit Olympia-Bronze 2016. „Der Schmerz ist sehr groß. Es ist brutal“, sagte Prokop.

In einem Krimi ohne Happy End konnten sich Deutschlands Handballer somit nicht mit der ersten WM-Medaille seit zwölf Jahren für ihren starken Auftritt bei der Weltmeisterschaft belohnen. Dennoch konstatierte Prokop: „Ich bin richtig stolz auf diese Mannschaft. Es hat mir riesigen Spaß gemacht, mit den Jungs die Tage dieser WM zu genießen. Bis auf das Endergebnis ist alles so gelaufen, wie wir es uns gewünscht haben.“

Für das bittere Ende sorgte Frankreichs Superstar Nikola Karabatic, der mit der Schlusssirene traf. So herrschte zunächst nur Frust im deutschen Team, für das Kapitän Uwe Gensheimer mit sieben Toren bester Werfer war.

Die große Enttäuschung der verpassten Gold-Chance durch die Niederlage im Halbfinale gegen Norwegen wirkte bei den deutschen Spielern nicht nach. Von Beginn an demonstrierte die Prokop-Truppe den festen Willen, sich wenigstens mit Bronze zu belohnen. Die Abwehr stand wieder wie eine Wand, und dahinter lief Wolff zu großer Form auf.

Mitte der zweiten Halbzeit lag der WM-Mitgastgeber in seinem einzigen Turnier-Auswärtsspiel aber dann mit zwei Toren hinten.

Trotz großen Kampfes gab es in der dramatischen Schlussphase nicht das erhoffte Happy End.

Dennoch geht der Deutsche Handball-Bund (DHB) zuversichtlich in das Mega-Jahr 2020 mit Europameisterschaft und Olympia. „Wir haben den Anspruch, jetzt weiter kleine Schritte zu gehen, um dann vielleicht ganz oben zu landen“, sagte Sportvorstand Axel Kromer. Für beide Turniere muss sich die DHB-Auswahl aber noch qualifizieren.

Schon vor dem Anpfiff war klar: Der deutsche Handball war ein WM-Gewinner. Die Euphorie rund um die Mannschaft nahm unerwartete Dimensionen an und soll dauerhaft genutzt werden. „Das erinnert mich jetzt fast noch mehr an das Fußball-Märchen 2006“, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Die Hallen waren mit insgesamt 900 000 Zuschauern so voll wie noch nie, die Fernseh-Quoten kletterten kontinuierlich in ungeahnte Höhen (siehe  WM kompakt). Quer durch die Gesellschaft nahmen die Menschen großen Anteil an den Auftritten der DHB-Auswahl.

Hanning zog daher eine zufriedene Bilanz: „Wir haben eine überragende Weltmeisterschaft in Deutschland gespielt. Unter dem Strich können die Jungs auf das, was sie geleistet haben, superstolz sein.“ Prokop will diesen Weg mit seinen Schützlingen nun konsequent weitergehen. „Wir haben viele Sympathien gewonnen“, sagte der Bundestrainer. „Es ist ganz wichtig, dass wir präsent bleiben und diese coole Sportart weiter nach vorn bringen.“