Déjà vu in Trier: Wenn der Bankräuber zweimal kommt

Kostenpflichtiger Inhalt: Kriminalität : Déjà vu in Trier: Wenn der Bankräuber zweimal kommt (Update)

Fahnder der Polizei haben einen 62-jährigen Mann festgenommen, der den Überfall auf die Filiale der Deutschen Bank in Trier vom Donnerstag gestanden hat. Nach TV-Informationen handelt es sich um denselben Täter, der 2012 schon einmal diese Bank ausgeraubt hatte. Ein Gutachter hatte damals vorhergesagt, dass der Mann wieder straffällig werde.

Beim Überfall 2012 betrug die Beute 16 100 Euro. Der Täter wurde seinerzeit ebenfalls wenige Tage danach gefasst. Das Landgericht verurteilte den mehrfach vorbestraften Mann zu acht Jahren Gefängnis.

Kurz nach seiner vorzeitigen Entlassung schlug der Trierer offenbar erneut zu. Laut Polizei marschierte er ohne Maske in die Filiale in der Hosenstraße, forderte Bares und türmte mit einigen Rollen Münzgeld. Ermittler hegten schnell den Verdacht, dass es sich um den „alten Bekannten“ handeln könnte.

Als die Beamten ihn am Samstag in seiner Wohnung in Trier-Kürenz aufsuchten, bestritt er zunächst, etwas mit dem jüngsten Bankraub zu tun zu haben. Später legte er jedoch ein Geständnis ab. Der Ermittlungsrichter erließ Haftbefehl, der 62-Jährige wurde ins Gefängnis gebracht. Eine Waffe hatte er laut Polizei bei dem Überfall vermutlich nicht dabei – anders als vor sieben Jahren, als er einen Angestellten mit einer Schreckschusspistole bedroht hatte.

Samstagmorgen in Trier: Ein 62-jähriger gesteht gegenüber Ermittlern der Polizei, zwei Tage zuvor die Deutsche Bank in der Hosenstraße überfallen zu haben. Damit scheint sich der Verdacht zu bestätigen, den viele Ermittler schon kurz nach der Tat geschöpft haben.

Dieser Verdacht liegt nahe, denn das Vorgehen und die Täterbeschreibung passen zu dem Mann, der 2012 für den Überfall auf dieselbe Bank zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Auch der TV erinnert in seiner aktuellen Berichterstattung in der Samstagausgabe an den alten Fall.

Doch kommt der Verdächtige angesichts seiner Haftstraße überhaupt für die neuerliche Tat infrage? Ja, denn nach TV-Informationen ist der 62-Jährige vor mehreren Wochen vorzeitig aus der Haft entlassen worden und wohnte seitdem in Trier-Kürenz. Dort suchten ihn die Ermittler deshalb bereits am Freitag, trafen ihn jedoch nicht an. Als sie am Samstagmorgen wieder auf der Matte standen, öffnete der Mann die Tür und sah sich mit unangenehmen Fragen konfrontiert.

„Während der weiteren Ermittlungen und aufgrund der Beweislast gestand er dann, den Überfall begangen zu haben“, teilte die Polizei mit, allerdings erst am Montag. Am Wochenende war daher noch auf allen Kanälen der Fahndungsaufruf gelaufen, obwohl der mutmaßliche Täter längst hinter Schloss und Riegel saß. Uwe Konz, Pressesprecher des Polizeipräsidiums, begründet auf Anfrage die späte Bekanntgabe der Verhaftung: Die Staatsanwaltschaft habe sich vorbehalten, dass Veröffentlichungen zu dem Fall mit ihr abzustimmen seien.

Die Polizei will offiziell nicht bestägen, dass es sich bei dem Verhafteten um den Täter von 2012 handelt. Dass es daran keinen Zweifel gibt, hat der TV jedoch aus sicheren Quellen erfahren.

Und was ist mit dem bekannten Zeugenhinweis, dass ein Mann, auf den die Täterbeschreibung passt, am Donnerstagabend im Bowling-Room in der Franz-Georg-Straße (Trier-Nord) Münzrollen in Scheine gewechselt haben wollte? Es spreche „vieles dafür“, dass es sich dabei um den Bankräuber vom Donnerstagnachmittag gehandelt habe, sagt Uwe Konz. „Das ist aber noch nicht ausermittelt.“

Beim Prozess am Landgericht Trier 2012 hatte Dr. Ingo Baltes, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, als Sachverständiger bei dem Angeklagten eine „dissoziale Persönlichkeitsstörung“ festgestellt. Das heißt, das Verhalten des damals 55-Jährigen weiche dauerhaft deutlich von sozialen Normen ab. Der Mann hatte 24 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht, vor allem wegen Diebstahls, Betrugs und zweier bewaffneter Überfälle.

Der Gutachter kam zu dem Schluss, dass der Angeklagte „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ in einer ähnlich schlechten Lebenslage wie vor dem Überfall wieder straffällig werde. Die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung seien erfüllt.

Das Gericht verzichtete allerdings auf die Sicherungsverwahrung. Der Angeklagte habe den Bankangestellten nicht mit einer echten Waffe mit Kugeln bedroht, sondern mit einer Schreckschusspistole mit Gaskartuschen. Tatsächlich hat der Mann unter Polizei- und Vollzugsbeamten den Ruf, ein meist friedlicher Typ zu sein, der „draußen“ in Freiheit einfach nicht zurechtkomme. Bei seiner Festnahme vor sieben Jahren in einer Kneipe in Trier-West habe er noch sein Bier austrinken dürfen, bevor ihn die Beamten abführten, hieß es damals.

Zum Überfall 2012 sagte er als Angeklagter: „Das war ganz spontan. Ich hatte die Nase voll und wollte einfach wieder leben.“ Als „Quartalssäufer“ habe er zeitweise 50 bis 60 Flaschen Bier am Tag getrunken, dazu noch bis zu zwei Flaschen Whiskey – aus Frust.

Wie das Vorgehen beim aktuellen Fall rechtlich gewertet wird, ist ungewiss. Der Täter soll der Bankangestellten gesagt haben, dass es sich um einen Überfall handele, und wiederholt Geld gefordert haben. Eine Waffe kam aber diesmal nicht zum Vorschein. Die Mindeststrafe für Raub oder räuberische Erpressung beträgt ein Jahr, beim Verwenden einer Waffe fünf Jahre.

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