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Unwetter
Absenkung des Wasserspiegels am Stausee in Biersdorf führt zu Hochwasser

FOTO: TV / Klaus Kimmling
Bitburg/Oberbillig. Aufgrund der starken Niederschläge der vergangen Tage musste am Freitagnachmittag am Stausee in Biersdorf vermehrt Wasser abgelassen werden. Alle Ortschaften, die unterhalb des Stausees liegen, wurden rechtzeitig gewarnt. Die an den Flüssen und Bächen liegenden Campingplätze mussten evakuiert werden.
Lars Oliver Ross

Update 23.40 Uhr: Bernhard Wirtz aus Brecht hat in mehr als zwanzig Jahren noch nie so ein Hochwasser vor seiner Tür erlebt. Die Prüm, bekannt für ihre Stromschnellen zwischen Prümzurlay und Irrel, zieht hier heute wie ein reißender Fluss hinter dem Nachbarhaus von Wirtz in Brecht vorbei. Der Schaden hält sich nach seiner Aussage noch in Grenzen. „Es kommen vor allem viele Reinigungsarbeiten auf uns zu“, so Bernhard Wirtz weiter. An markanten Stellen haben sich neben Feuerwehrleuten und THW-Kräften auch Neugierige eingefunden. Ihnen fehlen teilweise die Worte oder sie berichten, dass selbst das Hochwasser von 1993 nicht diese Höhe und vor allem Tempo wie z. B. in Wißmannsdorf erreicht habe. Gerade das Tempo der Prüm bereitet auch den Feuerwehrleuten in Holsthum Mühe und fordert deren Einfallsreichtum heraus. Guido Schmitt, Zugführer bei der Feuerwehr Holsthum erzählt, dass bei der Holsthumer Mühle ein 8.000 Liter Heizöltank gesichert werden musste. Der Tank war nur noch halb voll und drohte von den Flutmassen der Prüm hinter der Mühle mitgerissen zu werden. Mit Hilfe eines Schleppers und einem Stahlseil sicherten die Feuerwehrleute den Tank ab und verspannten ihn. Zu sichern gab es auch an vielen Stellen Elektrogeräte, die normalerweise in Kellern stehen. Mit Unterstützung von Nachbarn hatten Betroffene ihre Waschmaschinen und Trockner aus den Kellern geschleppt und draußen abgestellt, um sie dann mit Abdeckplanen zu schützen. Moritz Petry, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Südeifel, ist in Holsthum vor Ort und berichtet kurz nach 19 Uhr, dass der Pegel der Prüm sinkt und der Hochwasserpegel von 2003 hier nicht erreicht werden wird. Seiner Einschätzung nach können die Feuerwehrkräfte hier etwa gegen 22 Uhr ihren Einsatz beenden. Wo Angst und Schrecken dem einen oder anderen noch in den Knochen stecken, haben ein paar Kids Freude an der überfluteten Irreler Straße am Ortseingang in Prümzurlay gefunden, Mit ihren Fahrrädern drehen sie Runde für Runde und fetzen Wasserfontänen sprühend durch die überflutete Straße. (ang)

Update 17 Uhr: Die Einsatzkräfte im Landkreis Trier-Saarburg sind gerüstet. Neben Helfern aus dem Kreis erwarten unter anderem ihre Kollegen aus dem Saarland, aus Idar-Oberstein und aus anderen Teilen des Kreises Birkenfeld die Flutwelle an der Sauer. Insgesamt sind es rund 600 Einsatzkräfte. Inzwischen sind die Campingplätze so weit wie möglich geräumt und die Bürger informiert worden.

Hochwasser an der Prüm FOTO: TV / Markus Angel

Land unter:In Pittenbach drückt der Dreesbach einen Gullydeckel aus der Verankerung und überschwemmt die Straße.
Land unter:In Pittenbach drückt der Dreesbach einen Gullydeckel aus der Verankerung und überschwemmt die Straße. FOTO: TV / Klaus Kimmling

Update 15.30 Uhr: In der Zwischenzeit wird am Stausee Biersdorf offenbar deutlich mehr Wasser in die Prüm abgelassen. In der Gemeinde Wiersdorf, die nahe der Prüm liegt, ist der Wasserspiegel von gewöhnlich knapp über 30 Zentimeter auf knapp drei Meter angestiegen.

Update 15 Uhr: Thomas Müller, Pressesprecher der Kreisverwaltung Trier-Saarburg, meldet, dass mit einer großen Flutwelle zu rechnen ist. „Wir rechnen mit einem Hochwasser wie 2003.“ Er rät den Flussanrainern besonders an der Sauer dringend, sich auf ein Hochwasser vorzubereiten. Die Campingplätze sollen geräumt werden. Weitere Einsatzkräfte sind angefordert worden.

Update 14.45 Uhr: Das Forstamt Saarburg gibt eine Warnung heraus: Aufgrund der Wettersituation sollten die Wälder westlich der Saar nicht betreten werden. Dazu sagt Forstamtsleiter Helmut Lieser, dass Laubbäume vor allem auf Standorten mit Buntsandstein jederzeit kippen könnten. Grund seien die enormen Regenfällen sowie starke Winde gepaart mit großen Wassermengen in den Kronen. Die Warnung gelte auch noch für die kommenden Tage, da Bäume dann immer noch kippgefährdet seien.

Warnung: „Umgehend das gefährdete Gebiet unterhalb des Stausees verlassen“

Der Bitburger Katatrophenschutz hatte zuvor eine Warnung für die Anwohner der Prüm unterhalb des Biersdorfer Stausees (Eifelkreis Bitburg-Prüm) herausgegeben. Weil wegen der starken Niederschläge aus dem Stausee vermehrt Wasser abgelassen werden müsse, sollen die Menschen „umgehend das gefährdete Gebiet unterhalb des Stausees verlassen“, heißt es in einer dringenden Mitteilung.

Wie viele Menschen davon betroffen seien, sei nicht bekannt, sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzes auf Anfrage von volksfreund.de Es werde ein höherer Wasserstand als im Jahr 2003 erwartet. Beim Hochwasser im Januar 2003 erreichten die Flüsse Prüm, Dauer und Lieser den höchsten Stand seit Beginn der Hochwasser-Aufzeichnungen. An der Prüm liegen unter anderem die Dörfer Wissmannsdorf, Brecht und Oberweis.

Laut Lagezentrum des Landkreises Trier-Saarburg ist damit begonnen worden, Wasser aus dem Stausee Biersdorf abzulassen. Alle Campingplätze entlang der Sauer müssen geräumt werden. Wie das Lagezentrum berichtet, droht ein Sauer-Hochwasser aufgrund der Probleme im Bereich des Stausees Bitburg. Der wird von der Prüm gespeist, die bei Minden in die Sauer mündet. In Oberbillig wurde damit begonnen, den Hochwasserschutz aufzubauen. Der Fährbetrieb zwischen Oberbillig und Wasserbillig wird zudem eingestellt.

Alarm an der Sauer FOTO: Friedhelm Knopp